Sportliche Relationen - Die wahre Doping-Misere

30. November 2008, 18:33
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Die strafrechtliche Verfolgung gedopter Sportler nimmt im Regierungsprogramm einen prominenten Platz ein - von Fitz Neumann

Faymann/Pröll haben gar nichts falsch machen können. Im Regierungsprogramm. Was den Sport betrifft. Auf jenem Platz, den er einnahm, auf vier der 266 Seiten, ging sich kein Fehler aus. Norbert Darabos, ab morgen Sportminister, machte auch alles richtig. Er war, obwohl sich Faymann längst seiner sportlichen Motivation versichert hatte, nicht in die Erstellung der vier Seiten involviert.

Immerhin zehn Punkte gingen sich aus, immerhin wird Sport eine "bedeutende Querschnittsmaterie der Gesellschaft" (Gesundheit, Soziales, Wirtschaft, Tourismus, Bildung, Integration) genannt. Über die Reihenfolge der Punkte ließe sich streiten, nicht allerdings über jenen Platz, den die "konsequente Anti-Doping-Politik" einnimmt. Sie liegt an zehnter Stelle, damit völlig zu Recht beispielsweise hinter "Verstärkung der Kooperation Sport und Bildung" (mit der ewigen Forderung nach der täglichen Bewegungseinheit) oder "Sport als wirtschaftlicher Impulsgeber", hinter "Forcierung des Breiten- und Gesundheitssportangebots" oder "Nutzung des Sports als Integrationsfaktor".

Darabos lässt all das links liegen, um zu allererst die strafrechtliche Verfolgung gedopter Sportler zu fordern. Als wären weitgehende Folgen, da Doping als Wirtschaftsbetrug betrachtet werden und Schadenersatzforderungen nach sich ziehen könnte, nicht schon möglich. Seine Aufgabe wäre es, richtige Relationen herzustellen. Basketball, Formel 1, Fußball, Volleyball, Tischtennis etc. sind weitestgehend sauber. Der Sport insgesamt leidet weniger unter Doping denn darunter, dass Doping immer wieder in den Mittelpunkt gerückt wird. Auch vom Sportminister. (Fritz Neumann, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 1. Dezember 2008)

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