Schwerpunkt Menschenrechte

"Die Ärmsten sollten nicht für die Habgier der Reichen bezahlen müssen"

10. Dezember 2008, 17:12
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    foto: apa/ martial trezzini

    "Immer mehr führende Unternehmen erkennen, dass der Respekt gegenüber Menschenrechten auf gut für das Geschäft ist", ist Irene Khan, Generalsekretärin von Amnesty International, überzeugt

Amnesty International Generalsekretärin Irene Khan im derStandard.at-Interview über Druck auf große Unternehmen, Selbstbestimmung der Frauen und die EU-Abschieberichtlinie

Nicht nur Staaten, sondern auch Unternehmen haben die Verpflichtung, die Menschenrechte einzuhalten, sagt Irene Khan, die Generalsekretärin von Amnesty International, im Interview mit derStandard.at. Einige Konflikte, zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo, hätten zum Teil direkt mit der Wirtschaft zu tun. Doch der Respekt gegenüber Menschenrechten kann auch gut für das Geschäft sein, deshalb seien immer mehr Unternehmen bereit zu kooperieren.

Khan berichtet, auf welche Weise die Organisation arbeitet, wie sie Druck auf Staaten und Unternehmen ausüben kann und warum Amnesty gegen die Gefahr ankämpfen muss, "Herz und Seele" zu verlieren.

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derStandard.at: Sie sind seit 2001 Generalsekretärin von Amnesty International - kein einfacher Zeitpunkt um das Amt anzutreten angesichts der Anschläge in New York am elften September. Welche Probleme haben nach Meinung von Amnesty International 60 Jahre nach Festsetzung der Menschrechte Vorrang?

Irene Khan: In den vergangenen Jahren konnten wir einige positive Veränderungen registrieren: Viele Länder haben Menschenrechte eingeführt und die Todesstrafe abgeschafft. Am wichtigsten ist meiner Meinung nach das Wachstum der Zivilgesellschaft und der Menschenrechtsorganisationen in vielen Teilen der Welt.

Auf der anderen Seite gab es nach den Anschlägen des elften Septembers und dem darauf folgenden "war on terror" Rückschläge im Bereich der Menschenrechte. Außerdem sind Ungleichheit und Armut im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise gestiegen und werden weiter ansteigen.

derStandard.at: Welches Thema hat auf dem Programm von Amnesty International im Moment Vorrang?

Khan: Ich denke, das hat auf jeden Fall mit den wirtschaftlichen und sozialen Rechten zu tun. Angesichts der wirtschaftlichen Gegebenheiten weltweit fürchten wir, dass sich unsere Arbeit schwieriger gestalten wird. Immer mehr Menschen werden in die Armut gedrängt und immer weniger Länder werden Geld dafür haben, um in soziale Entwicklungsprogramme zu investieren. Deshalb werden wir uns in Zukunft noch verstärkt für die Rechte von Armen einsetzen.

Ein zweites Thema sind die ungelösten Konflikte. Wir kennen die Zustände in der demokratischen Republik Kongo, im Sudan, im Nahen Osten, aber auch in Somalia und Sri Lanka.

Und drittens gilt es, gegen den internationalen Terrorismus vorzugehen. Was in Mumbai passiert ist, zeigt nur noch deutlicher, dass dieses Thema nicht verschwindet, sondern nur komplizierter wird. Leider sehen es in diesem Zusammenhang viele Staaten als bequeme Lösung an, den Terror durch Aushöhlung der Menschenrechte zu bekämpfen.

derStandard.at: Um zum ersten Punkt zurück zu kommen: Wie denken Sie, muss man mit der weltweiten Wirtschaftskrise umgehen?

Khan: Die ärmsten Menschen sollten nicht für die Habgier der Reichen bezahlen müssen. Die Auswirkungen in den ärmeren Ländern werden zu anderen Nachwirkungen führen: Diskriminierung, Spannungen, Gewalt. Wir wissen aus der Geschichte, dass dadurch Unsicherheit erzeugt wird. Und daher muss der Investition in wirtschaftliche und soziale Rechte Vorrang eingeräumt werden.

Amnesty International fordert auch von Unternehmen, den Menschenrechten mehr Aufmerksamkeit zu widmen, denn ihre Arbeit hat weit reichende Auswirkungen. Wir untersuchen zum Beispiel, auf welche Weise manche Unternehmen mit den Kämpfen im Kongo zu tun haben. Es gibt einige Konflikte, die durch die Wirtschaft erzeugt werden.

derStandard.at: Hören große Unternehmen überhaupt auf Amnesty International? Was ist deren Motivation, um zu kooperieren?

Khan: Ich glaube, dass immer mehr führende Unternehmen erkennen, dass der Respekt gegenüber Menschenrechten gut für das Geschäft ist. Ansonsten riskieren sie ihren guten Ruf und ihre Sicherheit. Das ist zum Beispiel Unternehmen passiert, denen Kinderarbeit nachgewiesen werden konnte.

derStandard.at: In den vergangenen Jahren wurde Amnesty International wegen seines Standpunkts zur Abtreibung wiederholt kritisiert. Das widerspreche dem Recht auf Leben, für das sich die Organisation einsetzt. Wie sehen Sie die Diskussion?

derStandard.at: Wir behandeln alle Rechte der Frauen in Bezug auf Fortpflanzung. Ein wichtiger Aspekt ist Information. Frauen - wie auch Männer - sollte freien Zugang zu Informationen über Sexualgesundheit und Verhütung haben. Sie sollten die Möglichkeit haben, selbst zu regulieren. Das wird leider viel zu oft nicht respektiert. Es gibt Länder, in denen Frauen keine medizinische Auskunft ohne Einwilligung ihres Ehemanns bekommen können. Amnesty vertritt die Meinung, dass das falsch ist und die Frauen ein Recht auf ein selbst bestimmtes Leben hat.

Außerdem gibt es Situation, in denen Frauen ungewollt und durch Gewalt schwanger werden. Das ist momentan leider oft in den Krisengebieten von Darfur oder im Kongo der Fall, wo Vergewaltigung als Kriegswaffe eingesetzt wird. In diesen Fällen sollte den Frauen der Zugang zu legaler Abtreibung erleichtert werden. Außerdem denke ich, dass es falsch ist, Abtreibung zu kriminalisieren. Es gibt Länder, ein Beispiel wäre Nigeria, wo Frauen, die verdächtigt werden abgetrieben zu haben, in der Todeszelle sitzen. Andere Frauen verbluten nach mißglückten illegalen Abtreibungen, da sie das Krankenhaus nicht behandeln darf.

Aber um das noch einmal hervor zuheben: Am wichtigsten ist es, dass Frauen überhaupt nicht in die Situation kommen, dass sie eine Abtreibung brauchen.

derStandard.at: Sie haben auch für das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) gearbeitet. Wie beurteilen Sie die EU-Abschieberichtlinie?

Khan: Amnesty International ist davon sehr enttäuscht. Es werden weder die Rechte, noch die Sicherheit oder die Würde der MigrantInnen respektiert. Die Direktive erlaubt einen langen Zeitraum des Arrests, bis zu 18 Monate, bevor die Menschen deportiert werden. Normalerweise würde man für ein ernsthaftes Verbrechen so lange ins Gefängnis kommen, aber wir sprechen ja von Menschen, die keine Kriminellen sind. Der Text enthält auch eine Bestimmung über das Verbot einer neuerlichen Einreise. Das geht uns zu weit.

Wir denken, dass das einen negativen Einfluss auf die Menschenrechte haben wird - das setzt die Standards hinunter. Denn jeder, auch die Länder, die nicht so taffe Richtlinien haben, sind nun gezwungen, dem zu folgen.

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Zur Person

Irene Khan wurde in Dhaka (Bangladesch) geboren. Sie studierte an der Universität von Manchester und an der Harvard Law School Rechtsiwssenschaften. Ab 1980 war sie für die UNO tätig. Seit 2001 ist sie Generalsekretärin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Sie ist die erste Frau mit asiatischer Abstammung und muslimischer Religionszugehörigkeit, die diesen Posten inne hat.

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Philbert Desanex
 
00
"Die Ärmsten sollten nicht für die Habgier der Reichen bezahlen müssen"

Ja, wer denn sonst???

so go
17
14.12.2008, 22:51
Gerechtigkeit !?

Wir besitzen ausreichend Geld, um keinem Einzigen den Hungertod zuzumuten!

Wir besitzen genug Rohstoffe und Möglichkeiten, die Versorgung der Menschheit durch Alternativen über Jahrhunderte zu sichern.

Warum wir es nicht tun?
Weil "Wir" uns nicht einig sind. Weil wir uns gegenseitig bestehlen, beneiden und unterdrücken.

Sollte es einen Gott geben, ist dieser so human wie Nero.

porco rosso
 
10
es geht gar nicht ums geld sondern um die ressourcen

und die sind fast endlos

so go
03
15.12.2008, 10:48

Wissen Sie eigentlich, wieviele Patente erworben wurden um dann die Entwicklung von alternativen Antriebsmöglichkeiten für Automobile einzustellen?

Über 5000 !!!!

Die Möglichkeiten, die Arbeit der 3. Welt gerecht zu entlohnen sind natürlich um ein Vielfaches höher, aber genutzt werden sie nie oder nur wegen des "Alibis".

si net
10

nennen sie mir ein plausibles und ich bin schon zufrieden

so go
01
15.12.2008, 10:33

Mag sein, dass es manche für unnötig erachten, darauf immer wieder hingewiesen zu werden...

aber es ist halt wie beim Rauchen von Zigaretten... die bittere Wahrheit.

Gianni Tremato
00
11.12.2008, 16:53
ok, was sagt dichand zu der sache?

hermine granger
 
07
11.12.2008, 16:36
ergo: "schmale" hilfsorganisationen

und mehr gelder für die "betroffenen"

ich persönlich bin daher ein fan von der "bank
für die armen" - gelder günstig an die betroffenen
für gezielten ein- und umsatz

onlooker
00
14.12.2008, 05:27
daß eine kann mit dem anderen verbunden werden, es sind beide org. gleich wichtig

pepitant
02
11.12.2008, 16:30
Thomas Wetschnig
314
11.12.2008, 15:53
Eigentlich geht's nur darum ............

........ dass jene, die Fortpflanzung mit Mass und Ziel betreiben nicht bereit sind, für jene etwas zu opfern, die dies nicht tun. Erstere haben keine Schuld daran, dass die Weltbevölkerung weiter explodiert.

so go
61
14.12.2008, 22:27
Wie wär es mit einem KZ zwecks "Geburtenkontrolle"?

WIR wollen keine Kinder, weil sie teuer sind !!!
WIR beuten aber jene aus, die sich entscheiden müssen, ob sie ein Kondom ODER ein Mittagessen kaufen.

SIE und ich... wir sind das Problem! Nicht die "Sklaven" die unsere Wirtschaft sich hält.

Tanja Strütmatter
21
15.12.2008, 18:50
nun ein wenig mehr sachlichkeit und weniger polemik bitte..ich stimme ihnen in vielen dingen zu..

gerade in der aussage dass lobbyisten und lobbys das "ruder" führen.. nur mal ehrlich: who cares? glauben sie dass es interessiert ob starbucks das wasser weiter laufen lässt während in afrika kinder verhungern, oder PRADA die taschen von den händen kleiner mädchen in dunklen werkstätten fertigen lässt? also..mich nicht..warum auch..

wiasissois
01
12.12.2008, 11:36
und zum glück gibts die katholische kirche

mit ihren jüngern, die mit eifer und freude das christentum auch in die kleinsten afrikanischen dörfer getragen haben.
glücklich können wir uns aber auch schätzen, dass wir mit der hilfe vieler vorort ansässiger, engagierter land und minenarbeiter, das beste für uns alle herausgeholt haben.
wir sind ja so super!


blackhawk
16
13.12.2008, 18:55

Blöd nur das die meisten afrik. Ländern, in denen nun die Bevölkerung gerate zu explodiert - und damit auch die Armut - nicht dem christl. Glauben angehören.
Auch die Ausbeutung wird heute von ihren eigenen Landsleuten betrieben! Da braucht es keine "Fremden" mehr! Die werden nur immer vorgeschoben.

toberfrau1
00
16.7.2009, 17:23

Bei wem haben die weißen Sklavenhändler ihre Sklaven gekauft? Wer aller hat an diesem Wahnsinn verdient?
Pfui an weiß UND schwarz!

so go
30
14.12.2008, 22:43

"Die werden nur immer vorgeschoben."

Und das glauben Sie wirklich?
Tröstlicher Gedanke, aber leider weit gefehlt.

Chien de Pique
01
14.12.2008, 19:18
Zumindest nicht dem katholischen.

Ernst Guevara
126
11.12.2008, 17:02
die überbevölkerungs-these

die letzte zuflucht der besitzstandswahrer.

KRUGER
01
15.12.2008, 18:56
also ich fahre einen Range Rover HSE Sport

..verbrauche so um die 12-15 liter im stadtverkehr und lasse die air condition im sommer wie im winter voll agieren..das kostet zusätzlich sprit.. ich find das klasse! ich genieße bewusst und gern meinen wohlstand..auch wenn andere dafür schuften müssen.. SO WHAT!

F F
00
20.12.2008, 14:47

Ihre Ironie ist unübertrefflich

ill sagt der hausverstand
 
00
26.4.2009, 18:59

sie meinen zynismus, nicht ironie.

von mir aus auch sarkasmus.

lg;)

so go
20
14.12.2008, 22:41

Korrekt... traurig, aber wahr.

B.M.2
21
13.12.2008, 14:11

und außerdem Stuss:

Die Ressourcen der Erde werden nicht vernünftig mit Gehirn, sondern so verwendet, dass sie möglichst viel Profit bringen. Somit wird in der Regel mehr entnommen bzw. verbraucht, als tatsächlich benötigt wird. Daher gehen die Ressourcen schneller zur Neige als sie eigentlich müssten.

An der Ressourcenknappheit ist also wenigier die steigende Anzahl von Menschen schuld, als wieder mal die Profitgier.

onlooker
01
14.12.2008, 05:43
diese ressourcen knappheit ist doch sehr gut manipuliert,

die enorme steigerung der ölpreise war sehr gut manipuliert, wo war der wirklich der engpass?
als bush begann, war das barrell $22.00 wert.
am höhepunkt waren $ 154.00 oder mehr, wo war die knappheit? aber wo war die politik?
wo waren unterausschüsse um herauszufinden, warum dieser grossangelegte betrug überhaupt stattfinden konnte.
diese konzerne, wie exxon(esso) shell und wie diese multis alle heissen mögen, haben doch überall rechtliche ausnahmen.
man beugt sich diesen firmen und die usa, haben diese gesetzlosigkeit noch akzeptiert, unter bush.
es gibt keine knappheiten, die werden nur vorgeschoben um abzucashen, wenn sie allerdings sehen, wie beim ölpreis, wo leute en masse kein benzin kauften, ging der preis runter.

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