
"Dass der Kollektivvertrag im Regierungsprogramm wieder unter Finanzierungsvorbehalt gestellt wird, ärgert mich auch sehr."
Die Auflösung des Wissenschaftsministeriums hat Wolf-Dietrich von Fircks, Rektor der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW), vergangene Woche gefordert. Dies wäre "ein erster Beitrag zur besseren Finanzierung und Autonomie der Universitäten". Im Gespräch mit derStandard.at erzählt er von seinen Beweggründen, fordert einen nationalen Bildunggipfel und erkärt, warum Deutschland seine Uni-Professoren jetzt davor warnt, nach Österreich zu gehen. Die Fragen stellte Katrin Burgstaller.
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derStandard.at: Kürzlich haben Sie gefordert, dass das Wissenschaftsministerium abgeschafft werden soll. Spielen Sie schon länger mit diesem Gedanken oder war das eine spontane Reaktion?
Fircks: Das war eine Mischung aus beidem, es hat nicht direkt mit den handelnden Personen zu tun, sondern mehr strukturelle Gründe und Sorge um unsere Entwicklung in einer wissenschaftsbasierten Zukunft. Es gibt seit langem Untersuchungen, die besagen, jene Länder mit der geringsten Wissenschaftsverwaltung haben die besten Universitäten. Die Schweiz, Niederlande, England, Dänemark, England, Amerika sind Beispiele dafür. Diese Länder haben ganz kleine oder gar keine Wissenschaftsministerien. Zugleich sind sie in den Rankings der Universitäten vorne.
Ich schätze sehr viele Menschen im Wissenschaftsministerium. Das sind engagierte, intelligente Menschen, aber sie betreiben ein bisschen Sisyphosarbeit. Sie sind vor allem mit bürokratischen, interministeriellen Abstimmungen beschäftigt. Damit es produktiver wird, müssen die Kompetenzen gebündelt werden.
derStandard.at: Wie gefällt Ihnen das neue Regierungsprogramm in Bezug auf die Hochschulen?
Fircks: Im Regierungsprogramm steht, die Autonomie der Unis soll durch die Weiterentwicklung der Unigesetz-Novelle gestärkt werden. Von den dann genannten fünf Punkten sind vier eindeutig gegen die Autonomie, etwa durch Einschränkungen im Budget und der eigenen Optimierungsmöglichkeiten. Der fünfte Punkt ist halbherzig. Da steht, wir sollen den Zugang zum Masterstudium autonom gestalten, aber jeder, der ein internes Bachelor-Studium abschließt, muss automatisch den Zugang bekommen. So ist es schwierig, neue und attraktive Studiengänge zu planen, weil wir nicht abschätzen können, wie viele Interessenten wir haben. Zur qualitativen Planung gehört neben dem Geld, das fehlt, aber auch eine quantitative Planung. Sie ist oft die Voraussetzung dafür, das weiß man bei jedem Kindergarten.
derStandard.at.: Auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs an unseren Unis sieht es nicht gerade rosig aus.
Fircks: Dass der Kollektivvertrag im Regierungsprogramm wieder unter Finanzierungsvorbehalt gestellt wird, ärgert mich auch sehr. Deutschland gibt schon eine Warnung heraus, nach Österreich sollte man nicht mehr als Professor gehen, weil es keine Pensionsabsicherung gibt. Eine Unterfinanzierung muss zu Personalabbau führen - oder wir lassen die jetzigen schlechten Vertragsverhältnisse und haben weiter demotivierte MitarbeiterInnen.
Die Forderung nach zusätzlichen Feriensemestern ohne zusätzliches Personal verkennt, dass in Österreich bereits jetzt zirka 104 Studierende auf eine Professur kommen, während es im übrigen Europa im Durchschnitt unter 50 sind. Die jetzige schlechte Personalausstattung führt dann dazu, dass hier zirka 50 Prozent das Studium ohne Abschluß abbrechen, während es sonst unter 20 Prozent sind.
derStandard.at: In einem Interview haben Sie einmal gesagt, Sie sind dafür, dass die Unis in Konkurs gehen können. Ihre Eigenverantwortung soll gestärkt werden. Ist das die Lösung?
Fircks: Wir brauchen Rahmenbedingungen, wo anhand eindeutiger Ergebnisparameter die Finanzierung erfolgt. Es soll auch genau festegelegt werden, wie viele Studierende in welchen Feldern sich Österreich leisten will. Ich bin für Konkurrenz und Wettbewerb, man soll einander an bestimmten, international vergleichbaren Leistungskriterien messen. Wenn wir an andere hohe Anforderungen stellen, müssen wir auch selbst höchsten Anforderungen entsprechen. Das heißt, besser kein Angebot als ein Schlechtes, wo die Studierenden nachher nicht konkurrenzfähig sind.
derStandard.at: Sie wollen das Budget für die Universitäten stärker von den Leistungen abhängig machen - an welchen Kriterien wollen Sie die Unis messen?
Fircks: Das Budget soll von den Leistungen und von den Aufgaben, die den Universitäten übertragen werden, abhängig gemacht werden. Zu den Leistungskriterien: In der Forschung sollen die Unis an der Zahl der Publikationen gemessen werden. Es ist ihre Aufgabe, Neues zu schaffen und neue Erkenntnisse werden nur diskutierbar, wenn sie publiziert werden. Ein weiteres relevantes Kriterium ist, wie viele Absolventen letztendlich Beschäftigung finden. Derzeit spielt die zukünftige Berufstätigkeit von Studierenden bei den Ziel- und Leistungsvereinbarungen keine Rolle.
derStandard.at: Sie wollen, dass die Unis auch mehr Drittmittel aus der Privatwirtschaft lukrieren. Sehen Sie da nicht die Unabhängigkeit in der Forschung gefährdet?
Fircks: Es kann keine Aufgabe der Universität sein, dass quasi geheime Forschungsgeschäfte oder billige Routinekonkurrenz gemacht werden. Diese Abhängigkeit wird durch höchste Transparenz vermieden. Bei uns werden nur solche Verträge akzeptiert, in denen auch eine Publikation der Ergebnisse sichergestellt ist und eine Forschung gemäß den wissenschaftlichen Standards entsprechend gewährleistet ist. Aber unsere Hauptaufgabe ist es sicher nicht, Drittmittel zu lukrieren. Eingeworbene Drittmittel sollen auch kein Parameter für die Ziel- und Leistungsvereinbarungen sein, sondern helfen, dass wir unsere Lehr- und Forschungsaufgaben besser erledigen können. Und zum besser erledigen gehört dann, dass wir alle wirtschaftlichen Möglichkeiten der Finanzierung ausschöpfen, bei uns im letzten Jahr immerhin über 15 Millionen Euro.
derStandard.at: Das I.S.T. Austria hat nun einen Präsidenten. Viele verstehen nicht, warum wir uns eine "Eliteuni" leisten können, während die anderen Hochschulen stark unterfinanziert sind.
Fircks: Ich bin sehr begeistert davon, wenn Österreich in hochqualitative Wissenschaft und Forschung investieren will. Aber warum man das nicht von vorne herein mit den vorhandenen Einrichtungen vernetzt hat und alle die gleiche Autonomie und Finanzbedingungen bekommen, verstehe ich nicht. Da wird fürs Sahnehäubchen der vorhandene Betrieb aufs Spiel gesetzt.
derStandard.at: Haben Sie keine Angst, dass Sie jetzt "abgeschafft" werden? Hat der Wissenschaftsminister schon auf Ihren Vorstoß reagiert?
Fircks: Ich habe viele positive Reaktionen erhalten, wobei mir einige sagten, sie hätten Sorge dass ich oder die Universität jetzt bestraft würden. Ich hoffe, dass alle das sachlich sehen, weil ich ja auch den Minister und die MitarbeiterInnen im Ministerium sehr schätze und lediglich anrege, die Strukturen erfolgreicher zu organisieren. Wenn der Wissenschaftsminister nicht über Forschung und die notwendigen Finanzen der Universitäten entscheiden kann, dann muss eben die Zuständigkeit für Wissenschaft ehrlicherweise dem Finanzminister oder Kanzler zugeordnet werden. Bei einem nationalen Bildungsgipfel könnte dann von Parlament, Regierung und Universitäten entschieden werden, wie viele Studienplätze in welchen Bereichen und welche Forschungsschwerpunkte zu welchen Problemstellungen bearbeitet werden sollen. Dann könnten wir alle gemeinsam im selben Boot in die gleiche Richtung rudern. (Katrin Burgstaller/derStandard.at, 9. Dezember 2008)
Zur Person
Wolf-Dietrich Freiherr von Fircks, geboren 1948 in Göttingen, ist seit 2001 Rektor der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Er studierte Rechtswissenschaften und war unter anderem Kanzler der Freien Universität Berlin.
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Besetzer stellen Bedingungen für Wiederaufnahme des Lehrbetriebs - Rektorat reagiert zurückhaltend
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Eine der Bedingungen für den Abzug ist die Unterbringung der Obdachlosen
Mit derStandard.at/Mobil sind Sie unterwegs immer top-informiert - mit Liveberichten und Postings!vermehrte Finanzierung der Unis mit Drittmitteln aus der Wirtschaft. Toll warum schaffen wir Universitäten nicht gleich ab und machen FHs draus. Dort braucht dann nur mehr das unterrichtet werden was die Wirtschaft braucht, was einsparungen bringt, und alle sind glücklich ...
... sowas wie Archäologie und Kunstgeschichte brauchen wir dann nimmer.
Was spart man, löst man das Wissenschaftsministerium auf? Ein Ministergehalt, ein Gehalt für den Kabinettschef. Bin wahrlich weder ein Freund des Ministeriums, noch seines Herrn - die Aufgabe des Min..besteht vor allem in der Lukrierung und Verwaltung der Finanzen für Wissenschaft und Forschung, da ist es völlig wurscht, wo die Abteilung ressortiert. Die Schweiz ist überhaupt nicht vergleichbar - völlig andere Struktur. Und Deutschland - die frühere Pensionsregelung , die für alle Zuziehenden sehr günstig war, gibt es nicht mehr, das stimmt.
Es dürfte aber sehr selten sein, daß jemand deswegen einen Ruf nach Österreich ausschlägt - in den naturwissenschaftlichen Fächern hat das sicher andere Gründe, Geisteswissenschaftler kommen gerne!
Wie soll denn die Deregulierung ausschauen? Natürlich ist sehr viel reformbedürftig, oder könnte dem freien Spiel der Kräfte überlassen werden - das wäre der Tod aller nicht direkt "nützlichen" Fächer, wie Indologie, Kunstgeschichte (Liste ließe sich beliebig fortsetzen.)
Was mich ärgert, ist nicht die Forderung nach Abschaffung des Ministeriums, sondern die dümmliche Argumentation, daß Länder ohne Wissenschaftsministerium viel bessere Forschungsergebnisse hätten.
Reibungsverluste durch Überregulierung sind zwar ärgerlich, aber wo geht dadurch Geld drauf?
Sobald wissenschaft und Forschung wirklich entsprechend dotiert werden, gibt es auch gute Ergebnisse.
In endlosen Sitzungen, Kommissionen, Datenklaubereien, Abstimmungen, Berichten etc. Und zwar wurscht ob das "nützliche" Fächer sind oder nicht.
Und was mich immer mehr irritiert ist die Schizophrenie der Orchideen, dass sie einerseits beklagen, dass sie niemand wahr nimmt oder ihren "Wert" erkennt und gleichzeitig die Weltenferne als Basis ihres Selbstverständnisse hochhalten.
Ich würde allerdings das Einwerben von Drittmittel sehr wohl als Leistungskriterium heranziehen - das schafft direkt Arbeitsplätze und vernetzt die Unis mit anderen Institutionen. Im Gegenzug würde ich die Publikationszahl etwas weniger gewichten. Es wird mittlerweile soviel Müll publiziert, noch dazu doppelt und dreifach, nur damit man eine enstsprechende Anzahl hat.
Natürlich gilt, alles was nicht publiziert wird, existiert nicht, jedoch steigt mit der Anzahl leider nicht die Qualität - SCI hin oder her.
Finde es ein bisschen schade dass sich Studierende und Universitäten in einem Konkurrenzverhältnis wiederfinden sollen. Wo bleibt dabei der Solidaritäts- und Kooperationsgedanke. Universitäten sind nunmal keine Unternehmen und es gibt gute Gründe warum sie nicht derselben Verwertungslogik unterworfen werden sollen.
Selbstverständlich sind Drittmittel zu einem gewissen grad sinnvoll. Bedenklich wird es jedoch wenn Unis auf Drittmittel angewiesen sind und bspw. die Forschung an MedUnis darauf abzielt teure Medikamente zu forcieren.
Ein Ranking von Unis halte ich ebenfalls als zu komplex. Welche Faktoren sollen einfließen? Wer bestimmt welche Faktoren einfließen? Muss die Lehre darauf abzielen möglichst hohe employability zu erreichen?
LG
von diesen "warnungen" merkt man aber hierzulande überhaupt nichts. die österreichischen unis sind so gut wie fast nur noch mit deutschen o-profs besetzt. weder ist das toll noch ist das ok, denn absolventen eines landes wie Ö, das nur in wenigen städten unis aufweist, nicht jene stipendien und auslandsverbindungen (DAAD etc.) und interne seilschaften bietet etc., sind damit bei akademischen karrieren absolut benachteiligt. wäre interessant zu erfahren, was passieren würde, wenn lauter US-amerikaner plötzlich alle professuren in D besetzen würden. insofern halte ich diese "warnungen" für absoluten humbug.
kaum ein österreicher hat mehr lust darauf unter diesen rahmenbedinungen an einer universität zu arbeiten.
die deutschen sind ganz einfach weniger wählerisch und machen ihr schaffen nicht so sehr von den finanziellen bedingungen abhängig.
über die auswahl der professoren zu schimpfen schießt da wohl völlig am ziel vorbei...
stimme zwar zu, dass kaum mehr ösis lust haben, unter diesen rahmenbedingungen hier zu arbeiten. aber wenn sie ihr eigenes statement zu ende denken würden: warum haben dann soviel deutsche lust darauf, dass manche institute zu 75% und mehr deutsch besetzt? doch wohl kaum, weil es um qualität geht. nachdem die zweite garde in die ehemalige DDR versetzt wurde, kommt nun oft die dritte und vierte garde in Ö an. haben sich die studis in Ö DAS verdient? nur weil sie deutsch sprechen? warum keine wirklich internationalen ausschreibungen??? warum soll - wenn international - nicht auch lehre in englisch laufen können?? das kann ja heute jeder.
international und andere einflüsse = wirklich international. aber das, was derzeit an den unis österreichs passiert ist nicht international, sondern sehr einseitig.
wo sind die guten profs aus kanada oder mexiko oder singapure, aus japan oder australien? mitnichten.
... Überverwaltung durch ein flügellahmes Ministerium.
... und Drittmittelaufbringung forcieren, allerdings nicht durch die Uni selbst.
Lösungsansatz:
Umwandlung des Ministeriums in eine Fundraising & Lobbying Agentur ...
So einfach ginge das ... der fesche Guido als oberster Türklinkenputzer im Dienste der Wissenschaft ... ;-)
... daß wir uns eine eigene veterinärmedizinische Universität leisten. (ich bin sicher, dass das im internationalen Vergleich ein Unicum darstellt) Und dieser dringend notwendige Rektor kennt dann auch noch keinen Genierer die Abschaffung des Wissenschaftsministeriums zu fordern. Wieso beginnt er nicht konsequenterweise bei sich?
Es ist Rektor Fircks hoch anzurechnen, dass er diese Dinge beim Namen nennt und seine eigenen Befindlichkeiten (Karrieresicherheit) hintanstellt. Leider hat es (zu) lange gedauert, bis wenigstens einige oberste Leitungsorgane der Unis den Ernst der Lage erkennen und die wahren Ursachen der Misere diagnostizieren. (Inzwischen erkennt man die Seriösität eines Artikels daran, dass das Wort "Studiengebühr" darin nicht vorkommt).
nach Wien gewechselt ist.
Kurz: Sie ist begeistert - von Wien und der Universität Wien. Besonders lobt sie, wie in Wien weniger Bürokratieaufwand betrieben und effizient gearbeitet wird (vorher war sie auf einer großen Uni in Nordrhein-Westfalen).
Vielleicht will Deutschland deshalb seine Professoren davor warnen, nach Österreich zu gehen - damit sie nicht auf den unbürokratischen Geschmack kommen...
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