Die Ebene der Tonkrüge

6. Jänner 2009, 16:09
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Rätselhafte Tonkrüge in der Provinz Xieng Khuang beschäftigen die Wissenschaft und Knut. Die jüngere Geschichte der Region ist eher eine tragische

Während meinem Aufenthalt hier in Laos war es mir endlich vergönnt, die berühmte Ebene der Tonkrüge in der Provinz Xieng Khuang im Osten des Landes zu besuchen. Dort finden sich an drei Orten einige hundert, bis zu drei Meter große steinerne Krüge, die der Wissenschaft bis heute ein Rätsel aufgeben.

Zwar gibt es eine Vielzahl an Theorien über Herkunft und Nutzung der Krüge - sei es als Aufbewahrungsbehältnisse, Sarkophage etc. - doch eine wirklich Erklärung gibt es nicht. In den Überlieferungen der Einheimischen werden sie als Trinkbehälter für 6 Meter große Urlaoten bezeichnet.

Flächenbombardements der USA

In der jüngeren Geschichte hat die Ebene der Tonkrüge leider eher tragische Berühmtheit erlangt, gilt das Gebiet doch als das am stärksten bombardierte der Welt. Im Laufe ihres "Engagements" in Vietnam wurde die Region nahe der vietnamesisch-laotischen Grenze seitens der USA mit massiven Flächenbombardements bedacht um ein Durchsickern nordvietnamesischer Truppen und Kriegsmaterialien nach Südvietnam zu verhindern. Die Bombenkampagnen blieben aber lange Zeit unbekannt, da die USA ja offiziell keinerlei kriegerische Handlungen auf laotischem Staatsgebiet zugaben.

Im Gebiet um die heutige Provinzhauptstadt Phonsavan wurden so zwischen 1960 und 1970 ganze Landstriche entwaldet, sowie viele Dörfer dem Erdboden gleichgemacht. Fährt man heute durch das Gebiet, so sind die Spätfolgen der Bombardements noch immer sichtbar. Braune, verbrannte und unfruchtbare Erde prägt die Landschaft, wo einst dichte Wälder standen finden sich heute kahle Hügel - wie Pockennarben stechen hunderte Bombenkrater aus der Landschaft.

Unpassierbare Gebiete

Eine weitere Folge der US-Bombardements ist die große Zahl an nicht explodierten Sprengstoffen (UXO). Weite Gebiete sind bis heute unpassierbar. Betretbare Bereiche müssen mühsam geschaffen werden und sind klar beschildert, ein Abweichen vom Pfad kann tödlich sein. UXO ist bis heute für viele Todesfälle in der Region verantwortlich.

"Bomb-Barbecue"

So gut wie jeder Haushalt hat irgendwelche Kriegsrelikte im Garten oder sonst wie in Verwendung - die Laoten machen wohl das beste aus diesen Materialen, wenn sie beispielsweise "Bomb-Barbecue" veranstalten, bei dem leere Bombenhüllen als Griller verwendet werden.

Besonders beliebt hierbei, aber auch im florierenden Handel mit Kriegsmemorabilia, sind die Hüllen der sogenannten Cluster Bomb Unit (CBU). Diese furchtbare Waffe besteht aus einer ca. 1,5 Meter langen Hülle, die sich kurz vor dem Aufschlagen öffnet und sechs- bis siebentausend kleine, tennisballgrosse Bomben über ein Gebiet von bis zu 5000 Quadratmeter verteilt.Diese kleinen Bomben setzen bei ihrer Explosion dann je einen Regen aus 250 kleinen Stahlkugeln frei.

Sinnloser Bombenhagel

Besonders tragisch ist, dass der Bombenhagel, wie die Geschichte zeigt, völlig sinnlos war - der Vormarsch und der folgende Sieg der Nordvietnamesen konnte höchstens um kurze Zeit aufgeschoben werden, doch zu welchem Preis?

Die Reise von und nach Phonsavan führt über die höchsten "Berge" von Laos und - abseits des gängigen touristischen Trampelpfades - von Luang Prabang nach Vientiane. In der Gegend um Phonsavan sind die von den Bomben geschlagenen Wunden in der Landschaft bis heute sichtbar. Die Landschaft ist vielerorts geradezu gespickt von Bombenkratern. (Knut)

  • Der Bombenhagel war sinnlos, die Nachwirkungen sind bis heute sicht- und spürbar.
    foto: knut

    Der Bombenhagel war sinnlos, die Nachwirkungen sind bis heute sicht- und spürbar.

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