Kopf des Tages: Fritz Kaltenegger

30. November 2008, 18:19
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Urban, aber mit dem richtigen Stallgeruch

Zur Politik kam der jetzige Bauernbunddirektor und künftige ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger durch einen anderen ehemaligen Bauernbunddirektor: Als er sein Studium Landschaftsplanung abgeschlossen hatte, bot ihm Josef Riegler an, Redakteur der Ökoenergie, Europas auflagenstärkster Umweltzeitschrift, zu werden. Wie bei allen künftigen Karriereschritten hatte Kaltenegger nur wenige Stunden Bedenkzeit - und lernte bei Riegler die ökosoziale Marktwirtschaft ebenso wie das Funktionieren der Volkspartei.

Riegler selbst war 1980 bis 1983 Bauernbund- direktor gewesen, ehe er steirischer Landesrat, Landwirtschaftsminister, ÖVP-Chef und Vizekanzler wurde - der Posten des Bauernbunddirektors war später auch für Wilhelm Molterer und Josef Pröll ein Karrieresprungbrett.

Als Pröll 2003 Minister wurde, holte er Kaltenegger als Kabinettschef. Der hatte unterdessen eineinhalb Jahre Tätigkeit im ÖVP-Parlamentsklub hinter sich - auch hier war er mit den Themen Umwelt und Landwirtschaft befasst. Als dann der Bauernbund im September 2005 einen Direktor suchte, fiel die Wahl rasch auf den Pröll-Vertrauten. Der hatte inzwischen geheiratet: Frau Andrea war bei der Telekom beschäftigt. Die Kinder sind inzwischen drei Jahre beziehungsweise sechs Monate alt.

Polit-Profi

Bei den Bauern fand Kaltenegger sofort Anerkennung als Polit-Profi, obwohl er nie eine Verankerung an der politischen Basis gesucht hatte: Die Kärntner Heimat hatte er mit dem Studium hinter sich gelassen, in Wien hatte er keinen Zugang zur Kommunalpolitik, und in seiner künftigen Heimat Gablitz ist das Haus erst im Entstehen. Aber seine Aufgabe war ja auch nicht die Vertretung von Partikularinteressen eines Wahlkreises, sondern die Organisation von Politik. So hat er im "Forum Land" ländliche und städtische Meinungsbildner vernetzt, in Prölls Perspektivengruppe hat er die Aspekte der Entwicklung des ländlichen Raumes eingebracht. Das sind zum Teil persönliche Erfahrungen: So wie Kaltenegger sind ja viele junge Österreicher aus bäuerlich geprägten Gemeinden in Städte abgewandert - der neue ÖVP-Generalsekretär empfindet sich selbst als eher urbanen Menschen.

Musste der 37-Jährige bisher bäuerliche Anliegen einer an Agrarpolitik mäßig interessierten Gesamtpartei (und einer noch weniger mit Landwirtschaft vertrauten Öffentlichkeit) vermitteln, so geht es ihm nun um das Wesen christlich-sozialer Politik an sich: "Man muss die Politik so übersetzen, dass sie die Leute verstehen." (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2008)

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