Comic-Handel braucht Superkraft

2. März 2003, 20:02
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Der antiquarische Comicmarkt darbt dahin - Hauptkonkurrent für Klassiker abseits von Manga & Co.: Die Spielekonsolen

Wien - Das Geschäft im Wiener Comic-Handel läuft schleppend. Nur der Boom bei Fernost-Mangas und Superhelden-Heften ist ungebrochen. Der antiquarische Comicmarkt ist hingegen weggebrochen, bestätigen vom STANDARD befragte Comichändler unisono. "Die Branche hält die Nasenspitze nur knapp über Wasser", sagt Franz Virt, Besitzer eines Comicgeschäfts in Wien-Landstraße. "Schuld sind zum Teil die Verlage, oft wird am Kunden vorbeiproduziert." Würde nur "einigermaßen Marktforschung betrieben, könnte es nicht passieren, dass vier von zehn Werken nicht gehen."

Klassische Großverlage wie Carlsen setzten zuletzt verstärkt auf so genannte Mangas. Populäre Vertreter sind etwa "Tenchi Muyo!" und "Captain Tsubasa". Mangas unterscheiden sich im Stil stark von US-amerikanischen und franko-belgischen Strips, klare geometrische Aufteilungen und sparsame Hintergründe rücken die Charaktere mehr ins Zentrum des Geschehens.

Ein flüchtiger Blick in Verlagsprogramme genügt: Mangas werden weiter zuhauf auf den Markt geworfen. Am antiquarischen Sektor, wo alte Hefte oft wie Kunstschätze gehandelt werden, herrscht indessen kaum mehr Angebot und Nachfrage. Besserung ist laut Siegi Winkler, Chef von Ultrain-Comics & More, in nächster Zeit auch nicht zu erwarten. Nur das Superheldengenre lockt weiter neben Mangas Kunden ins Geschäft.

Spielekonsolen sind vielen Händlern zufolge der Hauptgrund, wieso immer mehr Kinder Comichelden die kalte Schulter zeigen. Deswegen richten sie ihre Läden immer mehr wie Spielzeuggeschäfte ein - im Sortiment: Videos, Tradingcards, Plastikfiguren. (Daniel Pohselt, DER STANDARD Print-Ausgabe, 3.3.2003)

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    Superman zeigt Sixpack.

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