Damit die sprachliche Vielfalt (über)lebt

8. Dezember 2008, 18:49
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    foto: romano centro

    Viele Geschichten über die Roma in Osteuropa und in jeder Ausgabe ein Märchen: die Zeitschrift "Romano Centro".

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    foto: okno/fenster

    Die länderübergreifende Zeitschrift "Okno/Fenster" erscheint seit 1999 vierteljährlich. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter wollen Österreicher und Tschechen einander ein wenig näherbringen.

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    foto: eva schlegel

    Die Installation der Künstlerin Eva Schlegel auf dem Wiener Ballhausplatz vor der Präsidentschaftskanzlei sollte auf die Vielsprachig-keit der österreichischen Volksgruppen hinweisen.

Viele kleine von den Volksgruppen herausgegebene Zeitschriften: Österreichs Medienlandschaft ist durchaus bunt gemischt

Wien/Bécs/Bec/Bejci/Víden - "Österreichische Präsidentschaftskanzlei" - eine Sprachschöpfung ganz im Sinn der Metternich'schen Amtsdeutschtradition - in eine der Sprachen der in Österreich anerkannten autochthonen Volksgruppen zu übersetzen kann als kleines Kunstwerk gelten. Eva Schlegel, die in ihrem künstlerischen Werk vorrangig Sprache und Schrift thematisiert, hat die "Österreichische Präsidentschaftskanzlei" auf Slowenisch, Kroatisch, Ungarisch, Tschechisch, Slowakisch und Romanes in ihrer Arbeit angeführt. Unter dem Titel "Wir stehen auf Sprachen" wurde die Installation vor der Bundespräsidentschaftskanzlei auf dem Ballhausplatz präsentiert. Der Anlass: das europäische Jahr des interkulturellen Dialoges.

Wie steht es mit den österreichischen Sprachen schwarz auf weiß? Gar nicht so schlecht, wie eine kleine Umschau ergibt.

Burgenlandkroatisch

In beinahe jedem kroatischen Haushalt im Burgenland liegt die Hrvatske Novine (Kroatische Zeitung) auf. Die Wochenzeitung erscheint seit 1910. Auf Burgenlandkroatisch. Manche Artikel werden auch in kroatischer Hochsprache gedruckt. Auf der Internetseite der Hrvatske Novine sind die Texte auch in Deutsch nachzulesen. Der kroatische Akademikerbund gibt vierteljährlich Novi Glas (Die Neue Stimme) heraus, in der manche Artikel auf Englisch oder Deutsch erscheinen.
Put (Der Weg) ist die Zeitung der Kroaten in Wien. Sie erscheint vierteljährlich. Behandelt werden darin Alltagsthemen, nicht nur solche, die diese Volksgruppe betreffen. "Anfangs", so Chefredakteurin Gabriela Novak-Karall, "haben wir eine deutsche Zusammenfassung gebracht. Doch bei der ehrenamtlichen Arbeit ist es immer schwieriger geworden, Leute zu finden, die sich für gute Zusammenfassungen Zeit nehmen können. Erst dann kann übersetzt werden."
Das ist nur einer der Gründe, weshalb die meisten Volksgruppen in Österreich ihre Printmedien einsprachig gestalten. Die Gefahr bei zweisprachigen Zeitungen ist, dass viele, vor allem junge Angehörige der Volksgruppe, die eigene Sprache nicht so gut beherrschen und daher lieber auf Deutsch weiterlesen.

Die Sprachpraxis kleiner Volksgruppen ist einem großen Anpassungsdruck ausgesetzt. Um die Sprache zu fördern, wird Put bewusst in Burgenlandkroatisch geschrieben. "Aber wir führen viele Diskussionen, wie weit wir uns dem Standardkroatischen anpassen, wie wir mit neuen Begriffen umgehen sollen. Die Meinungen darüber sind sehr gemischt", sagt Gabriela Novak-Karall.

Berichte von drüben

Romano Centro, die Zeitschrift des gleichnamigen Vereins der österreichischen Roma, erscheint seit 1991 konsequent zweisprachig. Lebensberichte und Lebenshilfe, Umgang mit Behörden und Förderunterricht für Kinder, alles findet seinen Platz. Die Lebenswelt der Roma in Osteuropa ist einer der Schwerpunkte. Unmittelbar nach dem Fall der Grenzen zu Osteuropa hat Romano Centro begonnen, von "drüben" zu berichten. Eine Terra incognita, ein bis dahin weitgehend unbekanntes Land, wurde beschrieben. "Roma sind mobiler als wir, und sie haben es als Erste verstanden, die Öffnung der Grenzen zu nutzen", meint Renate Erich, langjährige Doyenne von Romano Centro.
Authentisches über das Leben der Roma in Plovdiv, Odessa oder Spišská Nová Ves erfuhr und erfährt man bis heute hauptsächlich über Romano Centro. Die über die Jahrzehnte geführten Kurzberichte "Was uns entsetzt" und "Was uns freut" haben leider nach wie vor ihren textlichen Überhang in der Sparte Entsetzen.

Viele Roma-Dialekte

Die Übersetzung der Texte in Romanes besorgt Professor Mozes F. Heinschink, der ein international anerkannter Experte für Romanes ist. Romanes ist eine neuindische Sprache mit Einflüssen vieler anderer Sprachen. Früher waren es vor allem Einflüsse aus dem Persischen, Armenischen und Griechischen, später kamen andere europäische Sprachen hinzu. Wegen der Diaspora konnte sich keine einheitliche Standardsprache entwickeln, daher gibt es viele Varianten des Romanes. Weltweit am meisten verbreitet ist die Kalderasch-Variante, die deswegen auch in Romano Centro überwiegend verwendet wird. Sie wird von besonders vielen Roma gut verstanden. In jeder Ausgabe von Romano Centro wird ein Roma-Märchen veröffentlicht. Dieses ist dann in der Sprachvariante jener Gruppe geschrieben, aus der das Märchen stammt. Auch so wird auf die Vielfalt der Roma-Sprachen hingewiesen.

Romano Kipo (Kipo kann mit "Bild" übersetzt werden), die vierteljährliche Informationszeitung des Kulturvereins österreichischer Roma, erscheint wie Put auch einsprachig - allerdings auf Deutsch. Auf dem Titelblatt der Ausgabe 2/2008 ist interessanterweise die eingangs erwähnte Sprachinstallation abgebildet. Professor Rudolf Sarközi: "Mit Deutsch können wir mehr Menschen ansprechen. Wir sehen unsere Zeitung als eine Art Bezirksblatt, das zu lesen auch für unsere Sympathisanten interessant ist. Außerdem sind die Dialekte in Romanes so vielfältig, dass eine Zeitung auf Deutsch alle erreicht." Rudolf Sarközi hat mit seinem Sohn nicht Romanes gesprochen. "Das war damals eine Art Geheimsprache." Doch bei seinen Enkelkindern will er das Versäumnis nachholen.

Magyar Krónika ist das Nachrichtenblatt der ungarischen Vereine in Österreich und wird zweisprachig herausgegeben. Alle weiteren Publikationen erscheinen in ungarischer Sprache, etwa die Kinderzeitung Napocska, die auch als Lehrmittel für den Ungarischunterricht an Schulen verteilt wird.

Steirisches "Signal"

Jahrespublikationen wie die Jahrbücher der österreichischen Volksgruppen haben zum Großteil deutsche Texte. Zum Beispiel Signal, eine slowenische Publikation aus der Steiermark. Sie druckt aber auch zweisprachige Beiträge über Aktivitäten des Vereins und wissenschaftlich fundierte Essays über besondere historische Ereignisse in der Region oder über Persönlichkeiten, die sich um die slowenische Volkskultur verdient gemacht haben.

Eine länderüberschreitende Zeitschrift ist Okno/Fenster. Sie erscheint seit 1999 vierteljährlich in tschechischer und deutscher Sprache. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter aus der Region um Retz im Weinviertel, der südmährischen Metropole Znojmo/Znaim, Jemnice/Jamnitz und Drosendorf a. d. Thaya schreiben in ihrer jeweiligen Muttersprache. Die Texte werden dann in die jeweils andere Sprache übersetzt. Wurde Okno/ Fenster mit seinen Berichten aus der Region und historischen Themen als Kleinprojekt des EU-Programmes Interreg begonnen, so werden Druck und Papier seit der Einstellung der Förderungen von einem Mitarbeiter, dem Kaufmann Karel Fiala aus Znojmo/Znaim, finanziert. (Mella Waldstein, DER STANDARD Printausgabe, 9.12.2008)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
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iglu
01
10.12.2008, 08:21
dROMa!

möchte dringend auch auf die zeitschrift dROMa des vereins roma-service im burgenland hinweisen (in burgenland-romani und deutsch). bester lesestoff zu themen wie: roma im film, kunst und literatur von roma, aktuelles geschehen und hintergrundberichte, veranstaltungen, usw. schlichtweg hervorragend! selbst die grafische gestaltung ist ein zuckerl.
als pdf-download unter www.roma-service.at.

Johann Treitinger
00
10.12.2008, 09:16
Danke für den dROMa-Link!

Peinlich, ausgerechnet die beste Roma-Zeitschrift haben sie einfach übersehen, dabei gibt es die eh schon seit x Jahren! Ein bisserl mehr Recherche würde dem Standard nicht schlecht bekommen, dann passieren solche Patzer nicht.

hellwyr
00
9.12.2008, 18:11

In Vlbg gehören alle medien einer familie.. was man sehr gut an der qualität der berichterstattung erkennen kann

Fisch^^Fisch
00
15.12.2008, 17:44

Immerhin lesen die Gsi die Krone nicht :)

so go
00
23.12.2008, 09:20

Immerhin ist die Krone nicht in der APA :)

Hans Fuchs1
02
9.12.2008, 11:42
Österreichs Medienlandschaft ist durchaus bunt gemischt

mit nichten. Wenn man die Konzentration am Meinungsmarkt operationalisiert durch die Anzahl an selbstständigen Redaktionen (quantifiziert Anzahl an Meinungen) betrachtet, befinden wir uns am Rande einer Medien-Diktatur.
Die aktuelle Krise schlägt sich auf den Werbemarkt nieder – in Zeiten schlechter Konjunktur leidet die Werbeindustrie unter massiven Geldproblemen, kommt doch der großteil der Einnahmen aus der Werbung (wie beispielsweise nach 9/11).
Folge dieser Krise sind weitere Rationalisierungs-Maßnahmen wie das Nutzen von Synergien indem Mitarbeiter gekündigt und in Folge Redaktionen zusammengelegt werden.
Natürlich wird auch die sprachliche und die kulturelle Vielfalt darunter leiden, deren natürlicher Feind die Konzentration ist.

so go
00
23.12.2008, 09:21

Werbung = Marketing = Propaganda

Zu diesem Artikel kann ich eigentlich nur sagen:
Ich schaukel auch gern meine Eier!

syclone
63
9.12.2008, 11:16

bam oida, na hoffentlich survived wenigstens des german, damit mas net relaunchen müssen, grad jetzt wo ma x-mes und santa claus feiern, tschingelbells singen und halloween pumpkins geschnitzt haben.
wir sind nur einer sprache verpflichtet - hört bitte auf, uns gegenteiliges einzureden, danke!

Kontrahent1
02
9.12.2008, 12:50
Super !

Und jetzt gehn ma schoppen für die Kids und dann wi wisch ju a merri xmas. Danke Werbebranche !

devianz
00
9.12.2008, 12:39

es ist nun mal fakt, dass es diese eine sprache so nicht gibt, es hat immer spracheinflüsse aus allen möglichen kulturen und völkern gegeben und wird es auch immer geben werden, und es schafft eben diese vielfältigkeit. und zu dem punkt man sei nur einer sprache verpflichtet, bedeutet wohl wenn du ins ausland gehst sprichst du nur deine sprache, oder?
fix, oba he.

Pepe - was ist eine Supratendenz ?
 
20
9.12.2008, 13:24
Lernen Sie (österreichische/deutsche) Geschichte.

Über die eigene Geschichte bescheid zu wissen ist geradezu ein Lebenselixier, welches leider viel zu wenige zu sich nehmen.

devianz
01
9.12.2008, 13:40

kommt zur überschrift noch was?

Pepe - was ist eine Supratendenz ?
 
10
9.12.2008, 13:52

nachdem Sie es offenbar nicht verstehen, führe ich kurz aus:
Sprache und Heimat bedeuten Identität, welche für die ersprießliche Entwicklung der eigenen Person sowie für den Umgang mit anderen (Kulturen) unerläßlich ist.

a grünes stricherl
 
00
29.12.2008, 18:16
das ist zwar völliger blödsinn

aber wenns meinen den nationalisten aus dem 19ten jH noch heute nachplappern zu müssen ... ok ..

devianz
00
9.12.2008, 17:31

teil 1)also sie surfen ja herum.
syclone hat zu diesen bericht wo es um sprachminderheiten geht, gemeint man sei nur einer sprache verpflichtet, grenzt also in gewisser weise diese sprachlichen randgruppen aus. verstehe allerdings die problematik des starken englischsprachlichen einflusses in unserem alltag, aber wie jeder der geschichte auch als lebenselexier sieht, weis wie stark sich eine sprache entwickelt, seis durch neu entdeckungen von waren etc. begrifflichkeiten aus anderen sprachkulturen.

darauf haben sie auf was weis ich mit dem geschichtsfloskel geantwortet.
ihren letzten teil dass sprache und heimat auch identität bedeutet kann ich nur unterstützen. hab ich allerdings auch nie das gegenteil behauptet.

devianz
00
9.12.2008, 17:31

teil2)aber meinen sie das diese sprachminderheiten jetzt ihre sprache nicht mehr wahren dürfen weil sie in einem sog. deutschsprachigen land leben, ich hoffe nicht. also wenn sie das nächste mal phrasen posten, dann bitte mit zusammenhang.

Kontrahent1
00
9.12.2008, 12:48
In Frankreich

weiß man sich zu wehren. Und auch die Italiener sind nicht solche Nach-Äffer.

den frühen vogel fängt der wurm
05
9.12.2008, 12:29
wer ist wir?

wenn sie sich nur einer sprache verpflichtet fühlen, soll mir recht(s) sein. aber mantschkerns mich ned in ihren sonderbaren schmafu: ich bin überhaupt ned verpflichtet.

JustinTime
00
9.12.2008, 12:10

Jeder sollte interessiert sein, seine Muttersprache zu erhalten. Stimmt. Dass nicht jeder die gleiche hat ist auch ein Fakt. Assimilation ist für mich der Albtraum.

Ich schütze meine Muttersprache.

sukisouk
01
9.12.2008, 09:21
Sieben postings,

und davon bloß zwei die nicht Ignoranz wie ne Fahne vor sich hertragen :-/

orso minore
00
9.12.2008, 06:11

Dunaj habt Ihr vergessen, den slowenischen Namen Wiens

American
121
8.12.2008, 21:28
sprachenvielfalt schafft barrieren und unverständnis

... besser ganz europa spricht englisch

Jan Nesbeda
41
9.12.2008, 08:35

Zur Erhaltung der sprachlichen Vielfalt wäre die Verwendung des Deutschen auch angebracht. Immerhin sind wir die größte Minderheit Europas....

dahingeblabbert
 
71
8.12.2008, 19:33
so ein bullshit

steige ich morgens in den bus ein, verstehe ich die welt nicht mehr, niemand da, mit dem ich mich auf österreichisch unterhalten kann.....

Peter Hammer 06
10
9.12.2008, 09:35
Geblabber verstehen eben nur Babys!

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