Die heilende Kraft des Wassers

30. November 2008, 17:00
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Wasser kann durch seine Wärme oder die darin enthaltenen Wirkstoffe heilen - In Bad Gastein wird Radon zur Behandlung eingesetzt

Mittels Bad, Inhalation oder Trinkkur werden bestimmte Inhaltsstoffe im Wasser vom Körper aufgenommen und bewirken eine Linderung vieler Krankheiten. Besonders rheumatische, aber auch Atemwegs- und Hauterkrankungen können mittels Heilwasser behandelt werden. Die Heilungseffekte halten nach einer Kur bis zu einem Jahr an, sagt Anton Trattner, Allgemeinmediziner und ärztlicher Leiter des Thermalkurhauses Bad Gastein im derStandard-Interview.

derStandard.at: Was versteht man unter "Heilwasser"?

Trattner: Man unterscheidet zwischen Thermalwasser, das nur warm ist und Thermalwasser, das zusätzlich noch Inhaltsstoffe, also ein spezielles Heilmittel - wie Schwefel, Radon oder Salz - beinhaltet. Bei reinem Thermalwasser ist die Wärme das Wesentliche.

derStandard.at: Welche Inhaltsstoffe im Wasser werden für die Behandlung welcher Krankheiten eingesetzt?

Trattner: Salz wendet man vor allem bei Atemwegserkrankungen und Erkrankungen der Harnwege an, Schwefel bei rheumatischen Beschwerden und zum Teil auch für Hauterkrankungen. In Bad Gastein ist vor allem Radon, ein radioaktives Edelgas, das wirksame Heilmittel, da es 17 radonhältige Quellen und einen Heilstollen gibt.

derStandard.at: Welche Beschwerden und Krankheiten können mit Radon behandelt werden?

Trattner: Vor allem rheumatische Erkrankungen, alle Formen des rheumatischen Formenkreises, das sind entzündlicher Rheumatismus, Weichteilrheumatismus, degenerativer Rheumatismus und Autoimmunerkrankungen auf rheumatischer Genese. Radon ist zusätzlich für Hauterkrankungen günstig.

derStandard.at: Wie kann man sich eine Behandlung mit Heilwasser vorstellen?

Trattner: Generell gibt es das Bad, die Inhalation und die Trinkkur. In Gastein ist Radon im Thermalwasser und im Heilstollen vorzufinden. Bei der Therapie im Bad und im Stollen wird dieser Inhaltsstoff einerseits über die Atemwege, andererseits über die Haut aufgenommen. Aufgrund seiner Alpha-Strahlung bewirkt das Edelgas eine anregende Wirkung auf die Zellen der Drüsen, aber auch auf die Zellen des Knochen- und Stützapparates. Diese Zellstimulation hat eine aktivierende, umstimmende und regenerierende Wirkung.

Bäder werden in Form der Wannentherapie (Anm.: reines Baden) und der Unterwassertherapie umgesetzt. Bei Letzterem finden unter Aufsicht eines Physiotherapeuten Bewegungsübungen statt. Bäder sind bei Wirbelsäulen- und Gelenksproblemen gut geeignet. Weiters gibt es noch Trinkkuren, die sich auf chronische Magen-Darm-Erkrankungen oder chronische Steinleiden der Harnblase oder der Harnleiter günstig auswirken.

derStandard.at: Bei der Behandlung mit Radon wird der Patient einer nicht vernachlässigbaren Strahlungs-Dosis ausgesetzt. Kann dabei übertrieben werden, sodass die Behandlung schädlich wird?

Trattner: Der Patient wird einer geringen Dosis Alpha-Strahlung ausgesetzt. Die Dosis betreffend kann man nicht übertreiben, aber es könnte aufgrund der Kreislaufbelastung zu Problemen kommen. Kreislaufschwache Menschen könnten unter Umständen bei zu langer oder häufiger Stollentherapie oder bei zu geringen Abständen zwischen den Stolleneinfahrten Kreislaufprobleme bekommen.

derStandard.at:
Wie sollte der Abstand zwischen den Behandlungen aussehen?

Trattner: Jeden zweiten Tag eine Therapie ist ideal. Eine Behandlung im Heilstollen dauert etwa 30 Minuten. Die Bäder dauern zwischen 15 und 20 Minuten.

derStandard.at: Sind Heilungs-Effekte sofort, oder erst nach wiederholter Behandlung bemerkbar?

Trattner: Rein empirisch ist es so, dass die Kur bei den meisten etwa drei Wochen dauert, so wird es von der Sozialversicherung bezahlt, angeboten und genehmigt. Zur Kurmitte hin kommt es im Rahmen der zellulären Veränderung der Durchblutung der Nervenleitung oft zu einer gewissen Kurreaktion, Schmerzattacken treten häufiger auf. Gegen Kurende ist eine Besserung, Schmerzlinderung oder Entzündungsreduktion feststellbar, die ein dreiviertel Jahr bis ein Jahr anhält.

derStandard.at: Kritiker führen an, Kuren durch Heilwasser seien nicht naturwissenschaftlich bestätigt.

Trattner: Wir haben in Gastein ein Forschungsinstitut, das sich schon Jahrzehnte mit den Grundlagen, den Wirkungen und den Therapieeffekten auseinandersetzt. Diese werden untersucht und wissenschaftlich dokumentiert, die Effekte sind alle positiv verifizierbar.

derStandard.at:
Sind Behandlungen mit Heilwässern auch als Vorbeugung sinnvoll?

Trattner: Auf alle Fälle. Vorbeugend im Sinne des fortschreitenden Verschleiß des gesamten Organismus. Weiters kommen bei Kuren andere Therapien wie Krankengymnastik, Massagen, Moor, Bewegungs- und Elektrotherapie dazu. Das hat alles zusammen eine sehr gute prophylaktische Wirkung.

derStandard.at: Geht der Trend hin zu Behandlungen mit Thermalwasser?

Trattner: Das wechselt zyklisch, je nach Wirtschaftslage. Es gibt Zeiten, in denen stärker zu Kuren empfohlen wird und auch vermehrt welche gewährt werden. Darauf folgen Zeiten mit gewissen Restriktionen. Einige Unternehmen in Österreich, meist die großen, schicken ihre Arbeitnehmer zum Teil prophylaktisch, zum Teil auch therapeutisch zur Kur. Größere Betriebe sind in dieser Hinsicht oft einlandender. (Ursula Schersch, derStandard.at, 29.11.2008)

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    Mittels Bad, Inhalation oder Trinkkur werden bestimmte Inhaltsstoffe vom Organismus aufgenommen.

  • Dr. Anton Trattner ist ärztlicher Leiter des Thermalkurhauses und der Felsentherme Bad Gastein. Der Allgemeinmediziner ist seit 25 Jahren in Bad Gastein tätig und Spezialist auf dem Gebiet der rheumatischen Erkrankungen.
    foto: amk behrendt

    Dr. Anton Trattner ist ärztlicher Leiter des Thermalkurhauses und der Felsentherme Bad Gastein. Der Allgemeinmediziner ist seit 25 Jahren in Bad Gastein tätig und Spezialist auf dem Gebiet der rheumatischen Erkrankungen.

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