"Unser Tibor hat keinen Grund zurückzukehren"

30. November 2008, 18:34
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Eltern dementieren Bericht über eine baldige Rückkehr Focos - Ihr Sohn lebe derzeit in Amerika

"Ich halte das Ganze für einen ausgemachten Blödsinn. Unser Tibor hat überhaupt keinen Grund, nach Österreich zurückzukehren. Und wenn doch, würde er es wohl zuerst seiner Mutter sagen - und nicht irgendeiner Zeitung", ist Christine Foco im Gespräch mit dem STANDARD überzeugt.

Die Tageszeitung "Österreich" hatte berichtet, dass sich der unter Mordverdacht stehende ehemalige Rennfahrer Tibor Foco vergangene Woche mehrmals telefonisch gemeldet habe. In diesen Gesprächen soll der heute 52-Jährige, der 1995 bei einem Studienausgang an die Linzer Johannes-Kepler-Universität aus der Haft fliehen konnte, gesagt haben: „Ich will endlich heim und mich der Justiz stellen." Er wünsche sich einen Prozess in Wien, „weil ich in Linz kein faires Verfahren bekomme". Und er wäre auch bereit, sich bis zu einem neuen Prozess mittels elektronischer Fußfesseln überwachen zu lassen.

Focos Anwalt Herbert Wegscheider sagte zur APA, er wisse nichts von einer geplanten Rückkehr und habe auch keinen Kontakt zu seinem Mandanten.

Das Justizverfahren rund um Foco war von Anfang an von vielen Widersprüchen begleitet. Am 13. März 1986 wird die 24-jährige Prostituierte Elfi Hochgatter erschossen und missbraucht nahe der Westbahngleise in Linz aufgefunden.

Nur drei Tage später wird der 30-jährige Tibor Foco als Tatverdächtiger verhaftet. Foco betrieb damals das illegale Bordell „Bunny Club". Im Prozess 1987 belastete die Kronzeugin Regina Ungar Foco und einen vermeintlichen Komplizen. Beide hätten sie mittels Morddrohungen gezwungen, Elfi Hochgatter zu erschießen. Foco wurde zu lebenslanger, der angebliche Komplize zu 18 Jahren Haft verurteilt. Doch bereits im Dezember 1991 zweifelten die damaligen Geschworenen öffentlich am Urteil, ein Jahr später wurde der unschuldige „Komplize" in einem neuen Prozess freigesprochen, im Jänner 1992 widerrief Kronzeugin Ungar ihre Aussage gegen Foco.

Am 28. Februar 1997 hob schließlich das Oberlandesgericht Linz das Urteil gegen Foco, von dem seit 1995 jede Spur fehlt, auf. Seine Eltern, die maßgeblich an seiner Flucht beteiligt waren, kassierten 1998 dafür Geldstrafen.

Freies Geleit zugesichert

Im Februar 2005 sicherte die damalige Justizministerin Karin Gastinger (BZÖ) dem Ehepaar Foco freies Geleit für ihren Sohn zu, bis zum Abschluss eines neuen Verfahrens würde er nicht in U-Haft genommen werden.

Laut Österreich soll sich Foco nach seiner Flucht einige Zeit in Ungarn aufgehalten haben. Seit zwölf Jahren lebe der Justizflüchtling auf einer Insel im Pazifik, arbeite als Truckfahrer und habe eine Familie gegründet.

Seine Mutter, die stets behauptet hatte, nicht zu wissen, wo sich Foco aufhalte, sagte am Sonntag zum STANDARD: „Tibor ist in Amerika. Dann und wann schreibt er schon ein Brieferl an uns." (Bettina Fernsebner-Kokert, Markus Rohrhofer, DER STANDARD; Printausgabe, 1.12.2008)

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    Tibor Foco mit Justizbeamten und Anwalt Alois Heigl (im Hintergrund) während des Prozesses im Jahre 1987.

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