Pressestimmen: "Terror mit zwei Gesichtern"

30. November 2008, 11:25
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Libération: Indien hat seine toleranten Ideen von einst vergessen

London/Rom/Zürich - Mit den verheerenden Terroranschlägen in Indien befasst sich am Sonntag die internationale Presse:

"The Sunday Times" (London):

"Die Gefahr ist nicht, dass Indien diesen Kampf aufgibt, aber dass es das Ausland tut. Internationale Geschäftsmänner und -frauen, die die Terroranschläge miterlebt haben, sind traumatisiert. Aber Indien braucht den Kontakt zur übrigen Welt und die Welt braucht Indien. Indiens Zukunft ist die eines blühenden Teils der weltweiten Wirtschaft. Würden wir Indien nun den Rücken zuwenden, dann hätten die Terroristen einen Sieg errungen, den sie einfach nicht verdient haben."

"Corriere della Sera" (Mailand):

"Was haben die Juden mit dem indisch-pakistanischen Konflikt zu tun? Absolut nichts. Aber in der Ideologie des Jihad und dem ihn kennzeichnenden antisemitischen Fanatismus spielen sie eine große Rolle. (...) Die Attacke auf das Jüdische Zentrum von Bombay ist der Beweis, dass der islamistische Terrorismus zwei Gesichter hat, dass er sich von zwei Wurzeln nährt: Auf der einen Seite stehen die regionalen Konflikte und auf der anderen die Ideologie des Heiligen Krieges (...), in dem der 'Krieg gegen den Zionismus' ein entscheidendes Puzzleteil ist."

"Neue Zürcher Zeitung" (NZZ am Sonntag):

"Der Umgang mit dem Terror zeigt anschaulich die Stärken und die Schwächen des modernen Indien: Die Zentralregierung, die Regierung des Gliedstaates Maharashtra, dessen Hauptstadt Mumbai (Bombay) ist, Polizei und Militär schienen gänzlich überfordert zu sein. Indiens Bürgergesellschaft dagegen ist vital und innovativ. (...) Die Kraft und der Ideenreichtum von Indiens Kultur und Industrie finden keine Entsprechung in der Politik und der Verwaltung. Das behindert das Land. Vergangene Woche hat davon der Terror profitiert."

"Süddeutsche Zeitung" (München):

"Die Terroranschläge in Mumbai sind für die regierende Kongresspartei in Indien politisch ein schwerer Ballast. Im Mai 2009 stehen Parlamentswahlen an. Seit Jahren ist die Regierung den Vorwürfen der hinduistisch-nationalistischen Opposition ausgesetzt, sie könne den Terrorismus nicht wirksam bekämpfen."

"Libération" (Paris):

"Wenn die Terroristen von Bombay aus dem Nachbarland Pakistan kommen, müssen die Inder das beweisen. Indien hat seine toleranten Ideen von einst vergessen. Es behandelt im Namen einer chauvinistischen Vision des Hinduismus seine beachtliche muslimische Gemeinde wie Staatsbürger zweiter Klasse. Die indischen Behörden haben die antimuslimischen und antichristlichen Pogrome zu lange zugelassen." (APA/dpa/AFP)

 

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