Das Krankenhaus Wien Nord soll rundum ein "Wohlfühlspital" werden - Das bedeutet: moderne Architektur, großer Garten, aber keine U-Bahn vor der Tür - Baukosten ungewiss
Die Inbetriebnahme erfolgt 2015.
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Wien - Bis spät in den Abend grübelte die 15-köpfige Jury am Mittwoch über den Plänen für das neue Krankenhaus Wien Nord. Gestern, Donnerstag, wurde das Ergebnis verlautbart. Aus dem zweistufigen EU-weiten Wettbewerb ging der Wiener Architekt Albert Wimmer als Sieger hervor. Durchsetzen konnte er sich in der zweiten Runde unter anderem gegen die österreichischen Büros Riepl Riepl mit Johannes Kaufmann (2. Platz), Moser Architekten (3. Platz) sowie Baumschlager & Eberle.
Schon seit Beginn des Wettbewerbs war von einem "Wohlfühlkrankenhaus" die Rede. "Das neue Spital wird ein Ort sein, in dem sich Patientinnen und Patienten gut aufgehoben fühlen werden, in dem aber auch das Personal gerne arbeiten wird" , sagte die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SP).
Konkret bedeutet das: Der Gebäudekomplex mit insgesamt 850 Betten ist modular aufgebaut und kann in Zukunft auf neue Anforderungen flexibel reagieren. Die Bettentrakte sind so organisiert, dass jederzeit angebaut werden kann. Wesentlicher Wohlfühlfaktor: Das Krankenhaus Nord soll ausschließlich über Ein- und Zweibettzimmer verfügen.
Besonders hervorgehoben wurden die Logistik und die Erschließung des Gebäudes. Alle Stationen sowie Notaufnahme und Ambulanz werden über Tageslicht verfügen, das den einzelnen Abteilungen über Atrien zugeführt wird. "Oft kommt man in einem Krankenhaus an und findet sich nicht auf Anhieb zurecht. Und meistens sind es die Abteilungen in den Untergeschoßen, wo man sich hinbegeben muss. Das ist unwürdig," sagt Architekt Wimmer. Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist die Einbindung der Natur: Die Patienten können mit dem Lift an die frische Luft fahren. Zwischen dem Sockelbauwerk und den Bettentrakten gibt es ein Luftgeschoß, das als Dachgarten genutzt werden soll.
In der krankenhauseigenen Gartenanlage wird es außerdem die Möglichkeit geben, eine Runde um den Teich zu drehen. Das künstliche Wasserreservoir dient gleichzeitig der Regenwassernutzung. Die gesamte Landschaftsplanung erfolgte in Zusammenarbeit mit der britischen Landschaftsarchitektin Martha Schwartz.
Übersiedelung von Kliniken
Das Krankenhaus in der Brünnerstraße 68-70 ist Teil eines neuen Spitalskonzepts. Im Zuge der Inbetriebnahme sollen einzelne Kliniken aufgelöst und im neuen Gebäude zusammengefasst werden. Ins neue Haus übersiedelt nicht nur das Krankenhaus Floridsdorf, sondern auch die Semmelweis-Frauenklinik, das Orthopädische Krankenhaus Gersthof sowie einige Abteilungen des Otto-Wagner-Spitals, des Wilhelminenspitals und des Krankenhauses Hietzing.
Durch die neue Verteilung sollen die elf KAV-Krankenhäuser mit den verbleibenden Abteilungen zu Schwerpunkthäusern werden. Das Krankenhaus Nord mit insgesamt 19 Abteilungen wird unter anderem auf Unfallchirurgie sowie auf Kinder- und Jugendpsychiatrie spezialisiert sein.
Über die genauen Investitionskosten schweigen sich alle Beteiligten aus. Hieß es im Februar dieses Jahres seitens Finanzstadträtin Renate Brauner noch, das neue Krankenhaus werde 605 Millionen Euro kosten, sei es plötzlich unseriös, sich jetzt schon festzulegen.
Baubeginn ist 2010, mit einer Fertigstellung sei bis 2013/2014 zu rechnen. Die Besiedelung des neuen Spitals erfolge dann bis 2015. "In ein neues Krankenhaus zieht man schließlich nicht mit zwei Koffern wie in ein Hotel" , erklärte der KAV-Generaldirektor Wilhelm Marhold.
U-Bahn: Maßnahmen getroffen
Knackpunkt ist der öffentliche Verkehr. Eine Verlängerung der U-Bahnlinie U6 sei nicht vorgesehen. Es gebe jedoch den Beschluss, dies nochmals zu prüfen, so Wehsely. "Doch ich bin der Meinung, dass es auch jetzt schon einen guten öffentlichen Anschluss gibt."
Zum neuen Krankenhaus tuckert man entweder mit der Straßenbahn (Linie 30 und 31), oder man nimmt die Schnellbahn S3, die allerdings nur im 30-Minuten-Takt verkehrt. Sollten sich Stadt und Bund doch noch für eine Verlängerung der U6 entscheiden, sind in der Planung alle notwendigen Maßnahmen berücksichtigt. Der Standort für den U-Bahn-Ausgang wurde bereits in der Wettbewerbsausschreibung festgehalten. (Wojciech Czaja, DER STANDARD - Printausgabe, 19. Dezember 2008)