Aids-Epidemie in der Ukraine

30. November 2008, 20:42
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Es geht um etwas, das man als einen Kollateralschaden der Perestrojka bezeichnen könnte, um die "Aids-Epidemie in der Ukraine"

"Das hier ist unser Leben, und daran gehen wir auch zugrunde." Sätze, wie dieser fallen hier öfter. Es geht um etwas, das man als einen Kollateralschaden der Perestrojka bezeichnen könnte, um die "Aids-Epidemie in der Ukraine", die sich seit den 90er-Jahren in der ehemaligen Sowjetrepublik entwickelte.

Allerdings ist Epidemie hier keine Vokabel aufgeregter Verdunkelung, nichts, dem man wiederum nur mit "Wundern" begegnen könnte; vielmehr bezeichnet Epidemie einen Status, der sich ganz nüchtern nach der Zahl der Erkrankten bemisst. In weiterer Folge geht es darum, diese "Epidemie in ihre Bestandteile zu zerlegen und zu begreifen, wie sie funktioniert": Der deutsche Filmemacher Karsten Hein und sein Team reisten vor rund drei Jahren durch die Ukraine, um vor Ort mit Betroffenen und mit Vertreterinnen und Vertretern von Initiativen und Hilfsorganisationen zu sprechen. "Am Rande" (22.30, Arte) heißt das Ergebnis dieser Bestandsaufnahme, die ein deprimierendes Bild sozialer beziehungsweise räumlicher Brennpunkte zeichnet, die in einem prekären Zusammenhang stehen. "Am Rande" kommt dabei ohne Betroffenheitsgestus und genauso ohne spekulative Elendsbebilderung aus.

Mitunter mögen die aus dem Off eingesprochenen Zwischenbemerkungen Heins vielleicht etwas betulich wirken, aber tatsächlich bleibt er solidarisch auf Augenhöhe mit seinen Gegenübern: Wenn zum Beispiel an einer Stelle ein Milizionär in einer Strafkolonie herrisch Dreherlaubnis erteilt - die Musikkapelle darf aufgenommen werden - und noch öfter verweigert, dann wird im Anschluss ein Gespräch mit einem Exinsassen geführt, der die von der Autorität produzierten Lücken eben mit seinen Erzählungen füllt. Arte zeigt diesen und drei weitere Filme ab 21 Uhr im Rahmen des heutigen Themenabends zum Welt-Aids-Tag. (irr/DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2008)

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