Mindestens sechs Israelis unter Opfern

30. November 2008, 18:24
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Empörung über Anschlag auf orthodoxes Gästehaus in Mumbai

Beinahe wie einen Anschlag im eigenen Land empfanden Menschen und Medien in Israel das Terrordrama in Mumbai. Das lange Warten auf die endgültige Gewissheit über das Schicksal der Geiseln, die im Nariman-Haus vermutet wurden, hatte erst Samstagnacht ein Ende, als klar wurde, dass niemand überlebt hatte. Unter den Opfern waren auch die Leiter des jüdisch-orthodoxen Gästehauses, das junge Rabbiner-Ehepaar Gavriel und Rivka Holtzberg.

Das Bild ihres zweijährigen Sohns Mosche war um die Welt gegangen, nachdem die indische Köchin Sandra Samuel ihn geistesgegenwärtig aus dem Gebäude gerettet hatte. Das israelische Innenministerium will Sandra Samuel nun im Eilverfahren eine Aufenthaltsgenehmigung gewähren.

Insgesamt dürften sechs Personen mit israelischer Staatsbürgerschaft im Nariman-Haus ums Leben gekommen sein. Während orthodoxe Bewegungen bei nicht religiösen Israelis recht unbeliebt sind, genießen die toleranten, gastfreundlichen und immer fröhlichen "Chabadniks" große Popularität. In mehr als 70 Ländern auf allen Erdteilen sind etwa 4000 Mann-und-Frau-Teams wie die Holtzbergs im Einsatz, um jüdischen Reisenden eine Anlaufstelle zu bieten.

In Israel war man davon überzeugt, dass das Nariman-Haus kein Zufallsziel war, sondern von den islamistischen Attentätern wegen seines jüdisch-israelischen Symbolwerts ausgewählt worden war. "Der Anblick der in die jüdischen Gebetsschals eingehüllten Leichen führt uns in Situationen zurück, von denen wir hoffen, dass sie nicht wiederkehren", sagte Premier Ehud Olmert bei der sonntägigen Kabinettsitzung, "aber der Hass gegen Juden, den Staat Israel und jüdische Symbole ist anscheinend noch immer ein Ansporn für solche Mordtaten." (Ben Segenreich aus Tel Avi, DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2008)

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