"Die Straflosigkeit ist die größte Herausforderung"

8. Dezember 2008, 16:54
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    foto: reuters

    Von den Kämpfen vertriebene Frauen im Ostkongo warten auf eine Hilfslieferung. Zehntausende Frauen sind im Rahmen des jüngsten Konflikts Opfer von Vergewaltigung geworden, sexuelle Gewalt dient als Kriegswaffe

Im Kongo wird Vergewaltigung als Kriegswaffe eingesetzt, schildert Navi Pillay, UN-Hochkommissarin für Menschenrechte

Standard: Am 10. Dezember feiert die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ihren 60. Jahrestag. Wo sehen Sie heute die größten Probleme für die Menschenrechte?

Navi Pillay: Bewaffnete Konflikte, autoritäre Herrschaft und Straffreiheit für Verbrechen sind nicht besiegt worden. Und unglücklicherweise werden im Namen der Sicherheit die Menschenrechte zeitweise an den Rand gedrängt. Eine Welt ohne Diskriminierung bleibt für viele Menschen ein fernes Ziel. Das Problem liegt aber in der mangelhaften Umsetzung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, nicht in ihrem Inhalt.

Standard: Sie haben als Richterin am Ruanda-Tribunal sichergestellt, dass Vergewaltigung als Kriegsverbrechen geahndet wird. Hat dieses Verbrechen im Kongo-Konflikt einen neuen Höhepunkt erreicht?

Pillay: Die Häufigkeit und die Brutalität der sexuellen Gewalt im Kongo ist jenseits jeder Beschreibung. Wir können das ganze Ausmaß nur schwer schätzen, die Zahl der Vorfälle ist aber sicherlich die höchste weltweit in den vergangenen zehn Jahren. Zehntausende aller Altersklassen, alte Frauen bis hin zu Babys im Alter von einigen Monaten, sind betroffen. Alle bewaffneten Gruppen - kongolesische und ausländische - benutzen Vergewaltigung als Kriegswaffe.

Standard: Warum haben die Vergewaltigungen im Kongo diese Dimension erreicht?

Pillay: In der Demokratischen Republik Kongo hat dieses Verbrechen aufgrund eines simplen Grundes seuchenartige Ausmaße angenommen: Es ist erlaubt. Kaum ein Täter wurde bestraft. Das muss sich ändern. Die Straffreiheit ist die größte Herausforderung.

Standard: Täter kommen aber nicht nur im Kongo ungeschoren davon.

Pillay: Ein gewisses Niveau an Straffreiheit für sexuelle und andere Formen von Gewalt gegen Frauen gibt es überall in der Welt und in praktisch allen Gesellschaften. Und in einigen Gesellschaften wissen die Männer, dass sie ihre Ehefrauen oder Töchter schlagen, verletzen, sogar töten können, ohne vor Gericht gestellt zu werden.

Standard: Sie wurden in ihrer Heimat Südafrika selbst diskriminiert. Jetzt kämpfen Sie als UN-Hochkommissarin gegen Unterdrückung. Was sind Ihre stärksten Waffen?

Pillay: Man muss daran glauben, dass man einen positiven Wandel erreichen kann, dass man eine Wirkung erzielt. Ich glaube daran. Nicht zuletzt aufgrund meiner persönlichen Erfahrung im Südafrika der Apartheid. Ich wuchs als ein Bürger zweiter Klasse auf. Man wusste, man konnte nicht in einen Park und an Strände gehen, weil sie für weiße Personen reserviert waren. Man hielt inne, bevor man einen Aufzug benutzte, weil die Aufzüge nach Rassen getrennt waren. Ich hatte nie gedacht, dass dieses System einmal enden würde.

Standard: Der Wandel kam aber ...

Pillay: Wie viele Südafrikaner verdanke ich den Wandel der Vision Nelson Mandelas. Er befürwortete Kompromisse und Verhandlungen. Diese Wörter wurden von mir als Studentin verachtet, aber in unserem Fall halfen sie, die Vergangenheit zu überwinden. Südafrika hat heute eine der stärksten Verfassungen der Welt. Allerdings muss sich auch Südafrika bemühen, die Rechte in der Realität anzuwenden.

Standard: Kann die Wahl Obamas zum US-Präsidenten helfen, den Rassismus in der Welt zu überwinden?

Pillay: Ich befürchte, es ist nicht so einfach. Immerhin sahen wir in den Tagen nach der Wahl eine überwältigende positive Reaktion auf der ganzen Welt. Es ist wie bei Nelson Mandela. Obamas Erfolge haben bisher gezeigt, dass es möglich ist, hohe Hürden zu überwinden, einschließlich Vorurteile und Diskriminierung.

Standard: Außerhalb der westlichen Welt lehnen viele die Menschenrechte als westliches Konzept ab. Sie bestreiten deren Universalität. Was ist ihre Antwort?

Pillay: Die Universalität der Menschenrechte wird viel öfter von denjenigen infrage gestellt, die in staatlichen Institutionen das Sagen haben, als von jenen, die von einer Universalität profitieren. Ich denke, jeder hat die gleiche Vorstellung von einem würdigen Leben ohne Furcht und Mangel. Für mich ist die Erklärung ein Leuchtfeuer der Hoffnung für die Zukunft. (Jan Dirk Herbermann, DER STANDARD, Printausgabe, 6./7. Dezember 2008)

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Posting 1 bis 25 von 50
1 2
Paul Pot
00
10.12.2008, 12:35
Buchtipp

Alt aber aktuell:

Noahm Chomsky - die politische Ökonomie der Menschenrechte.

Florian Wirth
02
9.12.2008, 20:57
Menschrechte und Kapitalismus

Die Aufgabe für die Einhaltung der Menschenrechte und somit dem Schutz der Schwächeren ist eindeutig der Stärkere verpflichtet. Jedoch sehen sich der Großteil der westlichen Starken, selbst als sehr schwach an. Und die Individuen unserer Gesellschaft, die dafür kämpfen wollen, denen mangelt es an Zeit. Man soll immer mehr immer länger Arbeiten. Wie soll man sich da noch hundertprozent den Menschenrechten widmen bzw. davon leben? Spenden ist keine Lösung. Es muß jeder Einzelne aufstehen und dagegen vorgehen. Aber der westl. Mensch wird mit Arbeit und anderen stupiden Tätigkeiten so zugepumpt, dass er nicht mehr die Kraft für das "Höhere" hat. Der Kapitalismus fördert keine Menschenrechte. IMO.

madlOOm
11
10.12.2008, 14:58

sorry, mag ja einiges stimmen, aber mensch hatte kaum je so viel freizeit wie heute (in europa) ... die menschenrechte an sich und viele bewegungen dieser art wurden unter wesentlich schwierigeren bedingungen durchgeführt bzw etabliert ... ich glaub, das liegt ein bissl auch am egoismus und leicht anders verschobenen prioritäten ...

Florian Wirth
01
10.12.2008, 21:19
Freizeit

Meine Freizeit ist sehr rar und ich setze mich vehement jeden Tag für Menschenrechte ein. Aber auch das kostet Energien und ich kann zumindest von mir selbst behaupten, dass ich ohne die Belastung des kapitalistischen Systems viel mehr dafür tun könnte. Aber von einem Lächeln oder Danke kann man sich leider nichts kaufen, obwohl es nichts schöneres gibt. Egoismus hat sicher etwas damit zu tun, aber auch der gehört zum Leben dazu. Erst wenn es dem Menschen richtig dreckig geht, wird er sozial. Leider. Denn auch eines darf man nie vergessen, wir können Schulden machen. Wir können sitzenbleiben. Das ist ein Privileg des Stärkeren.

madlOOm
10
11.12.2008, 12:15

ich bestreite nicht, dass deine freizeit rar ist und ich bewundere dich für dein engagement, aber den kapitalismus dafür verantwortlich zu machen, dass wir uns nicht damit auseinandersetzen können, greift bei mir nicht ganz - und ich bin sicher kein erzkapitalist, im gegenteil, ich lege sehr viel wert auf den sozialen ausgleich. und es ist leider auch so, dass soziale tätigkeiten nicht wirklich wertgeschätzt werden in unserer gesellschaft, aber wie gesagt, wir hatten nie zuvor mehr zeit, uns für dinge, die uns bewegen, einzusetzen - und wenn es früher schon gelungen ist, weitaus schwierigere dinge durchzubringen, dann liegt es nicht bloß daran, dass nichts weitergeht. die meisten menschen verwenden diese freizeit halt nur, um ihr leben zu leben, was ja auch durchaus legitim ist. auch wenn wir vielleicht mehr möglichkeiten haben, etwas zu bewegen, liegt nicht die last aller übel auf unseren schultern, die welt zu verbessern.
und man kann und muss dem kapitalismus viel vorwerfen, aber in der form, wie er (sozial gegengesteuert) in europa praktiziert wird, hat er immerhin zu großem wohlstand beigetragen - was bisher noch keinem anderen system wirklich gelungen ist.

Florian Wirth
01
11.12.2008, 16:38
Natürlich ist es legitim, dass man sich auch sich selbst widmet.

Ich bin der festen Überzeugung, dass sehr wohl jedes Übel auf unseren Schultern lastet. Denn genau darum geht es ja. Niemand fühlt sich für irgendetwas zuständig. Und ich mache aber den Kapitalismus sowie zugehörige Politik dafür verantwortlich, dass die falschen Werte vermittelt und honoriert werden. Das mit der Zeit sehe anders. Wenn man die A-typischen Beschäftigungsverhältnisse und Co betrachtet die uns überwiegend dazu zwingen Mehrstunden oder Mehr-Jobs zu tätigen bleibt weniger Zeit für einen selbst und/oder der Familie und Hobbies. Jeder Mensch hat nur ein gewisses Pensum an Energie. Die Philosophie und auch soziale Frage ist ob Wohlstand der zu Lasten der Schwachen geht sowohl moralisch als auch sozial zu vertreten ist.

War Machine
86
9.12.2008, 14:23
Er befürwortete Kompromisse und Verhandlungen. Diese Wörter wurden von mir als Studentin verachtet.

Wer diese Wörter verachtet ist mitverantwortlich für Tod, Feuer und Elend auf dieser Welt.

slaine mcroth
25
9.12.2008, 17:35



Was soll diese dumme Meldung? Haben Sie gelesen und verstanden, wofür diese Frau steht und kämpft?

suboptimal
 
14
9.12.2008, 19:08

er hat bei "Studentin" aufgehört zu lesen

rellik retsnom
 
00
9.12.2008, 10:15
unpassender vergleich,

denn tiere sind wir ja alle - egal ob m oder w. allerdings vergewaltigen oder foltern tiere für gewöhnlich nicht (zugegeben, es gibt einige wenige ausnahmen im tierreich). z.b. wird eine maus von einer katze nicht gequält um informationen zu erhalten, dies ist ein jagdtraining. machtmißbrauch erwächst scheinbar aus dem intellekt und nicht aus dem instinkt. lg

E. Pagliacchi
00
9.12.2008, 14:27

Aus welchem Intellekt soll denn das stammen? Vergewaltigung, Machmissbrauch ist Angelegenheit des Stammhirns, nicht der Großhirnrinde.

rellik retsnom
 
00
9.12.2008, 14:37
is ja gut ...

... trotzdem ist der tiervergleich unfair (den tieren gegenüber). kaum einer der vergewaltiger begeht die tat um sein genmaterial zu verteilen - obwohl ... wenn genug frauen des stammes (volksgruppe, etc ...) X von männern des stammes Y geschwängert werden, dann wächst Y natürlich stärker als X - insofern könnte das ganze doch instinktgesteuert sein. lg

Silk Appeal
00
9.12.2008, 17:06
vergleiche

mit dem tierreich sind in solchen fällen einfach nur zynisch und ekelhaft! gewalt zum zwecke des macherhalts ist eine KULTURELLE "leistung" des menschen. sexismus ist eine KULTURELLE "leistung" und hat mit biologischen "notwendigkeiten" nichts zu tun. diese sind nur ausreden handlungsfauler menschen.

darkwing
00
9.12.2008, 16:57
stimmt nicht!

Weil jedes Kind ca. 60% der Erbmasse seiner Mutter mitkriegt, und nicht die des Vaters.

rellik retsnom
 
00
9.12.2008, 17:16
biologisch richtig -

gesellschaftlich falsch!
in fast allen kulturen zählt der mann mehr als die frau. daher sind dann die kinder dem vater zuzuordnen. ist natürlich blödsinn, wird aber so gesehen und hat daher für die leute gültigkeit. lg

derpradler
38
9.12.2008, 09:26
Das ist nicht nur im Kongo so,

Stalin hat seine Soldaten auch aufgefordert möglichst viel deutsche Frauen zu vergewaltigen!

lisi meier
00
10.12.2008, 15:35
wo waren Stalins soldaten "in den letzten zehn jahren"?


oder geben Stalins verbrechen anderen verbrechern einen freibrief?

das Signal
 
22
9.12.2008, 13:16
Ihr Posting ist leider wahr.

Ihr Posting ist wahr.

Kommerzialratte
42
9.12.2008, 08:48
Es ist eine traurige Tatsache, dass sich derzeit ein beträchtlicher Anteil der Männer


wieder ins Tierstadium zurückentwickelt. Als Mann kann man also derzeit nicht allzustolz auf seine Geschlechtsgenossen sein.

QUMI
00
9.12.2008, 15:49

Ich kenne diese Tatsache nicht, also bitte um Erklärung, oder sind sie gerade frustriert worden?

The Real Zet
 
01
9.12.2008, 11:45
Hm.

Entwickelt sich tatsächlich ein beträchtlicher Anteil der Männer "zurück ins Tierstandium"? Woran lässt sich das, abgesehen von Zeitungsmeldungen, erkennen? Und ist tierisch denn ident mit antisozial, brutal, sadistisch, das absolute Böse?

Oder macht der Mensch den Menschen zur Bestie durch eine Spirale von Gewalt, Demütigung, Druck und Entrechtung? Welche Entwicklungen haben auf unserem Kontinent im 18. Jahrhundert begonnen, die die Idee der "Veredelung des Menschen" zu promoten, was war davor?

Gibt es einen universellen Begriff von Würde, Güte, Mitgefühl, oder sind das kulturell bestimmte Konstrukte?

Kommerzialratte
22
9.12.2008, 13:13
Während der Mensch in früheren Epochen einfach mit dem kulturellen Zeitgeschehen mitschwimmen konnte,

um seiner Entwicklung als mensch einigermaßen gerecht zu werden, ist das heute ganz anders.

Wer sich heute einfach vom Fernseh-, Polit- und Wirtschaftsgeschehen treiben lässt, der geht unter bzw. wird zum Pavian degradiert.

Wir leben heute nämlich in einem INDIVIDUELLEN Zeitalter, in dem sich jeder persönlich entscheiden muss, in welche Richtung er geht bzw. zu was er sich entwickeln will.

Beide Türen stehen offen: in Richtung wahrer Mensch oder in Richtung Pavian, letztere ist sogar sperrangelweit offen.

Freilich kann man hier niemandem etwas vorschreiben, jeder darf selbst auswählen -und muss auch die Verantwortung übernehmen.

cybercon
 
41
9.12.2008, 20:22
Das Niveau dieses Postings

zeigt eher, dass Du Dich in Richtung Pavian bewegst...

Mathias
 
00
10.12.2008, 11:30
Niveau?

Und was genau wird von Ihnen dabei kritisiert? Vielleicht das Fünkchen Wahrheit das in dem Posting steckt?

zB: Was zieht die Massen an? Leere Versprechungen oder traurige Fakten?

falkenhayn
12
9.12.2008, 09:41

Es ist wohl leider so, dass Männer insgesamt einen beträchtlichen Anteil ihrer Tiereigenschaften nicht ganz abgelegt haben.

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