AWD: Die Lehren aus der Krise

28. November 2008, 17:52
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Ein erstes Urteil hält ganz klar an der Pflicht der Berater fest, KUnden über die Risiken aufzuklären - Von Gabriele Kolar

Ein erstes, für den Strukturvertrieb AWD sehr unangenehmes Urteil in einem Immofinanz-Beratungsfall ist gefallen. Die - noch nicht rechtskräftige - Entscheidung hält ganz klar an der Pflicht der Berater fest, Kunden über die Risiken einer Veranlagung aufzuklären. Und zwar unabhängig davon, ob und wie viel Vorwissen der Berater beim Kunden annimmt und wie sehr der Berater selbst von der Anlage überzeugt ist. Damit erfindet das Gericht nichts Neues, sondern wendet bestehende Rechtsprechung an. Und man kann davon ausgehen, dass es in nächster Zeit noch mehrere Urteile dieser Art geben wird.

Denn nach Jahren der Hausse, in denen mangelhafte Beratung dank steigender Aktienkurse nicht so sehr ins Gewicht fiel, trennt sich jetzt im Abschwung die Spreu vom Weizen. Und wer kennt sie nicht, die Vermögensberater aus dem Bekanntenkreis, den Freund eines Freundes, der beim AWD Immofinanz-Aktien verkauft und dessen Bekannten, der damit angeblich viel Geld verdient hat?

Aber welcher Berater wird dem Kunden eindringlich vermitteln, dass es bei jeder Aktienveranlagung auch das Risiko eines Totalverlustes geben kann, wenn seine Provision in direktem Zusammenhang mit dem Verkaufserfolg steht? Da wird dann eher auf die soliden Fundamente einer Immobilienveranlagung verwiesen und auf den eigenen Glauben an das Produkt. Dass es unter diesen Bedingungen keine unabhängige Beratung geben kann, dürfte vielen Kunden jetzt schmerzhaft bewusst werden. Wohl auch, dass sie in Zukunft kritischere Fragen stellen müssen und nicht Produkte kaufen sollten, die sie nicht verstehen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.11.2008)

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