Starmania: Casting an den Instituten

30. September 2003, 17:55
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Es gibt sie: Die Superstars unter den Lehrveranstaltungsleitern der Wiener Unis - Voilà la Crème de la crème ...

Es gibt sie: Die Superstars unter den Lehrveranstaltungsleitern der Wiener Unis. Das Standard-Studententeam hat gevotet. Die "Leider nein"-Kandidaten bleiben anonym, die Finalisten nicht. UniStandard proudly presents: Die wenigen, die es in die Endrunde geschafft haben. Voilà la Crème de la crème!

"Setzt euch in so viele verschiedene Vorlesungen wie möglich", empfiehlt Publizistikprofessor Maximilian Gottschlich. Doch nach welchen Kriterien sollen sich Leidgeplagte und Wissenshungrige entscheiden - bei der Angebotsvielfalt in der Unistadt Wien? Der UNISTANDARD hat recherchiert und nach eigenem Geschmack die zehn tollsten Vortragenden ausgewählt. Kriterien für das Ranking: Unterhaltungswert, Styling und Outfit des Vortragenden, Unverwechselbarkeit und Impact-Faktor (wie schlägt die vorgetragene Materie ein, wie praxisnah ist sie). Die Reihung ist alphabetisch und hat nichts mit qualitativen Abstufungen zu tun.

Univ.-Doz. Mag. Dr. Gerhard Benetka

Institut für Psychologie: Alfred Dorfer ist jedem ein Begriff. Viele wissen aber nicht, dass der Kabarettist in Gestalt von Benetka auch an der Uni Wien sein Unwesen treibt. Paradevorlesungen: Allgemeine Psychologie I-III. Jeder, der eine der Vorlesungen besucht, wird sich an folgenden Satz erinnern: "Tua ma des jetzt alle verstehn? Des is nämlich wichtig!" Die vorgetragenen Lehrinhalte sind Basics, also für das weitere Studium absolutes Muss. Sein Image: zu jung geratener, zerstreuter Professor. 

Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Anselm Eder

Institut für Soziologie: Ob als Professor oder Märchenonkel, er versteht es, einen Hörsaal zu füllen. In der Vorlesung Einführung in die empirische Sozialforschung überspielt er mit stoischer Ruhe seine wahre Begeisterung für das Fach. Durch die Schilderung von Alltagssituationen in Bus, Bahn und Warteräumen, bis hin zu Livedemonstrationen mit "freiwilligen" Hörern veranschaulicht er die Inhalte. Sein Laster: die obligatorische Hausübung. In Sachen Styling verlässt Eder sich auf seine zeitlose Strickweste und olivgrüne Cordhose. Kommet alle und werdet euch eurer sozialen Rollen bewusst. Oder umgekehrt.

Univ.-Prof. Dr. Roland Girtler

nstitut für Soziologie: Seine Übung zur teilnehmenden Beobachtung ist sicher jedem (angehenden) Sozialwissenschafter zu empfehlen. Auf diesem Gebiet hat er die "10 Gebote der Feldforschung" entwickelt. Das Landei/Bergbauern-Outfit und der Dialekt sind authentisch, erschweren aber anfänglich das Verstehen. Doch der ehemalige Langzeitstudent (23 Semester!) weiß mit seiner spitzbubenhaften, latent rebellischen Art zu begeistern. Ein hoher Unterhaltungswert und seine mitreißende Art zeichnen seine Vorträge aus. 

Univ.-Prof. Dr. Maximilian Gottschlich

Institut für Publizistik: Das Prädikat "Beste Vorlesung" verdient eindeutig die Vorlesung Existenz und Kommunikation. Die vorgetragene Materie mag polarisieren, lässt man sich aber darauf ein, zieht sie einen in ihren Bann, lässt so schnell nicht wieder los. Die Unverwechselbarkeit des Professors ergibt sich aus wissenschaftlicher Kompetenz, grummelndem Brummbären-Charme und dem Weisheit verheißenden Nikolaus-Bart. 

Univ.-Prof. Dr. Karl Heinz Gruber

Institut für Erziehungswissenschaft: Diejenigen, die sich schon mal Gedanken gemacht haben, ob unser Schulsystem wirklich so gut funktioniert, wie es manche Politiker gerne behaupten, sind bei Professor Gruber bestens aufgehoben. Erfrischende, mit Dias illustrierte Vortragsweise und Anekdoten seiner Studienreisen erleichtern das Mitdenken. In Vergleichende Erziehungswissenschaft werden Schulsysteme anderer Länder beleuchtet und mit dem österreichischen verglichen.

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Paul Kosma

Institut für Chemie (Uni für Bodenkultur): Die Vorlesung von Professor Kosma, bei der schon so mancher Student begeistert mit der Zunge geschnalzt hat, nennt sich Organische Chemie für Lebensmittel und Biotechnologie. Kosma überzeugt durch gut vorbereitete, durchstrukturierte Vorträge, Fachkompetenz, Praxisnähe und unerschütterliche Fairness bei Prüfungen. 

Ao. Univ.-Prof. Dr. Manfred Kremser

Institut für Ethnologie: Die Karibikvorlesung des hängen gebliebenen Alt-68ers mit der "Ich-würde-gern-seriös-wirken-Frisur" erfreut sich allergrößter Beliebtheit. Überraschend, in welch kurzer Zeit mit minimalem Vortragsaufwand maximal viel hängen bleibt. Professor Kremser unterhält in erster Linie durch seine außergewöhnliche körperliche Beweglichkeit. 

Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Konrad Paul Liessmann

Institut für Philosophie: Liessmann vermag die Probleme der großen Philosophen so zu vermitteln, dass es dem Hörer zu dämmern beginnt, warum diese abstrakten Denkgebilde auch in unserer kurzlebigen Mediengesellschaft nichts an Aktualität eingebüßt haben. Bewaffnet mit trockenem Humor und engelsgleicher Geduld versucht der passionierte Sakkoträger die unendlichen Weiten der Philosophie erschließbar zu machen. Denn: "Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer."

Lektor Dr. Christian Mikunda

Institut für Publizistik: Ob Psychologie, Publizistik oder Kunst - sämtliche Studienrichtungen treffen sich bei seinen interdisziplinären Meetings. Der international bekannte Medienwissenschafter versteht seine Inhalte spontan und pointiert zu vermitteln. Wirr abstehendes Haar, Sakko und runde Brille sind seine Markenzeichen. Anhand von Werbebeispielen und Filmausschnitten werden emotionale Komponenten verschiedenster Medienwerke analysiert. Heiß: Film I+II.

Lektor Dr. Fritz Windhager

Institut für Politikwissenschaften: Unpünktlich, aber immer klassisch korrekt mit Krawatte, so kennt man Windhager, den Mann der zu niemandem Nein sagen kann. Sein Motto: "Service is my profession!". Krisenmanagement in der EU" zeichnet sich durch Gegenwartsbezogenheit und sehr guten Einblick in die Arbeitswelt von Politikwissenschaftlern aus. Referate von Studenten stehen bei ihm ganz oben.

Dieser Artikel spiegelt die ganz persönlichen Erfahrungen der Autoren wider.

(UNI-STANDARD, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.3.2003)

Von Josef C. Ladenhauf und Markus Stingl
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