
Geringere Zinsen und höherer Eigenkapitalbedarf fressen die Gewinne der Notenbank auf. Das bekommt nun die Nationalstiftung für Forschung zu spüren
Neue Hiobsbotschaft für die heimische Forschungsszene, die ohnehin bereits mit der Kürzung öffentlicher Gelder konfrontiert ist: Nun streicht auch die Notenbank mangels Veranlagungserträgen ihre Zahlungen, weshalb die von ihr dotierte Nationalstiftung als Förderstelle weitgehend ausfällt. Ursprünglich schoss sie 125 Millionen Euro im Jahr zu, heuer waren es noch 80 Millionen Euro.
In der Branche sorgt die noch inoffizielle Mitteilung der Notenbank für Entsetzen. Vor allem die auf angewandte Forschung spezialisierte FFG und der Wissenschaftsfonds FWF müssen mit drastischen Kürzungen rechnen, bestätigt Stiftungsvorstand Peter Takacs im Gespräch mit dem STANDARD. Auch die Akademie der Wissenschaften ist von der Kürzung betroffen.
***
Wien - Da staunten die versammelten Beamten und Fördermanager nicht schlecht, als die Nationalbank am Dienstag einen Ausblick ihre künftige Budgetierung der Forschung präsentierte: Notenbank-Direktor Peter Zöllner bezifferte die Ausschüttung für 2009, auf deren Basis langfristige Forschungsprojekte finanziert werden, mit null. Der Grund sind fehlende Erträge der OeNB, die von sinkenden Zinsen und höheren Eigenkapitalerfordernissen dahingerafft wurden. Dass es auch zu Fehlinvestitionen beim 1,5 Mrd. Euro schweren Notenbank-Fonds kam, wies ein Sprecher zurück.
Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Am Mittwoch herrschte nach Einlangen der Hiobsbotschaft in den betroffenen Ministerien (Wirtschaft, Infrastruktur, Wissenschaft) hektische Betriebsamkeit. Immerhin sorgte die Nationalstiftung ursprünglich mit 125 Mio. Euro im Jahr für die Basisfinanzierung langfristiger und ressortübergreifender Projekte. Bereits heuer schrumpfte der Etat auf 80 Mio. Euro zusammen. 2009 bleiben wohl nur noch die Mittel vom ERP-Fonds (Überbleibsel aus dem Marshall-Plan), die ebenfalls in die Nationalstiftung fließen und zehn Mio. Euro ausmachen dürften. Der ERP kämpft seinerseits seit Jahren mit Rücklagenauflösungen, die auf die Erträge drücken.
Nationalstiftungsvorstand Peter Takacs bestätigte dem STANDARD die Ebbe im Budget. Angesichts der geringeren Mittel aus dem Budget seien die Nachrichten "besonders schlimm". Hauptbetroffen seien die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und der Wissenschaftsfonds FWF. Zudem habe bisher auch die Akademie der Wissenschaften größere Mittel aus der Stiftung erhalten, erläutert Takacs.
"Riesiges Loch"
Auch FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth fuhr die Nachricht durch Mark und Bein: "Wenn die fehlenden Gelder nicht kompensiert werden, reißt das ein riesiges Loch in unser Budget - es fehlt jetzt etwa bei den wichtigen Programmen für Headquarter oder Bridge das Geld" , erklärt sie. In die gleiche Kerbe schlägt die Industriellenvereinigung: Forschungsexperte Gerhard Riemer kritisiert, dass Mittel gekürzt statt ausgeweitet werden. Gerade in der jetzigen Phase wären antizyklische Investitionen für F&E hilfreich und notwendig. "Wenn man jetzt nicht weiter investiert, entsteht nicht nur eine Lücke, sondern das bisher Erreichte geht verloren", so Riemer. Finnland habe beispielsweise genau in der Krise voll auf die Forschung gesetzt und sei heute in diesem Bereich weltweit führend.
Kritik wird überdies - wenngleich nur hinter vorgehaltener Hand - an der Vorgangsweise der Notenbank geübt. "Es kann nicht sein, dass die Nationalbank von heute auf morgen bemerkt, dass sich die Zinslage geändert hat" , meint ein Insider aus der Forschungsbranche. Gemunkelt wird zudem, dass sich die Notenbank aus der Stiftung zurückziehen wolle. In der OeNB sei man verärgert, dass der ERP seine Zahlungen schrittweise reduziert habe und die Notenbank alleingelassen worden sei. Deshalb sei die Motivation der Zentralbank zur Dotierung von Forschungsaktivitäten merklich geschrumpft. Ein OeNB-Sprecher stellte klar, dass die Kürzung ausschließlich mit der schlechten Ertragslage zu tun habe. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.12.2008)
Höhere Forschungsprämie, großzügigere steuerliche Forschungsförderung erwünscht
Von der innovativen Ideen zum tragfähigen Geschäftskonzept: Anreiz soll der Businessplan-Wettbewerb "Best of Biotech" sein
F&EAufwendungen und Risikokapital zählen zu den ersten Ausgaben, die in wirtschaftlich angespannten Zeiten gestrichen werden
Der Pharmariese GlaxoSmithKline stellt der heimischen Wissenschaft bis zu 236 Millionen Euro zur Verfügung
Experte Zandbergen: "Beschränkter Fokus" bei Unis
Das medizinische Forschungs- und Diagnosezentrum kann frühestens 2012 verwirklicht werden
Den politischen Entscheidungsträgern fehlt es an Mut und Ehrlichkeit für klare Entscheidungen und Schnitte - Von Luise Ungerboeck
Österreichs Zuwachs bei Forschungsausgaben höchster in Europa
Mit derStandard.at/Mobil sind Sie unterwegs immer top-informiert - mit Liveberichten und Postings!Das ist die shock doctrine. jetzt werden weitere sozialleistungen gestrichen, denn das geld wurd ja für die rettung des finanzkapitals gebraucht. gutes geschäft für die beteiligten. in 5 jahren sind dann nat. wirtschaftliche zwänge geschaffen die das sozialsystem absolut unleistbar machen. in krisen sind die menschen aber ohne orientierung und stimmen allem zu was scheinbar eine lölsung ist. auch wenn dies nur kurzfristigst ist und sehr wenigen nützt.
80 mio euro sind lachhaft wenig - im vergleich zb zu den sog. abschreibungen der finanzdienstleister. wahrscheinlich wird daher angenommen, dass auf dieses geld verzichtet werden kann. so wie auf das geld für grundsicherung, pensionserhöhung, kinderbetreuung ... zu kleine fische. unwichtig.
Betrüger gibt es überall, das ist nun wirklich keine Überraschung. Also was wollen Sie uns mit Ihrem Posting mitteilen? Dass es gerechtfertigt ist, allen Forschern das Geld zu streichen, nur weil es ein paar wenige Betrüger darunter gibt?
Wenn Sie nach diesem Grundsatz verfahren würde, dann würde sich der Staat sämtliche Ausgaben sparen können, denn Betrüger werden Sie in allen Bereichen und an allen Geldtöpfen finden: Keine Arbeitslose mehr, keine Spitäler, keine Autobahnen, keine U-Bahnen und keine Parteien mehr. Nichts mehr. In allen Bereichen wurde und wird betrogen.
ich verfahre aber nicht nach diesem grundsatz.
allerdings find ich interessant, dass man haufenweise kritische postings über zb banken oder deren manager verfassen kann, man erntet sogar noch unzählige grüne stricherl dafür, erwähnt man allerdings nur einmal, dass auch in anderen branchen (zb die heilige kuh bildung etc.) misswirtschaft betrieben wird, zeigt sich eine ganz andere seite der ach so intellektuellen standard-poster.
aja: ich bin natürlich NICHT gegen bildung. genau so wenig wie der totengräber gegen tote ist.
an alle, die mir mittlerweile verleumdung oder sonst irgendetwas unterstellt haben: nur weil sie es nicht wissen, bedeutet es noch lange nicht, dass es nicht so ist.
und ob sie das hören wollen oder nicht, ist mir völlig egal.
beweise habe ich, logisch, werfe nichts einfach so in den forumstopf.
wie ich damit umgehe, ist meine sache und die der ermittelnden beamten.
wollte einfach nur darstellen, dass nicht alles unter dem deckmantel "forschung, wissenschaft, bildung etc." sofort vergoldet gehört. auch dort darf man hinterfragen und nachbohren. no na.
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.