Der schönste Tag der Woche: Deutsch reden, nicht schmusen

28. November 2008, 20:24
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In OÖ ist dahoam noch dahoam

Beginnen wir mit den guten Nachrichten: In Anerkennung ihrer Verdienste um den touristischen Erfolg der Fußball-EM wurden die Wiener Linien mit der "Goldenen Johann-Strauß-Medaille" ausgezeichnet. Keine Ahnung, wie man Straßen- und U-Bahnen eine Medaille umhängt, aber irgendwie wird's schon funktioniert haben. Eine hohe Auszeichnung gab es auch für den Direktor der Wirtschaftskammer Wien, Günther Schön, der für seine Mitwirkung bei den jährlichen Kollektivvertragsverhandlungen den "Handelshermes" bekam. Ja, da kommt Freude auf. Gefreut hat sich auch der Erfinder des größten Koma-Sauf-Events Europas (besser bekannt als Donauinselfest), Professor Harry Kopietz, der kürzlich zum Präsidenten des Wiener Landtags gewählt wurde. Professor UND Präsident: Wienerherz, was willst du mehr?

Jetzt zu weniger guten Nachrichten: In der HWL Linz-Auhof wird Schülern mit einer anderen Muttersprache "empfohlen", auch während der Pausen Deutsch zu sprechen. Direktor Rudolf Mayrhofer hält den "sanften Deutschzwang" für eine taugliche Methode, um das Deutsch dieser Schüler zu verbessern. In der Hauptschule Gunskirchen in OÖ ist es Schülerinnen und Schülern seit neuestem verboten, einander auf den Mund zu küssen. Direktor Siegfried Biermair begründete diese Entscheidung damit, dass "solche Rituale in einen Intimbereich gingen, der mit Schule nichts zu tun habe". Auch Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer ist für hartes Durchgreifen: "Ziehen wir keine Grenzen, greifen sich bald Kinder aus oder entblößen sich, weil es gerade Mode ist." Ich stelle mir vor, wie Enzenhofer, Biermair und Mayrhofer am Stammtisch sitzen und sich nach dem dritten Bier über "die Serben" oder "die Rumänen" aufregen, die in der Pause nicht nur nicht Deutsch sprechen, sondern auch noch oberösterreichische Kinder abschmusen. Ans Ausgreifen gar nicht zu denken. "Sepp, noch eine Halbe." Nicht umsonst heißt es wohl in der OÖ-Landeshymne von Franz Stelzhamer, dessen Geburtstag sich am 29. November zum 206. Mal jährt: "Dahoam is dahoam."

Beruhigend zumindest, dass der Landtag von OÖ demnächst ein "Kulturleitbild" verabschieden wird, über das LH Pühringer sagt: "Mich hat alles angesprochen, was Internationalität betrifft. Auch alle Fragen, wie man Jugendliche, Randgruppen und Minderheiten stärker in das kulturelle Leben einbeziehen kann."

(Kurt Palm/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.11.2008)

 

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