Fill nützt die Gunst der Stunde

29. November 2008, 21:04
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Debütsieg für Italiener in Abfahrt von Lake Louise - Schweizer Über­raschungs­mann Carlo Janka vor Schweden Olsson auf Platz zwei - Streitberger Vierter - Topfavoriten bei wechselnden Bedingungen chancenlos

Lake Louise/Alberta - Die erste Weltcup-Abfahrt der Alpin-Saison ist am Samstag in Lake Louise zur Wetterlotterie geworden und hat ein dementsprechendes Ergebnis gebracht: Der Südtiroler Peter Fill feierte seinen ersten Weltcup-Sieg acht hundertstel Sekunden vor dem Schweizer Sensationsmann Carlo Janka, der mit Startnummer 65 fast noch gewann, sowie Hans Olsson (+0,16), der als erster Schwede in der Königsdisziplin aufs Podest fuhr. Bester Österreicher wurde der Salzburger Georg Streitberger (+0,21 Sek.) unmittelbar vor dem Steirer Klaus Kröll (0,29) als Vierter.

Die weltbesten Abfahrer wie Spezialweltcup-Sieger Didier Cuche (32.) aus der Schweiz, US-Star und Trainings-Dominator Bode Miller (16.) oder der Salzburger Ex-Weltmeister Michael Walchhofer (13.) waren diesmal chancenlos, weil ihnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte. Sie landeten alle außerhalb der Top Ten, da nach den ersten 14 Läufern, die traumhafte Bedingungen vorgefunden hatten, dunkle Wolken aufgezogen waren.

Wechselnde Sichtverhältnisse

"Darum ist von Läufer zu Läufer die Sicht schlechter geworden. Das war für die Motivation natürlich ein Schas", lautete deshalb der frustrierte Kommentar von Walchhofer, der sich von den Topleuten als 13. aber noch am besten schlug. Streitberger nutzte mit Nummer drei ebenso wie Fill (10) und Olsson (5) den Sonnenschein zu Beginn und verzeichnete damit sein bestes Resultat in der Königsdisziplin, das bisher Platz neun gewesen war. Doch Janka, der im Finish wieder bei Sonnenschein unterwegs war, fuhr den 27-Jährigen noch vom Podium.

"Es ist natürlich bitter, wenn man in letzten Minuten noch vom Podest verdrängt wird, aber ich bin noch immer zufrieden mit diesem Ergebnis. Das gibt mir jetzt Selbstvertrauen für den Super-G", fieberte Streitberger bereits dem nächsten Rennen am Sonntag in Lake Louise entgegen.

Sein engerer Landsmann Hermann Maier, der als einer der Ersten mit der abrupt schlechter werdenden Sicht zu kämpfen gehabt hatte, war nach Platz 17 "sehr zufrieden". "Weil ich mit dieser Gruppe, die da um mich herum gestartet ist, habe mithalten können. Da kann man schon zufrieden sein", betonte der Flachauer, der mehr mit den Folgen seines Querrisses in seiner Bandscheibe zu kämpfen hatte. "Für mich war das Hauptproblem, dass ich mich richtig aufs Rennen einstelle. Aber die Körperspannung war wieder da, es wird von Tag zu Tag besser", erklärte Maier, der nun hofft, "dass diese Fortschritte so weitergehen".

Debütsieg für Fill

Peter Fill, Cousin von Riesentorlauf-Weltcupsiegerin Denise Karbon, nahm erst nach dem allerletzten Läufer Gratulationen an. "Ich kann es gar nicht glauben. Es war ein Super-Rennen, dazu habe ich auch das nötige Glück gehabt", sagte der 26-Jährige aus Kastelruth, der bereits mit drei Jahren Skifahren gelernt hatte. Fill hatte vor seinem Debütsieg in der kanadischen Öl-Provinz Alberta schon sieben Mal den Sprung aufs Weltcup-Podium geschafft, davon vier Mal in der Abfahrt, wobei Platz zwei in Bormio 2006 sein bisher bestes Resultat in der Königsdisziplin gewesen war.

Janka, der erst seine dritte Weltcup-Abfahrt bestritt, hatte den Erfolg von Fill beinahe noch verhindert, lag der 22-Jährige doch bis zur letzten Zwischenzeit voran. Der Schweizer, der bisher mit Top-Ten-Plätzen in der Kombination (8.) und im Riesentorlauf (9.) aufgefallen war, unterstrich damit seinen Ruf als Riesentalent im Eidgenossen-Team. "Als ich an den Start kam, bemerkte ich: Die Sonne ist zurück. Also gab es nur eines: Vollgas", berichtete Janka nach seiner tollen Fahrt über den 3.025 km langen "Olympic Downhill Run".

Neben Fill und Janka strahlte aber natürlich auch Olsson. "Ich bin wirklich stolz, dass ich als erster Schwede in der Abfahrt aufs Podest gefahren bin", wusste der 24-Jährige um seine historische Leistung. Bisher hatte Olsson, der seit neun Jahren im Winter in Tirol lebt ("Da habe ich es näher zu den Rennen"), nur in der Kombination zwei Top-Ten-Plätze (bestes Ergebnis Platz vier 2006 auf der Reiteralm) vorzuweisen. In der Abfahrt war bisher Fredrik Nyberg, der am 1. Dezember 1995 in Vail Fünfter geworden war, der bestplatzierte Schwede in der Weltcup-Geschichte gewesen. (APA)

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    Peter Fill fliegt dem Sieg entgegen.

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