Ex-KP-Chef Hue verlässt Parteileitung

29. November 2008, 11:53
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"Bruch mit einer Partei, die nicht mehr reformiert werden kann"

Paris - Zwei Wochen vor dem 32. Parteitag der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF) hat der ehemalige KP-Chef Robert Hue seinen Rücktritt von der Parteileitung angekündigt, der er seit 1990 angehört. In einem Brief an PCF-Nationalsekretärin Marie-George Buffet, der am Samstag von der Tageszeitung "Le Parisien" veröffentlicht wurde, begründet der 62-jährige Politiker und ehemalige Präsidentschaftskandidat seine Entscheidung damit, dass die aktuelle Parteilinie "in eine Sackgasse" führen würde.

Hue bezeichnete seinen Schritt als "Bruch mit einer Partei, die nicht mehr reformiert werden kann". Der Senator kündigt in dem offenen Brief eine "neue Initiative" an, "die mir die Möglichkeit geben wird, meinen Kampf für eine gerechtere und menschlichere Welt anders fortzusetzen und einen aktiveren Kampf in diesem Sinn aufzunehmen". Die Anhänger Hues stimmten nicht für den Entschließungsantrag der Parteichefin Buffet. Die 58-Jährige hatte nach ihrem schwachen Wahlergebnis bei der Präsidentenwahl von 2007, als sie mit nur 1,93 Prozent der Wählerstimmen das schlechteste Ergebnis der Parteigeschichte einfuhr, zunächst ihren Rücktritt angekündigt. Nunmehr will sie beim nächsten Parteitag, der vom 11. bis zum 14. Dezember stattfindet, für ein weiteres Mandat im Rahmen einer "kollektiven Parteileitung" ins Rennen gehen.

Der 1946 geborene Hue wurde 1994, als er der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt war, vom langjährigen Parteichef Georges Marchais zum Nachfolger gekürt. Er begann eine Politik der Öffnung seiner Partei, um die Krise des Kommunismus nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu überwinden. Bei der Präsidentenwahl 1995 erhielt er 8,7 Prozent der Wählerstimmen, 2002 waren es allerdings nur noch 3,4 Prozent. Als darauf eine Unterschriftensammlung gegen Hue gestartet wurde, gab er seinen Posten an Buffet ab. Im selben Jahr verlor Hue auch sein Mandat als Abgeordneter. 2004 wurde er in den Senat gewählt. (APA)

 

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