"Diese Leute stehen vor dem Nichts"

11. Dezember 2008, 11:03
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    Viele NachwuchsforscherInnen sehen trotz Uni-Vertrag einer ungewissen Zukunft entgegen.

Kein Dienstrecht - keine Laufbahnmodelle - keine Zukunft: Der fehlende Kollektivvertrag bringt den wissenschaftlichen Nachwuchs, aber auch die Unis in eine prekäre Situation

Idealismus und Begeisterung für Forschung und Lehre waren die Gründe dafür, weshalb Gudrun Kellner eine Stelle als Uni-Assistentin an der Fakultät für Informatik angenommen hat. Als Informatikerin könnte die 26-Jährige in der Privatwirtschaft wesentlich mehr als an der Uni verdienen: "Aber es macht mir Spaß und der ist mir noch nicht ausgetrieben worden", so Kellner. Seit August ist sie für 25 Stunden pro Woche angestellt. In der Arbeitszeit, aber auch in der Freizeit, schreibt sie ihre Dissertation und betreut drei Lehrveranstaltungen mit. Außerdem ist es ihre Aufgabe, im Rahmen eines Spezialprogramms junge Frauen innerhalb und außerhalb der Uni für Technik zu begeistern. Der Vertrag ist für vier Jahre befristet. Ihre Perspektive aus heutiger Sicht, so sich das Dienstrecht nicht ändert: Sie könnte nach Ende des Vertrages und mit dem abgeschlossenen Doktorat eine Post-Doc-Stelle bekommen, die wiederum auf sechs Jahre befristet ist. Und nachdem Kettenverträge verboten sind, würde sie nach der Befristung vermutlich die Hochschule verlassen müssen.

Ungewisses Dasein der NachwuchswissenschafterInnen

Viele NachwuchswissenschafterInnen führen an österreichischen Hochschulen ein ungewisses Dasein. Unbefristete Stellen gibt es für sie nur in Ausnahmefällen. Die Hoffnung auf Inkrafttreten des Uni-Kollektivvertrages (KV) und somit auch auf eine langfristige Karriereperspektive bleibt nun schon seit Jahren unerfüllt. Im April 2007 hatten sich die Universitäten und die Gewerkschaft nach vier Jahren Verhandlung auf einen Kollektivvertrag geeinigt. Darauf, ob der Uni-KV tatsächlich so wie zuletzt verkündet im Wintersemenster 2009 in Kraft tritt, darf man gespannt sein. Das Wissenschaftsministerium verspricht zwar für 2009 die Finanzierung in der Höhe von 50 Millionen Euro, aber darüber, ob die Anschlussfinanzierung gesichert bleibt, herrscht Ungewissheit an den Hochschulen. „2010 muss das Budget auf 100 Millionen Euro aufgestockt werden. In den Folgejahren brauchen wir dann 70 bis 80 Millionen Euro", sagt Christian Cenker, Vorsitzender des UniversitätslehrerInnenverbandes im Gespräch mit derStandard.at.

"Diese Leute stehen vor dem nichts"

"Die Rahmenbedingungen sind denkbar schlecht und das ist auch unser größtes Problem momentan", sagt Brigitte Ratzer, Leiterin der Koordinationsstelle für Frauenförderung an der Technischen Universität (TU) Wien zu derStandard.at. Kein Dienstrecht bedeute auch, dass keine Laufbahnmodelle entwickelt werden können. Jene NachwuchswissenschafterInnen, die sich in den letzten sechs Jahren mit befristeten Verträgen über Wasser gehalten haben, seien eine verlorene Generation, sagt Ratzer. "Das sind hochspezialisierte WissenschafterInnen, die nicht mehr ganz so jung sind." Eine Umorientierung sei oft schwierig. Auch an der Uni Wien würden in nächster Zeit einige Sechs-Jahres-Verträge auslaufen, sagt Cenker: "Diese Leute stehen vor dem Nichts". Insbesondere für Geisteswissenschafter sei die Lage prekär, denn in der Privatwirtschaft gibt es für sie nicht ausreichend adäquate Jobs.

Selbst wenn der KV nun in Kraft tritt, stehen die Chancen für die "verlorene Generation" schlecht. Denn wer gemäß des neuen Uni-KVs eine Post-Doc-Stelle haben will, müsse bestimmte Qualifizierungsschritte durchlaufen haben. "Wenn das zusammenpasst, dann ist das Zufall", so Ratzer. Was rät sie also dem wissenschaftlichen Nachwuchs? "Netzwerke aufbauen, damit man den Absprung von der Uni schafft." Cenker sieht allerdings schon das nächste Problem auf die Unis zukommen: "Der Nachwuchs wird uns fehlen. Die Zahl der Studierenden steigt, nur wer soll sie unterrichten?" (Katrin Burgstaller/derStandard.at, 10. Dezember 2008)

 

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abau
16.12.2008 11:03
Der Schritt bzw. die Phase

vom abgeschlossenen Diplomstudium zum abgeschlossenen Doktorat ist in Österreich besonders schwierig, weil die Rahmenbedingungen nicht förderlich sind.

Es stellt sich die Frage, welche Personen man konkret an die universitäre Forschung binden will, wenn weder materielle Anreize noch andere essentielle Aspekte wie Arbeitsplatzsicherheit, Aufstiegschancen, Leistungsorientierung, Selbstständigkeit usw. gegeben sind.

In meinem Bekanntenkreis gab es einige Personen, die durchaus Interesse an einem Doktoratsstudium gehabt hätten und dieses Interesse auch von Seiten der Fakultät/des jeweiligen Instituts erwidert wurde, sich aber aufgrund der oben erwähnten widrigen Umstände und des besseren Angebots der Privatwirtschaft anders entschied haben.

caverde
14.12.2008 16:29
Online Studium hat Zukunft

Wird es auch in Österreich vermehrt die Möglichkeit geben eine Online Studium zu absolvieren ohne wie bei diesem Link nach England ausweichen zu müssen?
Online Studiengänge würden für viele gut ausgebildete österreichische Akademiker eine
gut Verdienstmöglichkeit darstellen und die
etablierten Universitäten wären entlastet.
http://www.fh-europa.eu/

razer
14.12.2008 00:11

Um es mal ein wenig zu konkretisieren: Wenn man die notwendigen Voraussetzungen hat, wird man gefördert. Also ner Forscherkarriere an der Universität steht nichts im Weg, wenn man Arbeitseifer und Talent mitbringt, gut ein wenig Glück gehört sicherlich auch dazu.
Aber irgendwo find ich's gewissermaßen amüsant, dass faule Stubenhocker tatsächlich bessere Karriereaussichten in Form von finanzieller Sicherheit fordern - geht's noch?! Ich geh wetten, dass jene, die da am lautesten schreien, in ihrem Leben genau am wenigsten Arbeit geleistet haben. Und jetzt will man sich auf den Steuergeldern ausruhen, dass ich nicht lache! Gott sei Dank gibt's noch ein wenig Kompetenz im Staat, die solche Hirngespinste untersagt!

stef95
19.01.2009 15:59

Der fehlende KV ist deshalb ein besonderes THema weil sich die Mehrzahl der "produktiven" Forscher (Doktoranden und Post-Docs) mit Projektfinanzierung über Wasser halten müssen.
Das ist an sich ja nichts schlechtes, ist doch der Schritt in die eigenverantwortliche Finanzierung der eigenen Projektideen, die beste Gewähr für eine Fortführung einer wissenschafltichen Karriere.
Aber mit den im internationalen Vergleich läppischen Projektmitteln vom FWF, der periodisch wiederkehrenden Finanzprobleme, fallen NAchwuchsforscher regelmässig unverschuldet in "Förderlöcher".
Entweder ein ordentlicher KV oder Finanzierungsmöglichkeiten für Nachwuchsforscher über Projektmittel.
Lieber Razer: Faule Forscher kann es nur auf unbefristeten Stellen geben!

potz
14.12.2008 23:14

ja passt eh, prost, nur weiterdrinken.

nam nam
12.12.2008 23:51
dann phd in den usa

habe mag. in aut gemacht ... bin hier phd student in mgmt ... phd studenten/prof ratio im dept. 8:11 ... fuer 12 monate/4jahre angestellt ... entschaedigung $30k ... es geht auch so.

Mischkin
12.12.2008 12:40
Falsche Perspektive

Meines Erachtens verdeckt in diesem Fall die Argumentation über Einzelschicksale das eigentliche Kernproblem. Es ist jedem bekannt wie es in Österreich läuft, es wird keiner gezwungen.
Das Problem ist eher, dass Mittelfristig die hiesigen
Unis ihren Standard nicht halten können, wenn sie
ihren Nachwuchs rausekelt.

razer
12.12.2008 11:56

ich kann mich noch an meine Schulzeit erinnern, wir haben nur Gaude gemacht und Sch**** gebaut. Und jetzt kommen die Leute daher, die das nicht nur ein Jahrzehnt weiter praktiziert haben, sondern diese infantile Alberei zu ihrem Job gemacht haben.
Leute, geht's was Gscheides arbeiten und bringt's ne Leistung!

phaidros
15.12.2008 22:21
ja der neid ist ein hund.

der neid, zu sehen, dass andere freude an ihrer arbeit haben, interesse an dem haben, was sie tun... wenn Sie unglücklich sind mit ihrer gscheiden hackn, dann machens halt was anderes. warum gönnen Sie sich selber den spass nimmer, den sie damals hatten?

kasperl-und- Petzi
13.12.2008 20:09

Und sie sind einfach nur dumm.
troll dich du troll

watzlilaus "walmoerder" wondratschek  
12.12.2008 22:45
Leistung erbringen....

Bravo! Leute, er hat in gewisser Weise recht!
Erbringt Leistung: Kommt in die USA (oder auch nach GB, Australien, Skandinavien,..wenn es Euch gefaellt) und forscht und lehrt: Ihr habt die Moeglichkeit produktiv zu sein, Eure Leistungen werden anerkannt sein. Natuerlich gibt es Typen wie razer, aber Euer berufliches Weiterkommen haengt nicht von Ihnen ab. Natuerlich fliegen auch hier keine Backhuehner herum, aber Leistung lohnt!

her wig
12.12.2008 13:35

I bin ma jetzt net 100 % sicher, ob i des genial finden soi, oder, ähm, authentisch...

elbart0
12.12.2008 12:17
OMG,

das hat wahrhaft das Prädikat "unnötig" verdient.

Ludovico Settembrini
12.12.2008 07:39
wie waers wenn frau keller

einen auslandspostdoc macht?

sie koennte beim FWF um ein schroedinger stip ansuchen und losgehts... und wenn sie das schroedinger nicht bekommt, dann sollte sie ihre zukunft als wissenschaftler sowieso ueberdenken.....

Polenta Schmid
12.12.2008 15:43
Gute Idee !


Ich stimme dem zu. Hausgewächse die nie Auslandserfahrung gemacht haben gibt es ohnehin zu viele.

Dietmar Bauer
12.12.2008 09:17
perfekt, und dann?

Dann kommt Frau Keller aus dem Ausland retour. Zu jung für die Habil und damit für einen Prof. Job, zu alt für Post-Doc Tätigkeit/an der 6 Jahresgrenze des FWF angestossen. Also wird sie wohl eher im Ausland bleiben, wenn sie kann. Aus Sicht der österreichischen Unis ein verlockendes Bild: Wer kann, geht ins Ausland oder in die Wirtschaft, der Rest muss genommen werde, da ja die Lehre irgendwie weiterlaufen muss.

Schlupp
28.02.2009 19:15
In die 6 Jahre beim FWF

werden all die Zeiten nciht eingeechnet, in denen man sein Gehalt selbst beantragt hat. Will sagen: Was Sie schreiben ist Unsinn, die zwei Jahre zaehlen nicht.

Ludovico Settembrini
12.12.2008 11:10

das schroedinger stip wird fuer max 2 jahre gewaehrt...da bleiben dann noch 4 jahre fuer die 6 jahresgrenze (im uebrigen bin ich mir nicht sicher ob es die 6 jahresgrenze beim FWF noch gibt).

fuer heimkehrwillige gibts dann auch wieder ein paar foerderungsmoeglichkeiten...

es ist ja nicht so, dass man im ausland sofort eine tenure-track position nachgeschmissen bekommt...auch dort muss man sich um grants bewerben und die konkurrenz ist um einiges groesser als in oesterreich.

sie haben aber recht: langfristige stellen bekommen zumeist jene kollegen die sich nie ins ausland trauen und deren betriebsblindheit stark genug ist

Zyniker
12.12.2008 12:43
Ich glaub die 6-Jahresgrenze gibt es noch,

aber Schroedinger wird nicht in die 6 Jahre reingerechnet, wie auch ein Selbstantragsteller-Projekt von der 6 Jahresregel ausgenommen ist, die gilt nur wenn man in einem Projekt angestellt ist, dass von jemand anderem beantragt wurde.
Ich bin selber jemand der einen 2-Jahres Schroedinger bekommen hat, nach etwa 5 Jahren Anstellung in einem FWF-Projekt.

Spieler5
12.12.2008 11:16
die 6-Jahresgrenze beim FWF gibt es noch

lustigerweise zählen auch diejenigen Zeiten dazu, während man als Diplomand für 100 Euro angestellt war

effektiv bleiben nach 1,5 Jahren Diplomarbeit und 3 Jahren Dissertation dann noch 1,5 Jahre als Postdoc in einem Fremdprojekt

eigenes FWF-Projekt bekommt man dann natürlich noch keines

potz
12.12.2008 17:40

forschungsbeihilfen fuer diplomanden zaehlen nicht dazu. das geht bis 440 Euro im Monat.

Wer laesst sich fuer 100 anstellen?

mountaineer
15.12.2008 09:02

Ich! (Kein Witz)

Spieler5
12.12.2008 21:01
doch, auch unter 440 Euro wird das angerechnet

zumindest war das die Auskunft beim FWF - vielleicht eine Falschauskunft?

Hardcoreboson
12.12.2008 11:59
anteillige nehme ich an?

also besagter fall ist 4 jahre phd stelle und dann 6 jahre postdoc. das sind wohl mehr als 6 jahre.

was stimmt ist das ich mich mit FWF nicht auseinandersetzte - und natuerlich bin ich auch der meinung das viel gemacht gehoert. aber wenn ich lese das jemand der auf 10 jahre lang eine anstellung hat, von perspektivenlosigkeit spricht, gepaart mit kommentaren das man ja nie ins ausland gehen will ...

RS69 
19.12.2008 14:01

"aber wenn ich lese das jemand der auf 10 jahre lang eine anstellung hat, von perspektivenlosigkeit spricht,"

Wenn SIe wissen, dass es anschliessend vorbei ist - das ist Perspektivenlosigkeit. Da wechseln viele lieber gleich raus in die Privatwirtschaft.

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