Kunst als Eisbrecher

13. Jänner 2009, 16:43
3 Postings

In einem Wiener Büro treffen Wirtschaft und Kunst unübersehbar aufeinander: Ein überdimensionaler Bildträger wird jährlich von einem neuen Künstler gestaltet - Mit Wirkung auf Mitarbeiter und Kunden

"Der Artstripe gibt dem Büro eine Identifikation", beschreibt Klaus Malle, Country Managing Director von Accenture Österreich, das Kunstprojekt im Wiener Büro des Management-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleisters. Der 37 Meter lange und 2,5 Meter breite Bildträger zieht sich durch den zentralen Arbeitsraum des Unternehmens, das Managementberatung, Technologie- und Outsourcing-Dienstleistungen anbietet, und wird jedes Jahr von einem anderen Künstler gestaltet.

Die aktuellste Ausstellung ist von der österreichischen Künstlerin Martina Steckholzer entworfen worden. Das Werk "Exhibitors' Office/Lounge" zeigt einen fotografischen Rundblick: Himmel und Baumkronen bilden einen Horizont im Londoner Regent's Park. Nicht nur im Wiener Accenture-Büro treffen Wirtschaft und Kunst aufeinander, wie Steckholzer zeigt, sondern auch in dieser Londoner Parkanlage findet alljährlich mit "Frieze Art Fair" eine kommerzielle Messe für Gegenwartskunst statt.

"Nicht als Fläche für Kunst gedacht"

"Der Architekt Andreas Schmitzer hat diesen weißen Streifen konzipiert, er war aber ursprünglich nicht als Fläche für Kunst gedacht", sagt Malle über die Entstehung des Artstripes, als Accenture das Büro im Dachgeschoss der Wiener Börse 1999 übernommen hat. Die Idee, diesen überdimensionalen Streifen als Kunstfläche zu nutzen, kam erst vom Wiener Produktionsbüro Liquid Frontiers.

"Wir wollten nie einen Künstler auswählen, der Spezialist für solch große Flächen ist", so Liquid Frontiers-Kurator Christian Muhr über die Auswahl der Künstler: "Es sollte für den Künstler selbst eine neue, spannende Erfahrung sein." Das Büro sei ein hochfunktionelles Ambiente, die Kunst breche aus diesem Umfeld aus, so Muhr.

Die rund 300 Mitarbeiter des Büros nehmen die jährlich wechselnden Kunstwerke durchwegs positiv auf, so Malle. Es gebe aber unterschiedliche Meinungen: "Der Artstripe ist aber einfach immer Thema. Wenn Gäste ins Büro kommen, spricht man sofort darüber. Er ist sozusagen ein Eisbrecher."

Weites Experimentierfeld

Für die Künstler gebe es laut Kuratorin Sabine Dreher keine Aufgabenstellung: "Trotzdem reagieren die Künstler selbst auf das, was das Unternehmen tut und wofür es steht."

Eine Jury bewertet schließlich die verschiedenen Vorschläge zur Gestaltung des Artstripes. Das Großbild wird digital auf ein Gewebe gedruckt, das zwischen Schienen durchgehend in den Raum gespannt wird. Erst, wenn das Bild installiert ist, kann es durch die einnehmende Größe auch seine gesamte Wirkung verbreiten. Die aktuelle Ausstellung von Martina Steckholzer zeigt sich beispielsweise je nach Tageslicht und Perspektive in verschiedenen Versionen.

Durch das Format, das den Künstlern ein weites Experimentierfeld bietet, entstehen jedes Jahr völlig unterschiedliche Umsetzungen: Heinrich Dunst zeigte in der ersten Ausstellungsreihe 2000 abstrakte Text- und Farbmodule, die als Platzhalter für die Vielzahl verschiedener Abbildungsstrategien stehen sollten. Der österreichische Künstler Nikolaus Gansterer präsentierte im Vorjahr eine grafische Arbeit aus Linien, die Verbindungen zwischen einer Weltkarte, einem Zellkern und dem Querschnitt eines Genoms bildeten.

Obwohl es sich beim artstripe um ein Auftragswerk handelt, erwirbt das Unternehmen Accenture nur die Rechte für die temporäre Nutzung des Werks. Nach einer einjährigen Präsentation wandert die Arbeit in den Besitz des Künstlers. (Maria Fanta, derStandard.at)

  • „Exhibitors' Office/Lounge": Das Werk der Künstlerin Martina Steckholzer im Wiener Büro von Accenture
    accenture/christian wachter

    „Exhibitors' Office/Lounge": Das Werk der Künstlerin Martina Steckholzer im Wiener Büro von Accenture

  • "Global Players" von Nikolaus Gansterer im Jahr 2007/2008
    accenture/christian wachter

    "Global Players" von Nikolaus Gansterer im Jahr 2007/2008

Share if you care.