Terror in Mumbai zu Ende: Suche nach Hintermännern beginnt

29. November 2008, 18:32
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Mindestens 195 Tote und 300 Verletzte - Elitekommandos beenden Terrorangriff - Einzig überlebender Attentäter wird verhört - Sie planten indisches 9/11

Mumbai - Nach drei Tagen heftiger Kämpfe ist in der indischen Finanzmetropole Mumbai eine der brutalsten Anschlagsserien zu Ende gegangen. Soldaten der indischen Eliteeinheit "Black Cat" befreiten am Samstag das Luxushotel "Taj Mahal" und damit auch das letzte Gebäude aus der Gewalt von islamistischen Extremisten. Die Zahl der Todesopfer stieg nach offiziellen Angaben auf mindestens 195. Darunter sind auch drei Deutsche und 19 weitere Ausländer. Rund 300 Menschen wurden verletzt.

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler sind für die Anschläge zehn Attentäter nach Mumbai eingesickert. Neun von ihnen seien getötet und einer festgenommen worden. Die bisherigen Untersuchungen hätten ergeben, dass in Pakistan ansässige Gruppen an den Anschlägen beteiligt gewesen seien, sagte Indiens Innenminister Sriprakash Jaiswal. Der Verdacht verfestige sich, dass die Männer mit dem Schiff aus Karachi nach Bombay gekommen seien.

Präsident will entschlossen gegen Hintermänner vorgehen

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari sagte ein entschlossenes Vorgehen gegen mögliche Hintermänner der Bombay-Anschläge aus seinem Land zu. Er werde umgehend handeln, wenn Beweise gegen irgendeine Person oder Gruppe aus Pakistan auftauchten, sagte Zardari dem indischen Fernsehsender CNN-IBN. Vor dem "Taj Mahal" protestierten rund 50 Menschen gegen das verfeindete Nachbarland.

Attentäter wird verhört

Medienberichten zufolge hat der Festgenommene in einem ersten Verhör erklärt, Mitglied der in Pakistan ansässigen Extremistenorganisation Lashkar-e-Taib zu sein. Ihr Ziel sei gewesen, mit einer indischen Version des 11. September in die Geschichte einzugehen, sagte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums dem Fernsehsender Times Now.

Die Lashkar-e-Taib kämpft seit langem in Kaschmir gegen die indische Armee und wird unter anderem für einen Anschlag auf das indische Parlament im Dezember 2001 verantwortlich gemacht. Die Gruppe von Extremisten hatte am Mittwochabend unter anderem den größten Bahnhof im Stadtzentrum von Bombay angegriffen und sich in zwei Luxushotels und im Jüdischen Zentrum verschanzt.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte vor Vorverurteilungen. "Schnelle, quasi reflexartige Schuldzuweisungen können jetzt die Lage noch verschlimmern", sagte Steinmeier der Zeitung "Welt am Sonntag". Er appellierte an alle Beteiligten, "besonnen zu reagieren." Indien und Pakistan haben bereits drei Kriege um Kaschmir geführt.

"Taj Mahal" unter Kontrolle

Die indischen Sondereinsatzkräfte brachten das "Taj Mahal" in heftigen Gefechten in Korridoren, Zimmern und Hallen unter ihre Kontrolle. Die schwer bewaffneten Attentäter setzten Teile des 105 Jahre alte Traditionshauses in Brand und trieben zeitweise ein Katz- und Maus-Spiel mit den Eliteeinheiten. Einem General der Armee zufolge kannten sich die Extremisten sehr gut in dem Gebäude aus. Die Extremisten hätten die Anschläge bis ins Detail geplant und dazu auch einige Tage oder Wochen zuvor in den beiden angegriffenen Hotels gewohnt, hieß es in den Medien.

Die "Times of India" berichtete, die Täter hätten vor einigen Monaten eine Wohnung in der Nähe gemietet und sich als Studenten ausgegeben. Ein Mitglied der Sondereinheiten sagte der "Hindustan Times", die Extremisten seien ihnen in Kampf und Beweglichkeit gewachsen gewesen. "Sie haben entweder einer regulären Armee angehört oder eine lange Sondereinsatzausbildung absolviert."

Viele Hotelgäste waren während der Kämpfe in dem riesigen Gebäude eingeschlossen und hielten sich versteckt. Nach ihrer Befreiung bot sich ihnen ein Bild des Grauens. "Das Blut, überall das Blut", sagte eine Amerikanerin unter Tränen dem Sender NDTV. "Als wir herunter kamen in die Lobby, standen dort Hunderte Polizisten traurig und wie festgefroren." Weiteren Augenzeugen zufolge lagen überall in dem Hotel verstreut Leichen, einige von ihnen mit Handgranaten im Mund. (APA/Reuters/AP)

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    Ein Angehöriger einer Spezialeinheit im Hotel Taj Mahal

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