Alexander Wrabetz, vifer Rechner im Würgegriff der Politik

28. November 2008, 18:45
14 Postings

Dass endlich einmal einer den Mut aufbringt, die satten Privilegien einzukürzen, freut viele. Dass wieder einmal nur die Kleinen auf der Strecke bleiben, fürchten nicht wenig

Den Hausfriseur aufzusuchen hat Alexander Wrabetz am Donnerstag offenbar nicht mehr geschafft: Relativ nervös flog das Haar, als er im "Starmania"-Studio seinen Mitarbeitern den ORF-Sparkurs vorstellte. Die Struktur des Haupthaars spiegelt die Stimmung im Haus wider: durcheinander.

Dass endlich einmal einer den Mut aufbringt, die satten Privilegien einzukürzen, freut viele. Dass wieder einmal nur die Kleinen auf der Strecke bleiben, fürchten nicht wenige.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Eine rot-orange-blau-grüne Koalition schloss sich im August 2006 zusammen, um die unbeliebte Generaldirektorin Monika Lindner und einen von der ÖVP zu stark überwachten Informationsdienst loszuwerden. Kritische Beobachter, die schon damals Wrabetz' Bewerbung zum General als "Wischiwaschi" aburteilten, blieben ungehört.

Er trat mit großen Erwartungen an und bot vier Monate nach Amtsantritt im April 2007 vollmundig "die größte Programmreform aller Zeiten" an. Kurz danach brachen die Quoten ein.

Misserfolg war Wrabetz bis dahin nicht unbedingt gewohnt: Nach dem Studium richtet er den Vorzugsstimmen-Wahlkampf für Josef Cap aus. Er ist erst 30, als er den Job des Generalsekretärs der ÖIAG/Austrian Industries übernimmt. Mit 35 baut er für die Vamed Spitäler in Vietnam. 1998 macht ihn der damalige General Gerhard Weis zum kaufmännischen Direktor. Er profiliert sich als umgänglicher und vifer Rechner.

Seine einzige Schwäche: Er hasst Streit. Seine Frau, die Ärztin Petra Wrabetz, und die beiden Kinder werden die Eigenschaft zu schätzen wissen. An der Spitze des ORF ist das vielleicht ein Hindernis für die tatsächliche Umsetzung des Sparkurses. Der ORF hätte Zwischenstation zu den Großen sein können. Bertelsmann etwa hörte er in einem Interview schon 1998 rufen.

Heute sieht sich der 48-Jährige im Würgegriff der Politik. Vorerst keine Refundierung der Gebührenbefreiung sieht die Koalitionsregierung vor, außerdem zwackt ein Höchstgerichtsurteil Gebühren ab. Als kühl beschreiben Beobachter das Verhältnis zwischen ihm und Werner Faymann. Der designierte Kanzler vermutete am Küniglberg zuletzt "Reformstau".

Vielleicht ist aber alles ganz anders, und Wrabetz erledigt in Wirklichkeit seinen Job, wie er soll. Für Verschwörungstheoretiker ein Leckerbissen: Dass er den Ausverkauf des ORF vorbereiten soll, um einen schlanken Firmenapparat zu hinterlassen. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 29.11.2008)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz verordnet Sparen.

Share if you care.