"Mein allerliebstes Blauäuglein!"

28. November 2008, 19:57
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Sieben Hörbücher in Form von Cds von den Werken Max Mohrs

Sieben CDs stecken im dicken, tiefroten Schuber der Edition Winter & Winter. Allesamt recht tristen Inhalts. Doch die Stimmen, die sie uns vermitteln, sind raffiniert und triumphieren leise über die Ungewissheit und den schwachen Trost, von dem Leben und Werk Max Mohrs geprägt sind. Die Briefe, die dieser vollkommen in Vergessenheit geratene jüdische Dramatiker der Weimarer Republik ab 1934 aus dem Exil in Shanghai an seine samt Kind in einem deutschen Einödhof zurückgelassene Frau Käthe schreibt, liest Juliane Köhler - aus dem Blickwinkel der Adressatin.

In zarten, fast gehauchten Wörtern nimmt sie die jahrelang fast täglich gesendeten Liebes- und Grußbotschaften entgegen, die den schweren Alltag als Arzt in der asiatischen Metropole beschwichtigend schildern: "Meine liebste einzige Käthe-Frau, mein allerliebstes Blauäuglein! Es ist alles nicht so schlimm." Die Hoffnung, dem Gatten irgendwann folgen zu können, erfüllt sich nicht: Max Mohr stirbt 1937 47-jährig an einem Herzinfarkt.

Sein unvollendet gebliebener Roman "Das Einhorn", der in einem monumentalen Entwurf von den schwierigen Bindungen innerhalb einer zersplittert in Europa und Amerika lebenden Familie erzählt, füllt die restlichen sechs CDs dieses Hörbuchs. Doris Schade, Heidy Forster und Paul Herwig führen chronologisch durch sich über Jahrzehnte erstreckende Annäherungen und Entzweiungen. Man darf es da nicht eilig haben: siebeneinhalb Stunden Gesamtzeit. (Margarete Affenzeller/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.11.2008)

Max Mohr, "Briefe aus dem Exil Shanghai. Das Einhorn [Ein Romanfragment]". 42,90 € . Winter & Winter, München 2007.

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