Wo Hitler über den Schlaf wacht

28. November 2008, 19:09
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Seit 2007 gibt es in Belgrad das sogenannte Designhotel "Mr. President" - Von außen ein modernes Haus, schockiert es innen mit einer "Hitler-Suite" - Der Hotelier will nun auch in Wien ein solches Hotel eröffnen.

Belgrad/Wien - In der Belgrader Innenstadt gibt es seit einem Jahr ein Hotel, in dem Angela Merkel, Nelson Mandela und Adolf Hitler jeweils ein eigenes Zimmer haben. Jenes von Hitler ist sogar eine Suite, "ein richtiges Appartement", wie der Chef des Hotels, Dusan Zobunovic, dem Standard stolz erklärte. Über dem Doppelbett in besagter Suite hängt ein Ölgemälde, das Hitler, dramatisch im Gegenlicht inszeniert, in Uniform mit Hakenkreuz-Armbinde zeigt.

Das architektonisch modern anmutende, als Designhotel ausgewiesene, Haus nennt sich "Mr. President" und preist sich als "Themenhotel berühmter Staatsmänner der Geschichte" an. Dass darunter auch Diktatoren (neben Hitler hat auch Josef Stalin ein Zimmer), aber auch der linke Revolutionär Che Guevara und der Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi sind, stört Zobunovic nicht. Ob Präsident oder nicht - historische Wahrheiten interessieren den Hotelier nicht.

Er hat auch kein Problem mit den Protesten, die in vereinzelten serbischen Medien laut wurden, als er das Hotel vor einem Jahr eröffnete. Zobunovic: "Das Hotel läuft gut, die Hitler-Suite ist hier kein Problem." Und weiter: "Natürlich bleibt die Hitler-Suite. Hitlers Bild bleibt dort hängen vom ersten bis zum letzten Tag dieses Hotels."

Ganz andere Töne muss Zobunovic vor einer Woche angeschlagen haben, als er mit dem Präsidenten der Jüdischen Gemeinde in Belgrad, Aleksandar Necak, und dem Botschafter Israels in Serbien, Arthur Kol, sprach. "Er hat versprochen, dass er das Bild entfernt", sagte Necak zum Standard, "doch ich glaube, dass er uns nur missbraucht und hofft, durch unsere Proteste Werbung zu bekommen." Das grundlegende Problem in Serbien sei natürlich, dass "wir hier kein Gesetz haben, das so etwas verbietet", bedauert Necak. Deswegen habe er auch schon an viele Minister in Serbien geschrieben und appelliert, "dass man ein solches Gesetz hier schafft".

Verhandlungen mit Wien

In Österreich sind verherrlichende Darstellungen von Hitler und das öffentliche Zurschaustellen von Symbolen wie dem Hakenkreuz durch Verbotsgesetz und Abzeichengesetz untersagt. Doch das dürfte dem Hotelier nicht bekannt sein. Er plant nach Belgrad weitere "Mr. President"-Hotels in Dubrovnik - und in Wien.

"Gerade dieser Tage" stehe er mit Wien "in Verhandlung um ein Objekt", verriet er dem Standard. Welches, könne er noch nicht verraten: "Aber es soll genau so funktionieren wie das in Belgrad." Mit einer Hitler-Suite? "Das möchte ich schon, aber die Entscheidung darüber ist noch nicht getroffen worden", räumte Zobunovic ein, "ich kenne die Gesetze in Österreich nicht so genau, aber ich denke, es wird gehen".

In Belgrad ist in der vergangenen Woche die österreichische Touristin Sylvia Grünbichler im Hotel mit der "Führer"-Suite abgestiegen - völlig arglos, denn die Frau buchte ihr Zimmer über das Hotel Reservation Service (HRS) mit Sitz in Köln und konnte nicht ahnen, das sich hinter der modern präsentierten Bettenburg ein solches Haus verbirgt.

Ein Haus, in dem man, wenn man Pech hat, nicht unter den Augen von Bill Clinton oder Golda Meir einschläft, sondern das schaurige Porträt eines Massenmörders über sich hängen hat. Grünbichler erwischte ein Putin-Zimmer, doch als "ich von der Hitler-Suite gehört habe, wollte ich sofort ausziehen".

Aus diesem Grund schrieb die Touristin aus Graz auch am Dienstag an das deutsche Reservierungsservice und verlangte, dass man dort das Hotel aus dem Programm nehme. Immerhin, so schrieb sie, seien in den Zimmern "auch die größten Mörder der Weltgeschichte vertreten". Und: "Hätte ich dies gewusst, hätte ich dieses Hotel niemals gebucht." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe, 29./30.11.2008)

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    "Hitlers Bild bleibt", sagt Zobunovic. Der serbische Hotelier will auch in Wien ein Hotel mit "Führer"-Suite eröffnen.

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