Verführung hält gesund: "Love Comes Lately"

17. Dezember 2008, 17:55
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    foto: filmladen

Otto Tausig verkörpert in Jan Schüttes Komödie einen rüstigen Schwerenöter, der Frauen immer noch zu betören weiß

Eine charmante Variation über den Kampf zwischen Trieb und Vernunft.


Wien - "Ach, es gibt doch so viele Arten, einer Frau Freude zu bereiten!" Der diesen gut gemeinten Zuspruch hört, ist fast 80 Jahre alt und hat soeben von seinem Arzt eine Diagnose über den Zustand seiner Prostata erhalten. Doch Max Kohn, Schriftsteller in New York, will sich über die vielen anderen Arten gar keine Gedanken machen. Seine Fantasie ist junggeblieben. Deshalb nimmt er die Nachricht auch nicht gelassen auf. In seinen Träumen ficht er dann die Ängste aus. Da kann es vorkommen, dass ein Zugschaffner nicht nach der Fahrkarte, sondern nach der Häufigkeit von Geschlechtsverkehr fragt.

Schon nach den ersten Szenen von Love Comes Lately, dem neuen Film von Jan Schütte, ist die Stoßrichtung klar. Es handelt sich um eine dieser humorvollen Wanderungen durch die Seelenwelt eines Intellektuellen, in der der ewige Kampf zwischen Trieb und Vernunft tobt. Max Kohn würde gut in eine Reihe passen, in der manch neurotisches Alter Ego von Woody Allen neben der ein oder anderen primär sexuell getriebenen Figur von Philip Roth stünde: Männer, die sich über die Beziehung zum anderen Geschlecht bestimmen, denen aber mangelhafte Courage und (zu) ausgeprägte Moralvorstellungen die Eroberungen verderben.

Jan Schütte, der in seinen Filmen gerne zwischen den Kontinenten changiert, hat Love Comes Lately aus drei Erzählungen von Isaac Bashevis Singer kondensiert, in denen dieser seine eigene Identität im Milieu jüdischer Einwanderer und insbesondere seine wechselvollen Haltungen zu Frauen reflektiert. Der österreichische Volksschauspieler Otto Tausig, mit dem Schütte schon das dritte Mal zusammenarbeitet, erweist sich als Glücksgriff, um diese multiplen Persönlichkeiten im Film zu einer Figur zu verschmelzen.

Geriatrischer Don Juan

Tausigs Darstellung wirkt sehr unverstellt. Vielleicht meint man deshalb eine Verwunderung an ihm zu bemerken, überhaupt in diesem Film gelandet zu sein, der für ihn sonderbare Konstellationen bereithält. Kohn und seine fiktionalen Abbilder hinterlassen bei Frauen stets großen Eindruck. Aber warum sie so wirken, verstehen die vielenKohns nicht. Der "geriatrische Don Juan" , wie Tausig die Rolle gerne bezeichnet, ist ein Schwerenöter, der sich eher überrumpeln lässt und gegenüber seiner rasend eifersüchtigen Frau des Herzens Reisel (Rhea Perlman) in Erklärungsnot gerät. Zerstreutheit ist sein häufigster Geisteszustand auf einer Vortragsreise (Thema: "Faith and free will in modern literature" ), bei der er auch alternative Abenteuer im Kopf besteht - im Traum, beim Schreiben.

Sei es ein Urlaubsaufenthalt in Florida, bei der er im kaum belebten Motel von einer Bediensteten überwältigt wird, weil sie seine Gentleman-Attitüde so betörend findet; sei es eine ehemalige Studentin, die ihm ihre Dissertation widmen wollte, nun aber lieber das Bett mit ihm teilt - oder, in der wohl tiefgründigsten Episode, eine neue Nachbarin, die meint, mit Kohn den Schmerz über den unlängst verstorbenen Ehemann dämpfen zu können: Hin- und Abwendung sind in Love Comes Lately Teil derselben Bewegung - und dabei ganz selbstverständliche Manöver zwischen reifen Menschen.

Schüttes Regie betont das Fragmentarische dieser Geschichten, er inszeniert sie rau und widerborstig; es liegt nicht zuletzt an einer Reihe markanter Schauspielerinnen, dass sie am Ende existenzielle Glaubwürdigkeit behalten: Neben Rhea Perlman sind Elizabeth Peña, Barbara Hershey und Tovah Feldshuh der beste Beweis, das Max Kohn noch lebt. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.12.2008)

Ohne

Angaben, wann und in welchem Kino der Film laufen wird, ist die Kritik ganz nett aber nicht wirklich nützlich!

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Aber bitte nicht weitersagen, ist (noch?) ein Geheimtip.

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sollte zu schaffen sein, oder? frohe weihnachten!

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