Konvergente Evolution bei nahen Verwandten: Der Baumhummer

4. Jänner 2009, 18:42
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Deutscher Forscher untersuchte die Arten Dryococelus australis und Eurycantha horrida - beide Gespenstschrecken entwickelten sich unabhängig voneinander zu einer ähnlichen Form

Göttingen - Konvergenz ist ein altbekanntes Phänomen der Evolution: Arten, die nicht miteinander verwandt sind, bilden unabhängig voneinander einen sehr ähnlichen Körperbau aus, weil sie ähnliche Lebensumstände haben - ein Beispiel wären etwa Fische, Delfine und Ichthyosaurier. Konvergenz kann offenbar aber auch auf kleinster Ebene - innerhalb derselben Familie - stattfinden, wie der Evolutionsbiologe und Zoologe Sven Bradler von der Universität Göttingen zusammen mit neuseeländischen Forschern nun herausfand. Über die Erkenntnisse berichten die Forscher in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Proceedings of the Royal Society B".

Bradler führte molekularbiologische Untersuchungen an Baumhummern - zehn bis zwölf Zentimeter langen Insekten aus der Ordnung der Gespenstschrecken - durch, und zwar an den Spezies Dryococelus australis und Eurycantha horrida. Dryococelus australis galt seit 1986 als ausgestorben und wurde im Februar 2001 auf einer unbewohnten Felsinsel wieder entdeckt und seither im Zoo von Melbourne nachgezüchtet; Eurycantha horrida lebt auf Neuguinea. "Wenn man die beiden Baumhummer - einer davon lebt auf der zu Australien gehörenden Lord Howe Insel, der andere auf Neuguinea - miteinander vergleicht, würde man glauben, dass sie sich beide aus gemeinsamen Vorfahren entwickelt haben", so Bradler.

Selbe Anforderungen, selbe Lösungen

Seit mehr als 100 Jahren haben die Forscher zwar darüber gerätselt, wie diese Tiere eine derart weite Strecke zurücklegen konnten, dennoch blieben die Forscher bei dieser Idee. "Bei beiden der Tierarten handelt es sich um flügellose Insekten, die sich speziell an den Lebensraum angepasst haben", so der Forscher. "Molekularbiologische Studien haben aber nun eindeutig das Ergebnis geliefert, dass beide Arten kein unmittelbares Verwandtschaftsverhältnis zueinander haben." Die nächsten Artverwandten der Baumhummer von Neuguinea leben in den Regenwäldern der indonesischen Inselwelt, verfügen bisweilen über Flügel und leben auf Bäumen. Auch die nächsten Artverwandten der Spezies der Lord Howe Insel, die in Australien leben, verfügen über Flügel und verbringen die meiste Zeit als Zweige getarnt in Bäumen.

Beide Tiere sind an den Lebensraum am Boden bestens angepasst: Sie verbergen sich in Bodenhöhlen, sind gut getarnt. Die Männchen setzen ihre stark verdickten Hinterschenkel zur Verteidigung ein. "In der Evolution sind beide aus grazilen, geflügelten Stabschrecken hervorgegangen", erklärt Bradler.  (pte/red)

 

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    Dryococelus australis

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