BayernLB: Überforderter Eigentümer

28. November 2008, 17:56
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Die fehlende Sorgfalt, mit der sich die BayernLB in Österreich einst bei der Bawag und zuletzt bei der Hypo Alpe Adria engagiert hat, war typisch für ihre Unternehmenskultur

Wer immer dieser Tage behauptet, staatliche Kontrolle - und nicht nur eine vorübergehende Staatsbeteiligung - könnte den Ausweg aus der Finanzkrise weisen, der sollte kurz nach Deutschland blicken. Dort waren es stets die Landesbanken, die sich am ärgsten mit amerikanischen Ramsch-Anleihen verspekuliert haben. Die Bayerische Landesbank erweist sich nun als größtes deutsches Bankenfiasko: Zu ihrer Rettung sind 30 Milliarden Euro in Kapitalspritzen und Bürgschaften notwendig - das hat schon fast amerikanische Dimensionen.

All diesen halbstaatlichen Banken war eines gemeinsam: ein untaugliches Geschäftsmodell und eine fehlende Aufsicht. Auch private Eigentümer haben sich als viel zu lax beim Wachen über jene überbezahlten Manager erwiesen, denen sie die Pflege ihres Eigentums anvertraut hatten. Aber wenn biedere Landesbeamte und Sparkassendirektoren in den Aufsichtsgremien sitzen, dann können Bankmanager erst recht tun und lassen, was sie wollen.

Die fehlende Sorgfalt, mit der sich die BayernLB in Österreich einst bei der Bawag und zuletzt bei der Hypo Alpe Adria engagiert hat, war typisch für ihre Unternehmenskultur. Der gefeierte bayerische Staatskapitalismus war keinen Deut besser als die Wahnsinnsmethoden der Wall Street.

Als Folge der Finanzkrise werden zumindest in Deutschland zahlreiche öffentliche Banken dramatisch schrumpfen oder ganz verschwinden. Und das ist auch gut so. Der Staat wird in einer reformierten Finanzstruktur sehr wohl gefragt sein - aber als strenger Aufseher und Regulator, nicht als überforderter Eigentümer. (Eric Frey, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.11.2008)

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