"Observer": US-Geheimdienst hört UNO-Sicherheitsrats-Delegierte ab

3. März 2003, 11:12
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NSA-Agenten sollen Irak-Abstimmungsabsichten auskundschaften

In ihren Bemühungen um Zustimmung für eine Irak-Militäraktion hören die USA nach einem britischen Zeitungsbericht die Delegationen der Mitgliedstaaten des UNO-Sicherheitsrates ab. Die Londoner Wochenzeitung "The Observer" berichtete am Sonntag unter Berufung auf ein US-Geheimdokument von einer Überwachungsoperation, bei der auch die Telefonate und E-Mails von UNO-Delegierten angezapft werden.

Abstimmungsabsichten

In dem der renommierten britischen Zeitung vorliegenden Memorandum des US-Geheimdienstes National Security Agency (NSA) wurden Agenten des Dienstes angewiesen, die Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates zu überwachen, um über deren Abstimmungsabsichten in der Frage eines Irak-Krieges informiert zu sein. Nach dem vom 31. Jänner datierten Papier sind die Delegationen Angolas, Kameruns und Guineas, sowie Chiles, Mexikos und Pakistans Ziel der Abhöraktion.

Veto?

Um ihren am vergangenen Montag eingebrachten Entwurf einer neuen Irak-Resolution, die einen Krieg legitimieren soll, durch den Weltsicherheitsrat zu bringen, benötigen die USA, Großbritannien und Spanien die Stimmen von insgesamt neun der 15 Sicherheitsratsmitglieder, vorausgesetzt, dass keines der fünf ständigen Mitglieder sein Veto einlegt.

US-Außenminister Colin Powell erklärte, er rechne mit einer Mehrheit: "Ich meine, sobald eine Militäraktion als notwendig erkannt worden ist, werden viele Länder, darunter die afrikanischen, die USA unterstützen". Washington verfüge bereits über entsprechende Absichtsbekundungen, sagte er im Interview mit dem französischen Radiosender RFI. US-Emissäre hatten sich dieser Tage nach Guinea (das am 1. März den Vorsitz des Weltsicherheitsrates von Deutschland übernommen hat), Kamerun und Angola begeben.(APA)

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