Es zählt der Sportsgeist

28. November 2008, 19:04
posten

Man stelle sich die Nationalmannschaft vor – 500 Meter von der Mittelauflage zum gegnerischen Tor

Wir sollen die neue Regierung nicht kleinreden. Die neuen Leute können mehr, als man ihnen zutrauen möchte. Der künftige Gesundheitsminister Alois Stöger zum Beispiel. Wir haben ihn in dieser Woche porträtiert und herausgestrichen, dass die oberösterreichische Gebietskrankenkasse 2006 Gewinn gemacht hat. Aber dann: „Seit 2007 geht es aber auch in Linz bergab; im letzten Jahr betrug der Verlust 219.000 Euro.“ Es fällt schwer, sich das vorzustellen, aber: Die Kasse schaffte 2007 einen Gewinn von 219.000 Euro. Wir nehmen es beschämt und in der Erwartung baldiger Kassen-Dividendenzahlungen im ganzen Land zur Kenntnis.

Verweilen wir noch ein wenig in der Terra incognita Oberösterreich. Wir meldeten: „Google siedelt Serverfarm in Oberösterreich an.“ In einer Serverfarm werden nun nicht kleine Server herstellt, man muss sich das eher wie eine Hühnerfarm vorstellen: Es geht nicht um eine steigende Zahl von Legehennen, sondern um viele Eier. Ähnlich plastisch haben wir es am 21. November erklärt: „Serverfarmen sind riesige Industriegebäude in der Größe mehrerer Fußballfelder (das 75-Hektar-Areal entspricht rund zehn Fußballfeldern)“. Daraus ergibt sich, dass ein Fußballfeld 7,5 Hektar groß sein muss.

Ein Spielfeld von einem Kilometer Länge! Man stelle sich die Nationalmannschaft vor – 500 Meter von der Mittelauflage zum gegnerischen Tor. Und welcher Tormann würde einen Ausschuss bis in die gegnerische Hälfte schaffen? Welche Mühsal für Sportler und Zuschauer. Tatsächlich sind die Fußballfelder 45 bis 90 Meter breit, sowie 90 bis 120 Meter lang – also zwischen 0,4 und 1,08 Hektar groß.

Aber was sind schon Zeit und Raum gegenüber der Schönheit der Welt. Im RONDO der Vorwoche wollten wir die Leserschaft anlässlich des Ski-Openings in Ischgl auf eine Bergtour mitnehmen: „Das weckt nostalgische Erinnerungen. Vor fast dreißig Jahren, im März 1960, durchquerten wir zu acht eine Woche lang die Silvretta“. Das lässt vermuten, der Text könnte 20 Jahre alt sein. Der erwähnte Preis von 3,50 Schilling für ein Krügel Bier macht deutlich, die Erinnerung reicht tatsächlich ein halbes Jahrhundert zurück. Das hätte man in einer so jungen Zeitung nicht vermutet, die Rechenfehler schon.

Ein Wort zum aktuellen RONDO: Als Beilage folgt es nicht dem tagesaktuellen Produktionsrhythmus, der Reiseartikel über Mumbai ging also in Druck, als es dort noch ruhig war.

Und sicherheitshalber eine Anmerkung zu einem Kommentar von Andrea Schurian über den ORF: Sie hat dieses Unternehmen vor acht Jahren verlassen. Es ist also mehr als ausreichend Zeit vergangen, den notwendigen Abstand zu gewinnen, um sich mit den Zuständen dort auseinandersetzen zu können. (Otto Ranftl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.11.2008)

Share if you care.