Außenminister lässt Pläne zu Erweiterung der G-8 erarbeiten

29. November 2008, 17:19
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Laut "Spiegel" Gruppe von 16 Staaten im Gespräch - Steinmeier auf Konfrontationskurs mit Merkel

Berlin - Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) lässt Pläne für die Erweiterung der G-8-Gruppe ausarbeiten und geht damit auf Konfrontationskurs zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Es gebe entsprechende interne Papiere im Auswärtigen Amt und Erwägungen, die in diese Richtungen gingen, sagte ein Sprecher Steinmeiers am Samstag auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AP, ohne jedoch genauer auf den Inhalt eingehen zu wollen. Merkel lehnt es dagegen ab, die Gruppe der sieben führenden Industrienationen und Russlands zugunsten einer größeren Formation aufzulösen.

Das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" meldete, Steinmeiers Planungsstab habe eine vierseitige Blaupause für eine G-16-Gruppe erarbeitet, die besser imstande sei, "globale Zukunftsaufgaben" zu lösen. Zusätzlich zu den G-8 aus USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien, Russland, Japan und Deutschland sollten der neuen "Kerngruppe" China, Indien, Südafrika, Mexiko, Brasilien und drei Staaten aus dem islamischen Raum angehören. Das Papier nennt laut "Spiegel" die Türkei, als denkbar gälten zudem Indonesien und Ägypten.

Auswahlkriterien seien neben der geografischen Ausgewogenheit "Bevölkerungszahl, Wirtschaftskraft und die Gestaltungskraft eines Landes", hieß es weiter. Merkel will dagegen an der bestehenden G-8-Gruppe festhalten und das Gremium allenfalls "themen- und anlassbezogen" erweitern.

Bei seinem Indien-Besuch vor gut einer Woche hatte Steinmeier in Gesprächen mit dem indischen Premier Manmohan Singh und Außenminister Pranab Mukherjee bereits das Interesse Deutschlands an einem größeren Engagement Indiens bei der Bewältigung weltweiter Krisen wie den Finanzmarktturbulenzen geäußert. Die indische Regierung ihrerseits hatte Kritik an der Exklusivität der G-8-Gruppe geübt.

Mit dem G-20-Treffen in Washington Mitte November wurde mit der Einbeziehung der wichtigsten Schwellenländer die bisher privilegierte Gruppe der reichsten Industrieländer bereits gewissermaßen entmachtet. Welches neue Forum führender Länder zur Bewältigung von Weltkrisen sich am Ende etabliert, muss sich nach diplomatischem Urteil erst noch zeigen. Vermutlich wird es erste Entwürfe aus Europa erst unter italienischer EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2009 geben. (APA/AP)

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