"Die Arbeit an der Basis ist wichtig"

28. November 2008, 19:09
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Das Tanzatelier Wien wird 20 und fördert Ausbildung

Wien - Vor zwanzig Jahren, als das Tanzquartier noch weit war, aber viele Ideen frei flottierender Kräfte für ein solches im Raum standen, machten der Choreograf Sebastian Prantl und die taiwanische Pianistin Cecilia Li Nägel mit Köpfen. In den weitläufigen, tageshellen Räumen einer ehemaligen Hutfabrik in der Neustiftgasse 38 siedelten sie ihr Tanzatelier Wien an.

Prantl war damals frisch vom Modern-Dance-Mekka New York heimgekehrt, wo er unter anderem bei Martha Graham und - als einziger Weißer - am Harlem Dance Theatre studierte. "Diese Zeit hat mich soziokulturell sehr geprägt", so der 48-jährige Choreograf. Seine eng an musikalischen Strukturen orientierte Tanzarbeit, die er stets gemeinsam mit seiner Frau Cecilia Li entwickelt, sieht er in der Tradition von Merce Cunningham und John Cage: Beide wurden durch ihre exemplarische, spartenübergreifende Kooperation zum Aushängeschild der US-Avantgarde.

Nach wie vor arbeitet Prantl, der die Gründung eines Wiener Tanzhauses von Anfang an mit anderen Freien wie Elio Gervasi oder Willi Dorner mitbetrieben hat, allein, ohne Anbindung ans Tanzquartier. "Das hat sich nicht so gut entwickelt. Für meine Generation war es an diesem Haus bisher schwer. Ich bin an der Förderung der heimischen Ressourcen interessiert, an der Basisarbeit, die dort zu meinem Bedauern nicht geleistet wird."

Heimische Ressourcen nutzen

Sebastian Prantl, der das Zwanzigjahrjubiläum seines Ateliers derzeit mit der Produktionsserie MOMENTmemento (Samstag, 17 Uhr, Sonntag, 11 Uhr) begeht, verfolgt deshalb ein eigenes Aufbauprojekt: Er möchte sein Tanzatelier, das vor allem international tourt, zum Ort von postgradualen Studien machen, um die in Österreich ausgebildeten Talente - sei es an der Staatsoper oder an Universitäten - auch hier zu halten bzw. ihnen einen sinnvollen Übergang in die selbstständige künstlerische Arbeit zu gewährleisten. "Wir möchten eine 'Guidance' geben und vor allem auch für eine Durchlässigkeit zwischen den Tanzsparten sorgen. Das führt natürlich direkt in eine Uni-Debatte." Die Gespräche sind am Laufen: "Nach Weihnachten wissen wir mehr."

Vom Tanzquartier unter der zukünftigen Leitung von Walter Heun erwartet sich Prantl eine ähnliche Stoßrichtung. "Gerade in einem Land, das in puncto Tanz noch derart schwächelt wie Österreich, sollten alle Ressourcen genutzt werden. Tänzer haben es hier sehr schwer, die meisten gehten deshalb ins Ausland." (Margarete Affenzeller/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.11.2008)

 

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