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Bangkok/Wien - Das thailändische Parlament hat am Montag Abhisit Vejjajiva von der Demokratischen Partei zum neuen Regierungschef gewählt. Er wird der 27. Premier des Landes, und zugleich der dritte in nur wenigen Monaten. Nach knapp neun Jahren stellen damit erstmals wieder die bisher oppositionellen Demokraten den Regierungschef. Die Anhänger der bisherigen Regierung kritisierten Abhisit als "Strohmann der Armee". Der 44-jährige studierte Politologe und Ökonom wird der jüngste Premier in der Geschichte Thailands.
Abhisit wurde am 3. August 1964 in Newcastle in Nordengland als Sohn eines wohlhabenden, thailändisch-chinesischen Medizin-Professoren-Paares geboren. Er besuchte das prestigeträchtige Eton College sowie die Universität Oxford, an der er sein Studium der Politikwissenschaft, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften mit Auszeichnung abschloss.
Hohes Ansehen in Bangkoker Elite
1992 begann Abhisit seine politische Karriere, mit nur 27, als einer der jüngsten Parlamentarier für die älteste Partei Thailands, die Demokraten. Besonders unter den Intellektuellen Bangkoks gewann er, unter anderem wegen seines Auftretens und seiner wohlartikulierten Reden, schnell an Ansehen. 2005 übernahm er den Vorsitz der Demokratischen Partei. Unter ihm boykottierte die Partei in Opposition zu dem damaligen Premierminister Thaksin Shinawatra die - als nicht legitim empfundenen - Parlamentswahlen 2006, was nicht zuletzt die Krise und den darauffolgenden Sturz Thaksins mitauslöste.
Ablehnung in der Provinz
Abhisits Rivale und ehemaliger Premier Samak Sundaravej verglich Abhisit mit einer "unreifen Mango" und bezeichnete ihn als zu jung für eine Führungsposition. Abhisits Ausbildung im Ausland ist zwar der internationalen Geschäftswelt sehr willkommen, dient aber nicht gerade seiner Verbindung zu den ländlichen Thais im Nordosten des Landes, die mehrheitlich hinter Thaksin stehen. In seinen rar gesäten Besuches außerhalb Bangkoks und den demokratischen Hochburgen stieß Abhisit dementsprechend in der Regel auf Ablehnung. Einmal musste Abhisit sogar während einer Tour der Demokraten in der Stadt Chiang Mai im Norden vor Anhängern Thaksins von der Bühne flüchten und sich hinter einem Stapel faulem Gemüse in Sicherheit bringen.
Während der Tumulte in den vergangenen Wochen unterstützen die Demokraten die Regierungsgegner und ihr außerparlamentarisches Bündnis Volksallianz für Demokratie (PAD), nahmen aber nicht an den Demonstrationen teil.
Kritiker finden in dem jungen Demokraten zahlreiche Angriffsflächen. Abgesehen von Thaksins Unterstützung einer "sauberen Regierung" in dem korruptionsgeplagten Land und seiner Verurteilung des Sturzes Thaksins wegen Korruptionsvorwürfen 2006 wird Abhisit als Günstling des Militärs und der PAD kritisiert. Auch während der illegalen Flughafenbesetzungen durch die PAD verurteilte er deren Vorgehen nicht. Kritiker werfen Abhisit außerdem vor, seine Politik beinhalte Elemente von jener Thaksins, etwa betreffend sein Bekenntnis zu dem von Thaksin eingeschlagenen Weg im öffentlichen Gesundheitswesen oder zur Vergabe von günstigen ländlichen Darlehen.
Andererseits zeigt sich Abhisits Politik von einer Mischung aus Ideen des rechten und linken politischen Spektrums und scheinbaren Widersprüchen geprägt: etwa seinem Gelöbnis für mehr Übersee-Freihandels-Abkommen und zugleich seiner Zusicherung, Thaksins Teilprivatisierungen einiger staatlicher Firmen rückgängig machen zu wollen. (APA/AP/Reuters)
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