Gericht löst Garde auf

18. Dezember 2008 10:20

Rechtsextremisten marschierten in Roma-Siedlungen auf und betrieben minderheitenfeindliche Hetze. Nun hat ein Budapester Gericht den Verein, der dahintersteckt, aufgelöst

Die Ungarische Garde, eine rechtsextreme, romafeindliche Organisation mit Hang zu faschistoiden Operettenuniformen, ist aufgelöst. Zumindest als Verein und in erster Instanz. Nach einem fast einjährigen Verratsprozess befand Richter Árpád Pataki vom Budapester Stadtgericht am Dienstagabend, dass der Verein Ungarische Garde den Roma und anderen Minderheiten mit seinen Aktivitäten Angst einjage und ihre menschliche Würde verletze, was gegen das Vereinsrecht verstoße. Die Anwälte der Garde legten gegen das Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, umgehend Berufung ein.

Der slowakische Premierminister Robert Fico hat am Mittwoch das gerichtliche Verbot der Garde begrüßt. "Dieser Schritt wird erheblich dazu beitragen, die bilateralen Beziehungen zwischen der Slowakei und Ungarn zu beruhigen", sagte Fico. Er forderte, auch andere ähnlich extremistische Gruppen in Ungarn zu verbieten.

In Ungarn begrüßte das demokratische Spektrum das Urteil. "Zum ersten Mal hat ein ungarisches Gericht in einem solchen Fall gesagt: 'Nein, das nicht!'", erklärte die Fraktionschefin der regierenden Sozialistischen Partei (MSZP), Ildikó Lendvai. Auch die Demokratische Charta, ein Zusammenschluss prominenter linker und liberaler Intellektueller, zeigte sich zufrieden. Das Urteil beweise, dass "das geltende ungarische Recht sehr wohl Handhaben gegen minderheitenfeindliche Hetze und das Einschüchtern von Menschen bietet", stellten die Sprecher der Charta fest.

"Zigeunerkriminalität"

Die im August 2007 gegründete Garde macht vor allem gegen die rund halbe Million Roma in Ungarn Stimmung, von denen angeblich "Zigeunerkriminalität" ausgehe. Daneben übt sie eine fragwürdige Traditionspflege, wie man sie in Österreich von Kameradschaftsbünden und SS-Bruderschaften kennt - Ungarn war im 2. Weltkrieg mit Hitler-Deutschland verbündet.

Für gefährliche Spannungen sorgt sie seit ihrer Gründung mit provokanten Aufmärschen in von Roma bewohnten Dörfern und Stadtteilen. Ihr Wirken trug mit zur Schaffung eines Klimas bei, in dem sich die rassistische Gewalt gegen Roma massiv verschärfte. Allein im November starben vier ungarische Roma bei Anschlägen auf ihre Siedlungen. Das Urteil vom Dienstag wird jedoch die Aufmärsche nicht beenden. Es bezieht sich auf den Trägerverein, nicht auf die "Bewegung Ungarische Garde", der sich die Marschierer zugehörig fühlen. Eine "Bewegung" ist in Ungarn juristisch nicht definiert und fällt deshalb auch nicht unter das Vereinsrecht.

Die Aufmärsche wurden wiederum in der Regel von Privatpersonen als "Kundgebungen" angemeldet. Das geltende, liberal gefasste ungarische Demonstrationsrecht gibt aber den Behörden wenig legale Möglichkeiten, die Zusammenschluss und Spannung schürenden Umtriebe der "Gardisten" abzustellen. (Gregor Mayer aus Budapest /DER STANDARD, Printausgabe, 18.12.2008)

 

Kommentar posten
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Placebo
 
04.02.2009 20:56
Was haben die Gerichte? Der Verein ist eh rechtskräftig. In der Gruppe sind die Opfer immer stark, wenn sie dabei andere bedrängen und bedrohen können.

Harry Meier
 
18.12.2008 11:32
Weltweit sind das immer die gleichen frustrierten Typen.

Die schauen sogar alle gleich aus ....

martin kree
18.12.2008 10:45
ein licht am ende des tunnels

das verbot dieser unsäglichen garde mit all ihrer hetze gegen roma, homosexuelle und jüdische menschen ist zumindest mal ein kleiner erfolg in ungarn der mich ein wenig zuversichtlicher stimmt. immerhin wehrt sich der ungarische staat jetzt ein bisschen gegen diese glatzköpfigen hooligans.

als ungar begrüße ich zu 10000000% diese entscheidung und freue mich sehr darüber. eines muss ich aber noch anmerken. der gute herr fico könnte sich solche gratulationen gerne sparen und sich mal lieber um die reichlich vorhandenen extremisten in seinem land und seiner regierung kümmern. das würde vielleicht auch ein wenig zur verbesserung der bilateralen beziehungen der beiden länder beitragen.

Ibsen
17.12.2008 20:34
Endlich!

Aber es ist leider noch nicht rechtskräftig. Und in Ungarn kann ich mir in dieser Hinsicht leider ziemlich alles vorstellen... Siehe zum Beispiel Eierwerfen (mit Säure gefüllt!) als legale Meinungsäußerung...

Außerdem diese ganze wahnsinnige Garde müsste gleichzeitig oder zuerst auch in den Köpfen aufgelöst sein... aber solange Viktor Orbán bei den Wahlen auch die Stimmen der Rechtsextreme braucht und deshalb mit ihnen kokketiert und sich von ihnen nicht abgrenzt, wird in Ungarn nicht viel ändern.

Jake Gittes
17.12.2008 18:30

Die "Ungarische Garde" sei "unauflösbar" und werde ihre Tätigkeit mit dem Ziel "der Rettung der Nation und der Gesellschaft" fortsetzen.

Abstoßend, widerwärtig, beängstigend.

Welke Nelke
17.12.2008 17:30

das urteil ist "nicht nicht rechtskräftig" (steht zumindest um 17h29 so da)? also ist es rechtskräftig?das finde ich umso erfreulicher...

Altero
17.12.2008 16:54
STIMMT NICHT !!!

Bitte die ungarische Pressemeldung richtig übersetzen!!! Nicht die Garde wurde aufgelöst, sondern der Verein, dessen Beziehung zu der Garde juristisch nicht ganz eindeutig zu sein scheint.

8 Millionen Lebensmenschen
17.12.2008 16:50
Ungarn machts vor

FPÖ, BZÖ und ihre ganzen Jugendorganisationen verbieten

a grünes stricherl
 
17.12.2008 15:16
nationen .. rsp das europäische verständnis der "nation"

sind der untergang europas.

saualpe
17.12.2008 14:25
die antwort des establishment ...

ist ein VERBOT!
Das Establishment hat die Fähigkeit zum gesamtgesellschaftlichen Interessensausgleich verloren.

net-diver
 
22.12.2008 15:20
LOL...

... gesamtgesellschaftlicher Interessensausgleich - was soll denn das sein? In letzter Konsequenz darf dann jeder tun was er will, oder wie stellen Sie sich das vor? - Schwachsinn.

Adam Markus
17.12.2008 20:57

Ich glaube bei dir ist der Name Programm und sagt schon alles.......

Helmut Hagen Plakolmer
17.12.2008 17:00
wissen sie ueberhaupt....

was faschismus und nazismus ueber die menschheit gebracht haben?
ist ihne klar, dass ein demokratischer staat sehr wohl alle buerger schuetzen muss und daher allen jenen polit-gaunern, die minderheiten unter irgendeinem vorwand ausgrenzen wollen, das handwerk zu legen hat?
wenn sie nicht begreifen dass es mit der politkriminalitaet keinen ausgleich geben kann und darf, dann ist ihnen nicht mehr zu helfen.

FerdlGriesgram
17.12.2008 16:24

"Kein Fußbreit den Faschisten" ist in diesem Fall treffender...
...und zwar im Sinne des größten Teils der Bevölkerung.

Rotfink
17.12.2008 15:49

Was schwebt ihnen in diesem Fall für ein Interessensausgleich vor? "Faschismus light"?

Mucosaprolaps
17.12.2008 15:48

Unsinn; Ungarn schützt mit dieser Entscheidung ungarische Staatsbürger, die einer Minderheit angehören, vor anderen ungarischen Staasbürgern, die sich von einer kriminellen Organisation haben verhetzen lassen. Leider ist Österreich zu feig, um in Kärnten ählich durchzugreifen und die rechtsextremen Parteien zu verbieten.

eilat 94
17.12.2008 17:31

wo wurden in kärnten leute einer minderheit ermordet ? net bled posten.

Sandor Kocsis
31.12.2008 17:34

in Ungarn wurde auch niemand aus rassistisch motivierten Gründen ermordet.

Die von Herrn Mayer zitierten Fälle sind noch nicht geklärt. Es kann auch sein, dass es sich um Mafia Fehden handelt. Etwas, was in Oberwart zuerst auch vermutet wurde.

Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.

Pefo
18.12.2008 08:32

Also, eilat,

in welchem Posting steht etwas von "leute einer Minderheit ermordet"?
Allerdings, wenn Sie wollen, schauen Sie nach, was in Loibl, was in Lendorf passiert ist.

Mucosaprolaps
17.12.2008 17:54

In Kärnten werden slowenischsprachige Österreicher seit Jahrzehnten von deutschsprachigen Österreichern beleidigt, eingeschüchtert, diskriminiert und systematisch als "Ausländer" dargestellt. Es gtibt Vereine und Parteien, die diese Diskriminierung gezielt fördern und gegen slowenischsprachige Österreicher hetzen.

Und auf einen braunen Pöbel, der aufgrund seiner rassischen Verhetztheit zu Waffen greift, und in einer Art Aufstand Eigentum der Republik Österreich vernichtet, hätte man IMO am besten mit scharfen Waffen reagiert. Ja, ich meine den "Ortstafelsturm" des braunen Mobs.

politisch verfolgt
17.12.2008 21:36
den

zwar unnötigen, aber vergleichsweise lächerlichen ortstafelstreit mit morden zu vergleichen ist komplett jenseitig und auf dem sachlichen niveau jenes kleinformates, das hier sonst so verachtet wird.

omar chamra
17.12.2008 15:45
Ein unabhängiges Gericht ist nicht das Establishment

und wenn man Interessen abwägt, da kommt die menschliche Würde vor dem Recht der neo-Nazi ihren Haß gegen Roma mit Märschen dort wo Roma wohnen ausleben zu können.

a grünes stricherl
 
17.12.2008 15:17
was soll das denn sein das establishment?

rechtsaussen zu verbieten setz ein signal .. ein wichtiges.

und das ist ungarn hoch anzurechnen.

FerdlGriesgram
17.12.2008 16:25

Ach, die weinerliche Faschistenrethorik ist doch immer diesselbe, wenn sie mal nicht so dürfen, wie sie glauben, dürfen zu müssen...

krendl
17.12.2008 13:51
Gsindl.

Und damit meine ich nicht die Roma.

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