Dezember 2008

Mit der Bim zum Wohlfühlfaktor

18. Dezember 2008, 14:49
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    foto:apa/architekturbuero wimmer

    Krankenhaus Nord: 2015 soll das 850-Betten-Haus in Betrieb gehen. Baukosten ungewiss.

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    Juryvorsitzende Silvia Gmür lobte die transparente Konstruktion, die auf Tageslicht setzt und keine labyrinthische Struktur aufweist.

Das Krankenhaus Wien Nord soll rundum ein "Wohlfühlspital" werden - Das bedeutet: moderne Architektur, großer Garten, aber keine U-Bahn vor der Tür - Baukosten ungewiss

Die Inbetriebnahme erfolgt 2015.

***

Wien - Bis spät in den Abend grübelte die 15-köpfige Jury am Mittwoch über den Plänen für das neue Krankenhaus Wien Nord. Gestern, Donnerstag, wurde das Ergebnis verlautbart. Aus dem zweistufigen EU-weiten Wettbewerb ging der Wiener Architekt Albert Wimmer als Sieger hervor. Durchsetzen konnte er sich in der zweiten Runde unter anderem gegen die österreichischen Büros Riepl Riepl mit Johannes Kaufmann (2. Platz), Moser Architekten (3. Platz) sowie Baumschlager & Eberle.

Schon seit Beginn des Wettbewerbs war von einem "Wohlfühlkrankenhaus" die Rede. "Das neue Spital wird ein Ort sein, in dem sich Patientinnen und Patienten gut aufgehoben fühlen werden, in dem aber auch das Personal gerne arbeiten wird" , sagte die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SP).

Konkret bedeutet das: Der Gebäudekomplex mit insgesamt 850 Betten ist modular aufgebaut und kann in Zukunft auf neue Anforderungen flexibel reagieren. Die Bettentrakte sind so organisiert, dass jederzeit angebaut werden kann. Wesentlicher Wohlfühlfaktor: Das Krankenhaus Nord soll ausschließlich über Ein- und Zweibettzimmer verfügen.

Besonders hervorgehoben wurden die Logistik und die Erschließung des Gebäudes. Alle Stationen sowie Notaufnahme und Ambulanz werden über Tageslicht verfügen, das den einzelnen Abteilungen über Atrien zugeführt wird. "Oft kommt man in einem Krankenhaus an und findet sich nicht auf Anhieb zurecht. Und meistens sind es die Abteilungen in den Untergeschoßen, wo man sich hinbegeben muss. Das ist unwürdig," sagt Architekt Wimmer. Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist die Einbindung der Natur: Die Patienten können mit dem Lift an die frische Luft fahren. Zwischen dem Sockelbauwerk und den Bettentrakten gibt es ein Luftgeschoß, das als Dachgarten genutzt werden soll.

In der krankenhauseigenen Gartenanlage wird es außerdem die Möglichkeit geben, eine Runde um den Teich zu drehen. Das künstliche Wasserreservoir dient gleichzeitig der Regenwassernutzung. Die gesamte Landschaftsplanung erfolgte in Zusammenarbeit mit der britischen Landschaftsarchitektin Martha Schwartz.

Übersiedelung von Kliniken

Das Krankenhaus in der Brünnerstraße 68-70 ist Teil eines neuen Spitalskonzepts. Im Zuge der Inbetriebnahme sollen einzelne Kliniken aufgelöst und im neuen Gebäude zusammengefasst werden. Ins neue Haus übersiedelt nicht nur das Krankenhaus Floridsdorf, sondern auch die Semmelweis-Frauenklinik, das Orthopädische Krankenhaus Gersthof sowie einige Abteilungen des Otto-Wagner-Spitals, des Wilhelminenspitals und des Krankenhauses Hietzing.

Durch die neue Verteilung sollen die elf KAV-Krankenhäuser mit den verbleibenden Abteilungen zu Schwerpunkthäusern werden. Das Krankenhaus Nord mit insgesamt 19 Abteilungen wird unter anderem auf Unfallchirurgie sowie auf Kinder- und Jugendpsychiatrie spezialisiert sein.

Über die genauen Investitionskosten schweigen sich alle Beteiligten aus. Hieß es im Februar dieses Jahres seitens Finanzstadträtin Renate Brauner noch, das neue Krankenhaus werde 605 Millionen Euro kosten, sei es plötzlich unseriös, sich jetzt schon festzulegen.

Baubeginn ist 2010, mit einer Fertigstellung sei bis 2013/2014 zu rechnen. Die Besiedelung des neuen Spitals erfolge dann bis 2015. "In ein neues Krankenhaus zieht man schließlich nicht mit zwei Koffern wie in ein Hotel" , erklärte der KAV-Generaldirektor Wilhelm Marhold.

U-Bahn: Maßnahmen getroffen

Knackpunkt ist der öffentliche Verkehr. Eine Verlängerung der U-Bahnlinie U6 sei nicht vorgesehen. Es gebe jedoch den Beschluss, dies nochmals zu prüfen, so Wehsely. "Doch ich bin der Meinung, dass es auch jetzt schon einen guten öffentlichen Anschluss gibt."

Zum neuen Krankenhaus tuckert man entweder mit der Straßenbahn (Linie 30 und 31), oder man nimmt die Schnellbahn S3, die allerdings nur im 30-Minuten-Takt verkehrt. Sollten sich Stadt und Bund doch noch für eine Verlängerung der U6 entscheiden, sind in der Planung alle notwendigen Maßnahmen berücksichtigt. Der Standort für den U-Bahn-Ausgang wurde bereits in der Wettbewerbsausschreibung festgehalten. (Wojciech Czaja, DER STANDARD - Printausgabe, 19. Dezember 2008)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 109
1 2 3
Gerhard Schwarz
 
13
14.1.2009, 14:05

Leider hat sich die U-Bahn-Lobby wieder einmal durchgesetzt. Um den Individualverkehr zu fördern und Platz für Autos zu schaffen. Damit ist das Floridsdorfer Bezirkszentrum zum Aushungern freigegeben...

s v
00
13.1.2009, 12:53

Angeblich gibts jetzt einen Gemeinderatsbeschluss, die U6 doch bis zum Krankenhaus Nord zu verlängern???

Nachricht vom 12.1.09

Gerhard Schwarz
 
010
21.12.2008, 11:36

S-Bahn vor der Haustür ist keine "ausreichende Anbindung"? Die Strassenbahnen in der Brünner Strasse werden vor allem durch die "autogerechten" Ampelschaltungen behindert. Die Strecke Floridsdorf- Stammersdorf besteht für die Strassenbahn zur Hälfte aus Stehzeiten vor Ampeln, deren Schaltphasen ausschließlich den Autoverkehr begünstigen.

Wer will's wissen...
02
13.1.2009, 20:20

also soweit ich weiß, begünstigt die Ampelschaltung eher die Straßenbahn, oder wie ist es sonst zu erklären, dass es an der Kreuzung Brünner Straße/Gerasdorferstraße rot wird, sobald sich die Straßbenbahn nähert, auch wenn die Grünphase erst sekunden davor begonnen hat?

Gerhard Schwarz
 
00
13.1.2009, 23:44

Technisch ist das möglich - bei den meisten anderen Kreuzungen läufts aber anders.

liebenfels
83
25.12.2008, 16:42
selten solchen Unsinn gelesen

Der 31er ist ein Verkehrshindernis der Sonderklasse

BraS
 
20
Der 31er ist ein Verkehrshindernis der Sonderklasse

wahrlich, selten so einen Unsinn gelesen

Gerhard Schwarz
 
03
26.12.2008, 01:04

Für wen?

liebenfels
52
26.12.2008, 11:11

Fü jeden, der morgens aus Stammersdorf in die Stadt fährt und sich die widerliche Bim nicht antun will

Gerhard Schwarz
 
11
13.1.2009, 23:45

Also ausschließlich für Autofahrer. Na ja.

unterwegs in Österreich
16
21.12.2008, 16:28
Das könnte man sofort ändern

wenn man den Lehner (BV Floridsdorf) endlich die Aufmerksamkeit zukommen ließe, die ihm zusteht: Net amoi ignorieren

Eustreptospondylus
10
30.12.2008, 20:29

Ist der net hoffentlich bald pensionsreif???

Sire de Vienne
51
19.12.2008, 17:51
Öffis sind olefaktorische Tsunamis Sommer und Winter....

Christoph ************
03
22.12.2008, 02:10

Na zum Glück ist der Individualverkehr für jeden Stadtbewohner der reinste Frühlingsbrisenverbreiter... *kopfsschüttel*

Oisa i find des (ned) supa
00
19.12.2008, 13:24
Unfallkrankenhaus an der Brünner Straße?

Na hoffentlich hab ich nie einen Unfall während der Rush Hour denn dann bleibt der Krankenwagen im Stau auf der Brünner Straße stehen. ;-)

Kein Begriff drückt Mich aus
03
19.12.2008, 15:35

Bei Blaulichteinsatz fahren die auf den Straßenbahngleisen.

Eustreptospondylus
00
30.12.2008, 20:30

Die es aber nach BV Lehner bald nicht mehr geben soll....

hcl
212
19.12.2008, 13:07

Lieber Journalist!

Bim ist nicht gleich "böse, langsam, unnötig" und U-Bahn ist nicht gleich "schnell, suppertoll und eierlegende Wollmilchsau". Da gibt es durchaus auch Graustufen und im Endeffekt ist vieles eine Frage der benötigten Kapazitäten. Auch wenn man als gelernter indoktrinierter Wiener über den Tellerrand der heimischen ÖPNV-Politik nur in wenigen Fällen hinaussieht.

. g.bac
44
19.12.2008, 14:06
und warum sollen nur die leute in zentrumsnähe in den genuss einer ubahn kommen?

warum müssen sich, kaum wohnt man mal nicht im 6ten oder 7ten, alle mit bussen zufrieden geben?

ausserdem kostets eh nix, (die eingesparten kosten beim miv machen das allemal weg) also seien sie doch bitte nicht so neidig.

unterwegs in Österreich
00
21.12.2008, 16:30
ABgesehen davon,

dass die Ubahn nicht das Allheilmittel ist, und die Reisezeiten mit Ubahnen in vielen Relationen länger sind als vor dem Bau, wird es wohl jedem klar sein, dass man nicht zu jedem Haustor eine Ubahnstation bauen kann.

Gerhard Schwarz
 
14
21.12.2008, 11:33

Der "Genuss der U-Bahn" besteht vor allem darin, möglichst schnell von der Peripherieins Zentrum zu gelangen und den Autoverkehr nicht durch öffentliche Verkehrmittel zu "behindern". Als verkehrmässiger Nahversorger ist die U-Bahn gerade in dichtbesiedeltem Gebiet ein massiver Rückschritt. Im Einzugsgebiet der U-Bahnstationen verlängern sich die Fußwege zum nächsten öffentlichen Verkehrmittel durch Ausdünnung der Strassenbahnversorgung: 8er am Gürtel, 64er im 12. und 23.Bezirk, 21er im 2.Bezirk, 52er und 58er auf der Mariahilferstrasse, 25er im 22. ermöglichten wesentlich kürzere Fußwege als die jetzigen U-Bahnen. So würd auch eine Einstellung des 31ers in Floridsdorf durch U6-Verlängerung Fußwege verlängern (aber Parkplätze schaffen...).

. g.bac
22
21.12.2008, 12:36
autobashing,... grüne stricherl bringts immer noch

sieht man ja auch bei der u2 im 2ten bezirk. statt, dass man die fläche unter der ubahn für parkplätze nutzt lässt man sie lieber zubetoniert brach liegen und baut daneben ein riesiges parkhaus hin.

und zubetonierte und brach liegende fläche produziert ja zum glück auch keine "indirekten" kosten (im unterschied wenn ein auto drauf stünde), sondern ist endlich mal ein sorgsamer umgang mit unseren (begrenzten) ressourcen.

Gerhard Schwarz
 
12
21.12.2008, 20:00

Eine autofreie Fläche ist auch dann sinnvoll, wenn Sie nicht begrünt ist.

hcl
03
20.12.2008, 04:42

Öffentliche Verkehrsmittel sollen durchaus auch bedarfsgerecht fahren. Und ein 6-teiliger U-Bahnzug ist beispielsweise nördlich des Kagraner Platzes von bedarfsgerecht weit entfernt. Einerseits, weil die Kapazitäten viel zu groß sind, andererseits, weil sich mit Ausnahme der Personen, die zufällig direkt neben einer U-Bahnstation wohnen, die Fußwege wesentlich verlängert haben und die Fahrzeit nicht kürzer wurde. Zudem sind die Abstände der Wiener U-Bahnstationen viel zu kurz, weil sie primär errichtet wurden um das Sekundärnetz zu ersetzen, anstatt ein effizientes Primärnetz (als Zusatzangebot zum Bestandsnetz zu schaffen).

Nebenbei ist mir schleierhaft, wo der Genuß sein soll in einem schwarzen Loch durch die Stadt zu geistern.

unterwegs in Österreich
10
19.12.2008, 20:24
Mit Kost nix is nix!

Hat doch schon jede Einzelfahrt auf der Ubahn bei vollem Aufwand 100 Schilling gekostet und das wird nicht billiger geworden sein.
Außerdem ist man mit der Straßenbahn schneller von A nach B als mit der Ubahn.

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