Oscar-Juroren als Copyright-Sicherheitslücke

3. März 2003, 15:38
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"Screeners" der Filmindustrie werden zur Quelle für DVD-Piraten

Die Juroren der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die am 23. März zum 75. Mal die begehrten Oscars vergeben, werden zunehmend zu einem Sicherheitsproblem für die Filmindustrie. Die insgesamt 5.800 Oscar-Juroren und Jury-Mitglieder anderer Preisverleihungen wie auch Pressemitarbeiter erhalten von der Filmindustrie zur Bewertung oder Promotion traditionell Kopien der jeweiligen Filme, so genannte "Screener". Diese werden seit dem Vormarsch der DVD zu einer qualitativ hochwertigen Quelle für Raubkopierer. Die Filmindustrie sieht sich damit in einem Zwiespalt zwischen dem Kampf gegen Copyright-Piraterie und der Jagd nach Ruhm in Form von Auszeichnungen, berichtet das Wall Street Journal (WSJ) am Montag.

Samt Warnhinweis

In China, Thailand, Malaysia und anderen südostasiatischen Ländern ist es laut WSJ kein Problem, illegale Kopien der neuesten Hollywood-Filme zu finden. In den qualitativ hochwertigen Bootlegs sei sogar noch der Warnhinweis eingeblendet, dass die Kopie nur für Academy-Mitglieder und nicht zum Verkauf vorgesehen sei. Das Problem ist vor allem seit dem Siegeszug der DVD akut geworden. Früher wurden die "Screener" nur als VHS-Kassetten verschickt. Die Qualität der Kopien ließ zu wünschen übrig. Seit die Studios auf DVDs umgestellt haben, sei eine hochqualitative Quelle für DVD-Piraten geöffnet worden.

Nicht die undichte Stelle wird zur Verantwortung gezogen - sondern der Endverbraucher

Manche Studios verschicken laut WSJ pro Film mehr als 10.000 Kopien, den Großteil davon als DVDs. Disney verschickt deshalb keine Filme im DVD-Format, dessen Veröffentlichung als DVD nicht unmittelbar bevorsteht. Das Studio bekomme regelmäßig Beschwerden von Academy-Mitgliedern, die nach ihrer DVD fragen. Der Industrieverband MPAA kennt das Problem, geht es aber von der anderen Seite an. Nicht die undichte Stelle wird zur Verantwortung gezogen, sondern der Endverbraucher. DVD-Piraten, vor allem in Südostasien, nimmt die Industrie ohnedies schon länger ins Visier. Seit die Verbreitung von Highspeed-Internet zunimmt, wandert die MPAA auf den Spuren der Musikindustrie. Gegen Anbieter im Internet, beispielsweise auf eBay, soll verschärft vorgegangen werden. DVD-Piraten und Endverbraucher sind leichter auszumachen als undichte Stellen in Jurys und bei der Presse. Außerdem haben sie weniger Einfluss, wenn es wieder heißt "And the Oscar goes to". (pte)

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