Keine Bankangestellten in der "Pankahyttn"

28. November 2008, 18:32
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Wiener Wohnprojekt für Punks bleibt, aber "nicht auf Biegen und Brechen"

Wien - Das Projekt Johnstraße 45, vulgo Pankahyttn, wird fortgesetzt. Damit haben die Anrainer gerechnet, auch diejenigen, die sich ganz und gar nicht mit dem Gedanken anfreunden wollen, dass jugendliche Punks in der Umgebung leben und lärmen.

Denn die Evaluierung des Projekts nach zehn Monaten Betrieb hat ergeben: Die Lärmbelästigung ist für die Anrainer das größte Problem. Die Zielgruppe wiederum hat, als der Fonds Soziales Wien (FSW) das Haus kaufte, die "Pankahyttn" als Sieg gefeiert: Die Jugendlichen, die Geschäftstreibenden und Anrainern auf der Mariahilfer Straße lange ein Dorn im Auge waren, hatten jahrelang ein autonomes Zentrum gefordert - mit dem Haus in Rudolfsheim-Fünfhaus glaubten sie, eines bekommen zu haben. Dementsprechend heftig protestieren sie gegen die Sozialarbeiter, die sich rund um die Uhr im Haus aufhalten.

In der Stadt gibt es zahlreiche Angebote für obdachlose junge Erwachsene mit Sucht- und anderen Problemen. Warum also für 30 Punks ein extra Haus kaufen? "Wir haben versucht, sie in den anderen Häusern zu betreuen, aber es funktioniert nicht", sagt Peter Hacker, Geschäftsführer des FSW. "Das ist eine spezielle Zielgruppe, mit einer eigenen Identität, bei der es auch auf die Gruppe ankommt." Anrainer, denen vor wenigen Tagen die Evaluierung präsentiert wurde, sprechen von "reinem Terror" durch die Hausbewohner. "Die Leute erwarten, dass die Jugendlichen als Punks reingehen und als Bankangestellte rauskommen", sagt Projektleiter Heimo Rampetsreiter. Dabei gehe es darum, die Jugendlichen in die Gesellschaft zu integrieren. "Das Projekt wird aber nicht auf Biegen und Brechen umgesetzt", sagt Hacker. An diesem Strohhalm werden die Gegner wohl festhalten.

Ein ähnliches Lärmproblem hatte vor 20 Jahren übrigens die Turnergasse. Heute weiß kaum jemand, dass dort noch immer die Menschen aus der Hausbesetzerszene der 80er-Jahre (Aegidigasse, Gassergasse) wohnen. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe, 29./30.11.2008)

 

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