Grob, zu Gänsen

  • Husacina u GalikaLipova 21Slovensky Grob
Zwei gewaltige Gänge Gans für zwei mit Wasser, Glas Wein, Kaffee: 65 Euro.
    foto: fid

    Husacina u Galika
    Lipova 21
    Slovensky Grob

    Zwei gewaltige Gänge Gans für zwei mit Wasser, Glas Wein, Kaffee: 65 Euro.

  • Der zweite Gang für zwei bis drei in Slovensky Grob.
    foto: fid

    Der zweite Gang für zwei bis drei in Slovensky Grob.


  • Hier geht's zu den Gänsen und zur verwitterten McDonald's-Rutsche: Der Eingang von Husacina u Galika.
    foto: fid

    Hier geht's zu den Gänsen und zur verwitterten McDonald's-Rutsche: Der Eingang von Husacina u Galika.

  • UfoNovy MostBratislava00421262520300
Ohne Bild (seien Sie froh!):
LeberfingerViedenska cesta 257Bratislava
    foto: fid

    Ufo
    Novy Most
    Bratislava
    00421262520300

    Ohne Bild (seien Sie froh!):

    Leberfinger
    Viedenska cesta 257
    Bratislava

Etwas vom Adventmarkt für Harald Fidler: Slowakische Palatschinkenvariante mit Leber

Eine Schmecks-Exkursion zwischen Bratislava und Bollywood, Bösling und Leberfinger.

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Bösling. So übersetzt mein Navi das Kaff mit dem wenig nett klingenden Namen Slovensky Grob ins Deutsche. Ein Absatz im kulinarischen Citywalk Bratislava aus dem Falter Verlag und natürlich das gewohnt starke Hungergefühl ließ mich auf der Ostautobahn Richtung Bratislava umdisponieren, die slowakische Hauptstadt vorerst links liegen lassen und weiter in das Kaff brausen. Zwei Stichwörter hatten ein schon fast wieder vergessenes Ziel wieder ins Bewusstsein gebeamt: Lokse (sprich: Loksche, Einzahl Loksa, den Hatschek über dem s erspar' ich unserem Redaktionssystem lieber). Und Husacina. Das Erstgenannte eine Art Erdäpfelpalatschinke, tunlichstmit ordentlich Fett. Das kommt am besten von Punkt zwei, der Gans.

Im Zeichen der Gans

Akustischer Erstkontakt mit den beiden Wörtern: Mumbai. Journalisteneinladung (ja, Schnorrerpartie, weiß' eh!) zum Thema Bollywood, als das Thema noch nicht ganz so durch war wie heute, aber auch schon alles andere als frisch. In der Gruppe eine slowakische Fotografin, die Fressdebatten der Ösis um den Hinweis auf Lokse und Gänse und ihre Lebern bereicherte, die im Umland von Bratislava in besonderer Dichte vorkommen.

Also los, am Samstagnachmittag, nach Slovensky Grob, zu den Gänsen. Den Ort hat mir der Falter-Führer für Husacina und Lokse empfohlen. Angeblich tragen dort Privathäuser Zeichen, wenn gerade eine Gans im Ofen brutzelt, und über den Bekanntenkreis hinausgehende Abnehmer sucht, bisschen heurigenmäßig soll dass dann sein. Ich nehme an, das Zeichen ist eine Gans, aber entdeckt hab ich keine auf den Privathäusern von Slovensky Grob. War halt grad keine Saison für Privatgänse, auch gut, vielleicht auch nicht die optimale Zeit so gegen 15 Uhr an einem Samstag Anfang Dezember, könnte man verstehen. Gibt glücklicherweise auch Gänseprofis in der Gegend.

Sehr Leber, sehr Öl

Zum Beispiel "Husacina u Galika", also Gans bei Herrn Galik, Untertitel Gastro Paula, in einer nicht sehr schönen Nebenstraße. Die passt gut zum Gebäude, das zudem Samstagnachmittag ziemlich finster und außer Betrieb aussieht, aber davon lässt sich ein hungriger Fidler nicht weiter beirren, von der alten McDonalds-Rutsche in den kleinen, eher räudigen Pool im Innenhof ebensowenig.

Zurecht: Das Menü für zwei bis drei Personen liefert um 55 Euro ordentlich Gänseleber mit Apfelstückchen in einem Suppenteller voll Öl vorweg, und dann so zirka eine halbe Gans mit Unmengen fettiger Lokse und obersuper Krautsalat, knackigster Essiggurken, eingelegter Paprika und Pfefferoni. Die Leber sehr Leber und sonst wenig, gedünstet, ziemlich ungewürzt, die Apfelstückchen kommen dagegen nicht wirklich an. Die Gans so saftig, wie ich sie zuletzt nicht einmal im Tullnerfeld bekommen habe, relativ knusprige Haut, unglaublich fett, unglaublich gut. Nur das Glas Veltlinsky (so zirka) hätts nicht unbedingt gebraucht. Glauben Sie's oder nicht: Wir haben das Abendessen gestrichen.

Erholung mit Aussicht

Zum Verdauen empfiehlt sich ein wirklich ausgedehnter Spaziergang durch Bratislava, kein Fehler ist auch, das Fett im Magen nach der Bewegung mit etwas Alkohol samt Aussicht zu verdünnen: Prachtaussicht auf das nächtliche Bratislava nämlich vom Ufo aus, dem Lokal auf dem Pfeiler der Novy Most, der neuen Brücke zwischen dem Wohnblockwahnsinn Petrsalka und dem schöneren Teil der Stadt am anderen Ufer der Donau (auf das man von Restaurant und Bar schaut, die Megagroßfeldsiedlung hat man indes von den WCs gut im Blick). Ein bisschen verstört hat mich das Gulasch vom Wagyu-Beef im Degustationsmenü, das ich zur Entspannung nur gelesen habe.

Rechts unter dem Ufo liegt im Park an der Donau ein Gebäudekomplex, der von der schöneren Seite der Donau nach Gasthaus aussieht. Wird anderntags getestet: "Leberfinger" nennt sich das Ding, und sieht innen mit seinen eher grauenhaft bemalten Wänden und sonstigen Einrichtungsgimmicks stark nach Autobahnraststätte aus. Grauenhaft. Fein hingegen die Halaszle, paprizierte Fischsuppe, ganz ok die angeblich saure Kuttelsuppe, ebenfalls mit ordentlich Paprika. Den Thementag setzen wir mit einem Kalbsrahmgulasch, Pörkölt natürlich fort, das an dicker Fadesse kaum zu überbieten ist. Meine Gänsebrust - Gegenvergleich - ist trockener als das Trumm gestern, aber schon ganz ok auf ihrem (eher öden) Rotkraut und den (dünneren) Lokse.

Die Gänse im nächsten Ort

Lokse in Bratislava? Lieber auf dem Adventmarkt in der Altstadt, gleich am ersten Standl links. Wer nicht zum ersten Mal bei Schmecks vorbeischaut, weiß, dass ich die süßen Varianten links liegen ließ und gleich zwei der Rollen mit Leber von der Gans verspeist habe. Ja, danke, mit extra Öl, eine fette Pracht für 40 Kronen, rund 1,20 Euro.

Zurück in Wien finde ich tatsächlich die Notiz der slowakischen Fotografin: Loksa, Lokse, Husacina, Pecen (gebraten, danke, NegR.h.c. und seinem Tschechischwörterbuch), passt alles. Nur: Da steht Chorvatsky Grob als Tipp. Der Ort neben Slovensky Grob. Bin schon unterwegs!

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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