Der Schotter und das Wasser darüber

30. November 2008, 17:53
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Wie eine alte Dame zum Sponsor des SC Austria wurde - Dessen Präsident soll sie betrogen haben

Wien - Auf dem Volksbank-Konto des Schwimmclubs Austria gehen 2001 64.483 Euro (887.308 Schilling) ein - und Ende des Jahres wieder aus. Neben der Kontoaufstellung steht unter anderem: "Von welchem Konto erfolgte die Abhebung der ATS 887.308? Horst Z. ist darüber zu befragen! Zu diesen Ausgaben kommen noch die Kosten für die Wohnung des Schwimmtrainers in Wien. Miete, Strom, Telefon etc. werden vom Girokonto (Nummer der Redaktion bekannt, Anm.) des Horst Z. abgebucht! (3600Euro/ATS50.000 jährlich)."
Auf den SC-Austria-Konten sammeln sich laut Bundespolizeidirektion Wien 2001 Sponsorgelder und Mitgliedsbeiträge von rund 34.600 Euro (477.000 Schilling). Die Ausgänge betragen mehr als 123.000 Euro (1,6 Millionen Schilling).

Aktenvermerk vom 10. Juni 2002, unterzeichnet von dem Kriminalpolizisten Max Edelbacher: Von den 800.000 Schilling auf dem SC- Austria-Konto stammt laut Z. "etwa ein Drittel aus K. Geld" . Frau K. (Name der Redaktion bekannt, Anm.) ist eine inzwischen verstorbene Dame, die der Präsident des SC Austria, Z., seit Ende der 1990er geschädigt haben soll. Ein Betrugsprozess ist vor dem Straflandesgericht Wien anhängig.
Der "Schwimmtrainer" auf dem Kontoblatt und in Z.s Wohnung ist übrigens Zeljko Jukic, Vater von Mirna und Dinko Jukic. Als die Jukics Ende der 1990er von Zagreb nach Wien übersiedelten, trug Z. die Unkosten und stellte eine Wohnung zur Verfügung. Sie können natürlich nicht wissen, woher ihr Mäzen sein Geld hat.

Nach Edelbachers Ermittlungen wurden Horst Z. (82), sein Bruder Helmuth und sein Sohn Horst Dieter am 11. Juni 2004 angeklagt, Vermögenswerte der Christine K. sich oder Dritten zugeeignet zu haben. Helmuth Z. wurde seither teilbedingt verurteilt, Horst Dieter Z. ging frei.
Horst Z. aber ist nach einem Gutachten aus dem Sommer 2008, das sich auf Befunde von der Baumgartner Höhe (Abteilung Michael Leodolter) stützt, verhandlungsunfähig. Der Prozess wurde bis zur etwaigen Erholung von Z. abgebrochen. Bernhard Holzer, Präsident des Wiener Schwimmverbandes: "Z. taucht immer wieder bei Verbandsterminen und Wettkämpfen auf." Am 7. November 2008 kämpften Z. und Zeljko Jukic wacker, doch vergeblich darum, einen Vertreter seines SC Austria zum Vizepräsidenten des Wiener Verbandes wählen zu lassen.
"Ich habe mich 25 Jahre lang um die Frau gekümmert und alles rechtmäßig geschenkt bekommen" , sagte Z. dem Standard. Die Nichte der inzwischen verstorbenen Frau K. habe sich eingemischt und gegen ihn einen Prozess angestrengt. Auf die näheren Umstände angesprochen, beendete Z. abrupt das Telefonat. Für Z. gilt die Unschuldsvermutung.
Edelbachers Vorwürfe

Max Edelbacher hat in einem Buch (Was läuft falsch? Amalthea, 2008) den Fall skizziert. Laut Anklageschrift verständigte am 5. Juli 2001 "eine Nachbarin der K. die Rettung, weil diese auf der Gasse umherlief und um Hilfe rief. Sie war stark abgemagert, durch mangelnde Flüssigkeitszufuhr dehydriert und in völlig verwahrlostem Zustand. Das Haus gehörte nicht mehr ihr, sondern Horst Z., dem sie es mit Notariatsakt vom 5.7.2000 geschenkt hatte." Helmuth und Horst kümmerten sich um Frau K. Edelbacher: "Sie haben ihr ein paar Wurstsemmeln hineingehaut und die Bilder und den Schmuck aus dem Haus getragen." Edelbacher schätzt den Schaden auf rund vier Millionen Euro. Z. will allein rund 0,85 Millionen Euro für Frau K. ausgegeben haben.

Z. betreute bis zur Pensionierung 1995 als Filialleiter der Volksbank den Kunden Jan K., einen erfolgreichen Anwalt. Nach dessen Tod ersuchte die Witwe Z. um Hilfe bei der Vermögensverwaltung. Sie sagte aus, ihm nie Geld oder Haus geschenkt zu haben. Ihre Nichte brachte die Nachforschungen in Gang. In der Untersuchungshaft behauptete Z. erst, es sei kein Vermögen von K. mehr vorhanden. Schließlich erstattete er das Haus und rund 327.000 Euro retour. Mit der Nichte der K. vereinbarte er im März 2002 notariell, rund zwei Millionen Euro zurückzugeben, brachte zwar Schmuck und Bilder von rund 109.000 Euro, den Rest jedoch nicht. Er sei unter starkem psychischem Druck gestanden, sagte Z. aus. Die Polizei fand im Haus einer Verwandten von Z. rund 250.000 Euro in einer Unterputz-Stromverteilerdose.
Die Nichte der K. gewann gegen Z. drei Zivilprozesse, erhielt das Haus und einen kleinen Teil des verschwundenen Geldes zurück. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe, 1. Dezember 2008)

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