Hintergrund

Mit 148 Dezibel gegen Piraten

12. Dezember 2008, 16:38
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    foto: epa/jason r. zalas

    Somalische Piraten an Bord des chinesischen Fischkutters Tian Yu 8

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    foto: ap /george abdaladze

    LRAD im Einsatz: die georgische Polizei verwendete das System (auf dem Autodach zu sehen) im November 2007 gegen Demonstranten.

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Piratenabwehr als Geschäft: Securityfirmen und Hersteller nicht-tödlicher Abwehrsysteme können sich nicht über Auftragsmangel beklagen - Eine Methode: Ohrenbetäubender Lärm

Durch den Golf von Aden fahren jährlich 21.000 Schiffe. 102 davon wurden heuer angegriffen, 40 davon gekapert. Versuche, die von der Küste Somalias aus operierenden Piraten mit Kriegsschiffen zurückzudrängen, waren bisher erfolglos: keine Marine der Welt hat genug Seefahrzeuge, um die fast drei Millionen Quadratkilometer zuverlässig zu überwachen.

Branchenvertreter raten davon ab, die Besatzungen mit Schusswaffen auszustatten, weil die Waffengesetze vieler Länder den Import von Gewehren und Pistolen verbieten. Auf Schiffe spezialisierte Bewachungsfirmen wie die britische APMSS - "Anti Piracy Maritime Security Services (Non-Lethal)" schwören deshalb auf "nicht-tödliche" Abwehrsysteme, wie sie auch von den Sicherheitskräften einiger Länder benutzt werden. Neben weidezaunartigen Stromkabeln, Hochdruckschläuchen und Schaumsprays, die das Deck mit einer rutschigen Schicht überziehen, kommt vor allem ein neuartiges Lautsprechersystem, das eigentlich für den Einsatz gegen Demonstranten entwickelt wurde, zum Einsatz.

Durchsagen und akustische Abschreckung

Dieses "Long Range Acoustic Device" (LRAD) der Firma  American Technology Corporation soll Angreifer mit hochfrequenten Tönen vertreiben, ermöglicht aber auch Durchsagen. Innerhalb des 30 Grad breiten Richtkegels erreicht das Gerät eine Lautstärke von 148 Dezibel direkt vor dem Parabolspiegel, in hundert Meter Entfernung liegt diese laut Herstellerangaben immer noch über der Schmerzgrenze. Die US Navy hat bereits 45 Geräte angekauft.

Firmensprecher Robert Putnam gibt gegenüber derStandard.at an, dass das System bisher hauptsächlich in den USA verkauft wurde. In Europa haben bisher nur Frankreich, Georgien, Großbritannien und Russland LRAD-Geräte. Besonderes Kundeninteresse besteht laut Putnam im südostasiatischen Raum.

Ohrstöpsel gegen High-Tech

Den Einwand, dass das Gerät gegen Angreifer, die einen handelsüblichen Gehörschutz tragen, wirkungslos sei, lässt Putnam nicht gelten: Wenn Menschen beim Anblick des Systems eine Kopfbedeckung aufsetzten, zeigten sie damit ihre Absichten. So könnten die Sicherheitskräfte potenzielle Unruhestifter bereits aus der Entfernung erkennen und angemessene Maßnahmen ergreifen.

Dies bringe auch für von Piraten bedrohte Schiffe wichtigen Handlungsspielraum: je früher die Besatzung erkennt, dass es sich um kein harmloses Fischerboot handelt, desto größer seien die Chancen, durch rasches Beschleunigen zu entkommen. Auf dem Wasser ist das Gerät laut Putnam in 2000 Meter Entfernung zu hören.

Bedenken über mögliche Gesundheitsschäden hat Putnam nicht: "Wenn jemand seine Hand auf eine heiße Herdplatte legt, braucht er sich nicht zu beklagen". Der große Vorteil des Systems liege in der möglichen Verhinderung von Eskalationen: durch die im Vergleich zu normalen Megaphonen äußerst hohe Tonqualität seien Durchsagen auch bei lauten Hintergrundgeräuschen auf jeden Fall zu verstehen.

Wachleute sprangen ins Wasser

Beim Piratenangriff auf den unter liberianischer Flagge fahrenden Chemikalientanker Biscaglia Ende November versagte das LRAD-System jedenfalls kläglich: nachdem die Piraten mit Sturmgewehren und Panzerabwehrwaffen das Feuer auf die Bedienungsmannschaft eröffneten, ließen die die drei britischen Wachmänner das Schiff im Stich, sprangen ins Wasser und ließen sich von einem Hubschrauber in Sicherheit bringen.

Ihr Chef Nick Davis, der Eigentümer der Sicherheitsfirma APMSS, beschreibt den missglückten Einsatz: "Die Piraten haben unsere Leute ausgelacht. Akustische Abwehrsysteme funktionieren nicht mehr, wen sie von einem Geschoß aus einer Kalaschnikow getroffen werden." Das Branchenmagazin Lloyds List rät mittlerweile vom Kauf der bis zu 125.000 Dollar teuren Geräte ab. (Berthold Eder/derStandard.at)

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back mann!
14
20.3.2009, 10:21
gleihes mit

gleichem vergelten !....soll heissen wenn einer mit einer AK auf jemanden feuert, na dann feuer ich halt zurück...ist weit effektiver wie so ein lärmautomatdingsbumms !!

Hein Fockschot
11
12.4.2009, 12:23

vieleicht sollte man mal die anlaufhäfen der piraten neutralisieren. sollte doch nicht so schwer sein. dann ist wenigsten dort mal ruhe

harhar
00

Ja, die Anlaufhäfen der Piraten von UN-Truppen blockieren oder besetzen.

zentralverband der ablebensmenschen
00
19.1.2009, 19:09
142km/h wirken oft stärker als 148db

Werner Lischka
11
26.12.2008, 00:10
schnapsidee!

f.d. abwehr eines entschlossenen enterkommandos unbrauchbar. auch mg's oder gatlings sind bei den heutigen frachtern keine lösung (die schiffe sind zu gross, der tote winkel f. kleine boote zu gross, die mannschaften nicht ausgebildet).
abhilfe können nur entweder militärische präsenz oder geschultes & bewaffnetes personal (das ist wahrscheinlich den reedern zu teuer) bieten.
alternativ könnten sich noch die reedereien zusammentun und q-schiffe ausrüsten (getarnte, bewaffnete frachter, die piraten anlocken & versenken - war im 1.wk eine funktionierende waffe gegen dt. u-boote, die hauptsächlich über-wasser angriffen).
schallwaffen funktionieren nur mit musikantenstadel!

Nick Tameer
02
25.12.2008, 23:39

Asterix und Obelix ans Horn von Africa!

Placebo
 
01
14.12.2008, 22:25
Sind die ganzen Satelliten, die angeblich die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen finden könnten nun offline, dass man diesen Fleck Wasser plötzlich nicht mehr überwachen könnte?


Oder sind alle auf die Pickel Putins gerichtet?
Man könnte es meinen...

Radikal Oi
21
13.12.2008, 19:36

fällt wem der wahnwitz auf, wieviel geld und anstrengung schonwieder unternommen wird um das wertvolle öl zu retten..

harhar
00
Radikal Oi

Gibt es für Sie nur ein Thema, das Öl heißt?

Der Österreicher
12
13.4.2009, 18:45

Wenn bei Ihnen Eingebrochen wird und sie sich ein Sicherheitsschloss zulegen, ist das dann auch Wahnwitz?

Aber feste jammern wenn die Spritpreise steigen.

Tigellinus
32
12.12.2008, 22:22
die usa rauben einen staat und teile der presse nennen das befreiung,

warum ist dann das befreien dieser tanker keine befreiung?

Erich Hofbauer
21
12.12.2008, 16:11
Mikrowellen

wie wärs statt Lärm mit gebündelten Mikrowellen? Lautlos, zählt vermutlich nicht zu Waffen, und gekochte Piraten sind vermutlich leichter verdaulich für Haie...
http://www.spiegel.de/wissensch... 87,00.html Statt 95 GHz halt 2,45, die übliche Frequenz von Mikrowellenherden >:->

Flat Decider™
00
13.12.2008, 23:07
hatten wir hier auch schon ...

derstandard.at/?url=/?id=2742316 - mit 188 postings.

c42
00
13.12.2008, 15:13

Wie bitte? Wieso soll das nicht als Waffe zählen? Was soll so eine "Mikrowellenkanone" anderes sein?

Käsebrötchen
 
03
12.12.2008, 14:34

modern talking musik mit einer lautstärke von 80 dezibel würde schon reichen um die piraten zu vertreiben.

Kottan ermittelt
00
13.12.2008, 19:42

Das wäre Umweltverschmutzung

scubaman
05
12.12.2008, 14:43
Ja

das ist aber Folter. Schwere Folter.

Friedrich N.
 
00

dafür das keiner modern talking leiden kann hat es sich aber millionenfach verkauft. ich gebs zu im urlaub hör ich es gern.

Barney_Stinson
00
macht nichts

Bergauer
01
12.12.2008, 13:59
Man müsste das einfach so umrüsten, dass es nur noch die Priaten, nicht aber die braven Seeleute hören.

Wie eine Hundepfeife eben!

Mathias
 
02
12.12.2008, 12:55
Wirksame "Waffe" gegen Piraten...

... wäre meiner Meinung nach ein Boot mit "Gallieren"! Da versenken die sich gleich selber ;-)

Ingen Ting
65
12.12.2008, 12:45

Einige der PosterInnen sollten vielleicht darüber nachdenken, wodurch diese Piraterie so stark zugenommen hat: nämlich dadurch, dass der ursprüngliche Nahrungserwerb dank massiven Fischfangs ausländischer Flotten in küstennahen Gebieten verunmöglicht wurde. Diese Menschen wollen genausowenig wie wir verhungern. Und inzwischen wollen sie sogar nicht nur überleben sondern genauso gut wie wir leben...

Dirty_Harry
00
16.4.2009, 22:07

naiv

c42
13
13.12.2008, 15:20

Sie haben insofern recht, als dass erhöhte Kriminalität praktisch immer auf Armut zurückzuführen ist - egal, zu Land und zu Wasser. Natürlich wäre es wichtig, durch Armutsbekämpfung das Problem an der Wurzel zu packen.
ABER: Man sollte sich tunlichst davor hüten, diese skrupellosen Verbrecher mit Seeräuberromantik zu verharmlosen. Und man darf ihnen ganz sicher nicht freie Hand lassen, weil sie ja so arm sind.

Placebo
 
00
14.12.2008, 22:28
Die "Piraten" sind ja nicht das Problem, verharmlosen sollte man sie nicht.


Aber was wir die arme Bevölkerung wohl denken, wenn sie einpaar Almosen verteilen und den Robin Hood geben?

SIE werden es verstehen, weil es in ihren Augen ja doch nicht ganz so unmoralisch ist. Verweisen muss man dabei nur auf die Kolonialzeit und die gezielte Ausbeutung aus den Staaten, die nun Kriegsgerät entsenden, um diese Ausbeutung zu schützen (so sieht es ein Ausgebeuteter, wir Dickwänste sicher nicht ;-)

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