Maier kehrt auf die Sieger­straße zurück

30. November 2008, 20:15
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Überraschender Triumph im Super G von Lake Louise nach 34 Monaten ohne vollen Erfolg - Auf den Plätzen John Kucera aus Kanada und der Schweizer Didier Cuche - Walchhofer Vierter

Lake Louise/Alberta - Nach 34-monatiger Erfolglosigkeit ist Hermann Maier im alpinen Ski-Weltcup wieder auf die Siegerstraße zurückgekehrt. Der ÖSV-Superstar aus Flachau, der in einer Woche 36 Jahre alt wird, gewann am Sonntag den Super-G in Lake Louise klar vor dem kanadischen Lokalmatador John Kucera (+0,59 Sek.) sowie dem Schweizer Didier Cuche (0,68) und feierte damit bereits den insgesamt 54. Weltcup-Triumph seiner Karriere, den schon 24. im Super-G.

"Saisonziel erreicht"

"Damit habe ich mein Saisonziel erreicht, denn ich wollte unbedingt noch einmal gewinnen", meinte der überglückliche 35-jährige Routinier, der sich lange Zeit nicht sicher gewesen war, ob es zum Sieg - dem ersten seit jenem vor fast drei Jahren in der Abfahrt am 28. Jänner 2006 in Garmisch - reicht. "Ansatzweise war das wieder der alte Hermann Maier, doch bei ein paar Stellen war schon noch etwas drinnen", meinte Maier, der bekanntlich Perfektionist ist, nach seiner spektakulären Fahrt speziell im unteren Teil auf der 2.572 m langen, abfahrtsähnlichen "Men's Olympic/East Summit"-Piste.

Denn bis zur zweiten Zwischenzeit hatte Kucera, der den oberen Teil neben US-Star Bode Miller (out nach Zwischenbestzeit, weil es ihm den Ski aufgeschlagen hatte) am besten erwischt hatte, noch zwei Zehntel Sekunden Vorsprung auf den "Herminator" gehabt. Doch im unteren Teil fuhr Maier der Konkurrenz auf und davon, nahm Kucera auf etwas mehr als 30 Fahrsekunden gleich 79/100 ab und unterstrich seinen Ruf als bester Super-G-Fahrer aller Zeiten (insgesamt 37 Podestplätze/24 Siege/9 zweite und 4 dritte Plätze).

"Es war die richtige Entscheidung, hier herzukommen", erinnerte der Salzburger aber auch in der Stunde des Triumphes an jenen Rückschlag, der ihn in der Vorbereitung auf die Weltcup-Saison weit zurückgeworfen hatte: Am 13. Oktober erlitt Maier im Training im Mölltal eine Stauchung, die einen vier Millimeter langen Querriss in der Bandscheibe zwischen viertem und fünftem Lendenwirbel zur Folge hatte, wie erst Mitte November bei einer MRI-Untersuchung festgestellt wurde.

Vierter Super-G-Erfolg in Lake Louise

Deshalb hatte Maier vor zwei Wochen noch nicht einmal an "Training, geschweige denn ans Skifahren denken" können und sogar eine Pause bis zu den Dezember-Rennen in Europa erwogen. Aber der Doppel-Olympiasieger von Nagano 1998 kämpfte sich wieder einmal auf unglaubliche Weise zurück, belehrte wie schon nach seinem schweren Motorradunfall am 24. August 2001, bei dem er fast seinen rechten Unterschenkel verloren hatte, alle Kritiker eines Besseren und feierte seinen bereits vierten Super-G-Erfolg in Lake Louise.

"Voll auf Angriff gefahren"

"Es ist unverstellbar für mich, dass ich hier gewonnen habe. Ich kann es eigentlich gar nicht glauben, denn die Voraussetzungen dafür waren alles andere als gut. Das ist sicher einer meiner schönsten Weltcup-Siege, ein ganz spezieller Moment, ein wunderschönes Gefühl, wenn man so wieder zurückkommt. Ich bin ja immer wieder abgeschrieben worden", betonte Maier, der bereits in der Abfahrt am Samstag (17.) gemerkt hatte, dass er langsam wieder dorthin kommt, wo er im Sommer beim Übersee-Training in Chile schon gewesen war - in Topform. "Ich bin hier immer besser ins Fahren gekommen. Dazu habe ich auch einen sehr schnellen Ski und das nötige Glück gehabt. Und ich bin voll auf Angriff gefahren, so wie schon lange nicht mehr, vor allem unteren Teil", wusste Maier, wo er das Rennen gewonnen hatte.

Walchhofer um 11/100 am Podest vorbei

Auch die schnelle Kurssetzung kam dem Ex-Weltmeister, der sein bisher letztes Super-G-Training im August absolviert hatte, entgegen. Diese hatte vor dem Rennen für große Diskussionen gesorgt, da sie die Abfahrtsspezialisten ganz klar bevorzugte, wobei der Kurs ursprünglich sogar noch schneller gesetzt gewesen war. "60 bis 75 Meter ist ungefähr Abfahrts-Abstand, das ist zu direkt", erklärte ÖSV-Herrencheftrainer Toni Giger und lobte Renndirektor Günter Hujara für seine Entscheidung, den Kurs deshalb umzusetzen. Es war aber noch immer so schnell, dass einige Fahrer zu "Abfahrtslatten" griffen und damit die goldrichtige Wahl an diesem Tag trafen. So auch Michael Walchhofer, der nur um 11/100 das Podest verpasste.

"Aber auch mit Platz vier bin ich sehr zufrieden. Und es war die richtige Entscheidung, hier mit Abfahrtsski zu fahren", sagte der Hotelier aus Zauchensee. Einziger Wermutstropfen an diesem Tag im ÖSV-Team war die Verletzung von Mario Scheiber. Der Osttiroler, der als drittbester Österreicher unmittelbar vor Klaus Kröll (Startnummer 47) auf Rang 13 landete, hatte sich nach dem wilden Ritt über die enorm schlagige Piste ans Knie gegriffen. Über die Schwere der Verletzung herrschte zunächst noch Unklarheit.  (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hermann Maier realisiert, dass er einen schnellen Weg ins Ziel gefunden hat.

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