Zwangsbescherung für zwei Hedonisten

  • Eine Rampensau als Josef: Vince Vaughn.
    foto: warner

    Eine Rampensau als Josef: Vince Vaughn.

Vince Vaughn und Reese Witherspoon in der US-Komödie "Four Christmases" / "Mein Schatz, unsere Familie und ich"

Wien - Pünktlich zur Weihnachtseinkaufszeit beginnt auch im Kino die Saison der Weihnachtskomödien. Wobei Letztere immer weniger ihrer eigentlichen Funktion nachkommen, das besinnliche Fest mit Geschichten zu begleiten, in denen familiäre Zwietracht am Heiligen Abend endlich in Eintracht übergeht. Eher geht es darum, Einkaufsgeschädigte zu therapieren: Man denke nur an Terry Zwigoffs unübertroffenen Bad Santa (2003), in dem Billy Bob Thornton als Weihnachtsmann die meiste Zeit sturzbetrunken ist.

Auch Four Christmases (Mein Schatz, unsere Familie und ich) richtet sich an jene Zielgruppe, die zur Weihnachtszeit am liebsten die Flucht ergreift. Brad (Vince Vaughn) und Kate (Reese Witherspoon) sind ein Paar, das es sich zum Grundsatz gemacht hat, Konventionen weitgehend zu boykottieren. Zu Weihnachten besuchen die beiden seit Jahren nicht ihre Eltern, sondern reisen auf eine sonnige Insel. Ihr Hedonismus wirkt jedoch etwas selbstgefällig. Insofern ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie auf die Probe gestellt werden.

Die Grundkonstellation des Films ist so einfach wie wirksam: Aufgrund von Nebel kommen Brad und Kate von San Francisco nicht fort. Weil sie am Flughafen zudem von einem TV-Team gefilmt werden, müssen sie nun doch ihren Familien einen Besuch abstatten - und davon gibt es gleich vier.

Ähnlich wie in den Stiller/De-Niro-Komödien Meet the Parents/Meet the Fockers erweisen sich diese auch in Four Christmases als schrill überzeichnete Variationen sozialer Milieus. Brads Vater entpuppt sich zum Beispiel als White-Trash-Waffennarr, seine Brüder als Wrestling-Idioten, während seine hippiehafte Mutter mittlerweile glücklich mit seinem einstmals besten Freund zusammenlebt.

Regisseur Seth Gordon, der mit King of Kong: A Fistful of Quarters eine viel gerühmte Doku über einen Donkey-Kong-Champion drehte, inszeniert grobklotzig auf komische Konfrontationen zu, in denen Brad und Kate ihre Kindheitstraumata noch einmal durchstehen müssen, wenn sie nicht gerade für Dienste wie ein Krippenspiel zwangsrekrutiert werden. Großartige Nebendarsteller wie Robert Duvall, Sissy Spacek und Jon Voight geben den Episoden zusätzlich Substanz.

Der Witz von Four Christmases ist einer der brachialeren Sorte. Der Film behält aber auch eine sentimentale Note - er entlässt sein Paar in eine Art weihnachtliche Nachdenkpause. Man muss das nicht als Verrat am Antifamilienkurs verstehen. Man kann das auch Wille zur Reform nennen. (Dominik Kamalzadeh/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7./8.12.2008)

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