Zwischen Ölboom und Drogengeld

5. Dezember 2008, 17:52
  • Ein Händler verkauft sein Gemüse vor dem Plakat von Präsidentschaftskandidat Nano Addo. Die Preise sind auf Rekordniveau.
    foto: reuters/yaw bibini

    Ein Händler verkauft sein Gemüse vor dem Plakat von Präsidentschaftskandidat Nano Addo. Die Preise sind auf Rekordniveau.

Präsident Kufuors Nachfolger wurde gewählt - Streit um Öleinnahmen und Drogenhandel überschatteten Wahlkampf

In Ghana wird an diesem Sonntag ein Nachfolger von Präsident John Kufuor gewählt. Der gewalttätige Wahlkampf wird vom Streit über erwartete Öleinnahmen und dem steigenden Drogenhandel überschattet.

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Auf dem Markt von Ashaiman laufen die Händler zur Hochform auf. Bevor die schwüle Mittagshitze in der Arbeitervorstadt am Rand von Ghanas Hauptstadt Accra jeden Schritt zur Qual macht, werfen sie sich fast auf die in bunte Kleider gewickelten Hausfrauen und Männer in Anzügen, die sich durch die engen Gänge drängen. Füllige Verkäuferinnen wedeln mit mächtigen Yam-Wurzeln und rasseln mit Bottichen voll Reis, aber nur wenige greifen zu. "Ich verdiene 55 Dollar im Monat", rechnet der Lehrer Felix Akwafo vor. "Zwanzig gehen für die Miete drauf, bleibt etwa ein Dollar, den ich pro Tag für alles andere ausgeben kann." Die Preise für Cassava, Reis oder Bohnen steigen seit Monaten. "Ich versuche schon, mit Nachhilfestunden ein bisschen Extrageld zu machen, aber die Eltern sind auch knapp bei Kasse."

Kurz vor der Wahl am Sonntag, bei der die Ghanaer über ein neues Parlament und einen Nachfolger von Präsident John Kufuor abstimmen, beherrscht nur ein Thema die Debatte: Geld. Die Kandidaten der beiden großen Parteien, Oppositionschef John Atta Mills und Regierungsmann Nana Akufo-Addo überbieten sich mit Versprechungen von Wahlgeschenken. Freie Schulausbildung, sozialer Wohnungsbau und kostenlose Gesundheitsversorgung. Finanziert werden soll das durch den neuen Reichtum der ehemaligen Goldküste. Eines der größten Ölvorkommen Afrikas haben Prospektoren vor Ghanas Küste gefunden. Ab 2010, so Prognosen, soll das Öl und damit die Milliarden fließen.

Schon jetzt befindet sich Ghana, das 16 Jahre nach dem Ende der Militärherrschaft als Musterland Westafrikas gilt, in einem beispiellosen Aufschwung. In Accra werden Hotels, Bürohochhäuser und Shoppingmalls aus dem Boden gestampft. Indische und chinesische Bautrupps haben gerade den neuen Präsidentenpalast fertiggestellt, eine monströse Version eines asiatischen Tempels mit Anleihen in Ghanas Folklore; Kostenpunkt: 50 Mio. Dollar. Dass der Staat pleite ist, spielt keine Rolle: Gerade hat Ghana 750 Mio. Dollar Staatsanleihen aufgenommen. Auch internationale Kreditgeber rechnen damit, dass Petrodollars alle Schulden begleichen werden. Doch nicht alle sind so hoffnungsvoll.

Hoffnung und Gewalt

"Der Streit darum, wer von den Ölgewinnen profitiert, vergiftet schon jetzt die politische Atmosphäre im Land" , beobachtet der Ghanaer Kwesi Aning, der am "Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre" die Forschungsabteilung leitet. So gewalttätig wie dieser Wahlkampf war noch keiner. Vor allem im armen Norden und in Vorstädten wie Ashaiman gab es Ausschreitungen arbeitsloser Jugendlicher. "Die Erwartungen sind immens und kaum einzulösen" , glaubt der Politologe. Denn in Erwartung des Ölreichtums steigen schon jetzt die Preise. "Die meisten werden darunter leiden, weil sie ungelernte Hilfskräfte sind, die im Ölgeschäft keine Jobs kriegen."

Der Öl-Boom, so glaubt Aning, begünstigt zudem ein Geschäft, das seit Jahren wächst. Ghana gilt als eine der wichtigsten Drehscheiben im internationalen Drogenhandel: Kokain und Heroin werden über Ghana nach Europa geschleust. "Drogengeld hat alle staatlichen Institutionen durchdrungen und gefährdet den Zusammenhalt unserer Gesellschaft" , urteilt Aning.

Auch der Wahlkampf, der teuerste, den Ghana je gesehen hat, ist ihm zufolge durch Drogengelder finanziert worden. Ein Abgeordneter der Regierungspartei, Eric Amoateng, sitzt in New York in Haft, nachdem er Heroin im Wert von sechs Mio. Dollar ins Land schmuggeln wollte. Mehrere Minister werden der Verwicklung in den Drogenhandel beschuldigt. Das deutsche Bundeskriminalamt hat einen Spezialisten in Accra stationiert. Aning gibt einem neuen Präsidenten maximal drei Jahre, um den Drogensumpf mit harten Maßnahmen trocken zu legen. "Sonst werden die Drogenbosse das Land endgültig kontrollieren." (Marc Engelhardt aus Accra/DER STANDARD, Printausgabe, 6./7./8.12.2008)

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25 Postings

Schade, ich hatte lange den Eindruck, die ghanesische Politik wäre recht geschickt, seit Rawlings, im Vergleich zu den anderen.

Der Zweifel

Das würde ich so nicht sagen: ich wage zu behaupten, das der J.J. erst den Grundstein für die Prosperität gelegt hat, die jetzt aber schon langsam verspielt wird.
Nennen Sie mir einen Diktator, der seine Macht wider freiwillig abgegeben hat.

so meinte ich es

Die Entschuldigung

Sorry, habe Ihr "seit" als "ab" interpretiert. Und Sie hatten absolut recht mit Ihrer Befürchtung: Stichwahl! Sie werden also wahrscheinlich in den Wahlkampf geraten. Stichwahl am 28.12.2008.

Ich befürchte den nächsten zerbrechenden Staat in Afrika, wenn sie den Übergang zum demokratischen Spiel von Regierung und Opposition nicht finden wollen und auf Ressourcenplünderung statt -bewirtschaftung setzen.

Der Optimismus

Vielleicht sehe ich es zu optimistisch, aber ich denke, dass Ghana stabil genug ist, um auch die Stichwahl ohne gröbere Tumulte zu überstehen.
Haben Sie sich die Ergebnisse angesehen? Ein bissl mehr als 2% Unterschied zwischen Nana und Mills. Ziemlich selten für ein afrikanisches Land. Zwar ist das Land gespalten, aber ich hoffe doch auf die Pragmatik der Ghanaer. Fahren Sie während der Wahlen runter? Wäre doch interessant nachher oder während Ihres Aufenthaltes dem Standard eine Reportage anzubieten.

Ja

Habs auch gelesen. Finde ich einen ziemlich tedenziösen Artikel. Natürlich kann man Geschichte aus div. Blickwinkeln bertrachten. Ich sehe Rawlings so, dass er das Land in einem kritischen Zustand übernommen hat, um Schlimmeres zu verhindern. Er hat die ganze alte Garde eliminiert bzw. aufgeräumt, das Land auf Vordermann gebracht und dann das Land demokr. übergeben. Aber eigentlich habe ich mit der Geschichte selbst noch zu wenig auseinander gesetzt.

Schön wäre es, ausführliche Antwort wieder einmal nicht erschienen, daher fasse ich mich kurz.

Ich fahre Anfang Januar mit dem Auto hinunter.

No worries, Ghana is doing fine :-)

Der Artikel ist sehr tendenziös gehalten.

Lesen Sie mein posting im Anschluss dazu.

Marc Engelhardt, der Autor, sitzt weit vom Schuss in Nairobi. Klicken Sie seine Homepage via Standard an und lesen Sie unter Ghana seinen Artikel "Amas Schicksal". Dort schreibt er:

"Monate hat Herbstein im unwirtlichen Norden Ghanas verbracht, wo der Sahel beginnt und starker Wind den trockenen Sand durch die Luft wirbelt. Nördlich von Kumasi, der ehemaligen Hauptstadt des Ashanti-Reiches, leben nur noch wenige Nomadenstämme. Moscheen aus Lehm sind die größten Gebäude."

Dort leben 3,3 Mio Menschen, der Sahel beginnt erst 500 km nördlich von Ghana, weder sind dort Sand noch Nomaden und die großen Lehm-Moscheen stehen in Mali und Niger.

Und diese Leute sind für unser Afrikabild verantwortlich :-(

Welche Route nehmen Sie?
(interessiert mich, weil ich das evtl. selber machen möchte...)

Marrakesch, Dakar, Bamako, Ouagadougou, Bolgotanga

Die Strassen sind bis auf die Westsahara asphaltiert ansonsten gut ausgebaute Staubpisten. Ich bin mit einem Opel Frontera 4WD unterwegs. Reisedauer bis Ouaga ca. 10 Tage.

Zwar ziemlich vollgepackt mit Sachen für Ouaga und Bolga ist noch ein Platz frei. Wenn Sie Zeit haben, no problem ;-)

Westsahara ist mittlerweile durchasphaltiert bis zur mauretanischen Grenze (die Buckelpiste im "Niemandsland" zu Mauretanien gibt es natürlich noch)! ;)

Post scriptum

Gute Reise oder sretam put!

Die Tretmühle

Wäre ich nochmal 20: ich tät keine Sekunde nachdenken, mein Bagschiserl zampacken und Ihr Angebot dankend annehmen.

Hm, wäre nett, danke, bin aber noch 'ne Zeit hier verpflichtet.
Hat mich nur interessiert, wie Sie fahren.

Merci, und gute Reise...

Ich lasse Sie näheres wissen, wenn ich in Bolga bin. Ihr nick ist eh leicht zu merken.

Danke.
Werde öfters hier hereinschauen.

Würde ich gerne, aber leider unmöglich.

Schade :-(

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