Regulator beharrt auf Beitrag der Stromerzeuger zu Netzkosten

28. November 2008, 17:50
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60 Millionen Euro sollen von der E-Wirtschaft aufgebracht werden - Novelle entschärft, höhere Freigrenze in Überlegung

Wien - Die Aufregung in der heimischen E-Wirtschaft wegen der geplanten Einbeziehung der Stromerzeuger in den Zahlerkreis für das Leitungsnetz hält an. Trotz heftigen Protests, der auch in der Begutachtung der Systemnutzungstarifverordnung Niederschlag gefunden hat, will Stromregulator Walter Boltz nicht davon abrücken. "Es gibt keinen Grund, die Stromerzeuger zu schonen und alle Kosten den Verbrauchern aufzubürden" , sagte Boltz dem STANDARD.
Die Kosten, die beim Transport von Strom zwischen Kraftwerk und Steckdose anfallen, mussten bisher Haushalte, Gewerbe und Industrie über die Stromrechnung tragen. 2007 waren es 1,8 Mrd. Euro, die als Netztarife abgeführt wurden. Stromerzeuger wurden nicht belastet.

Ab 1. Jänner 2009 sollen nun auch Strom erzeugende Unternehmen einen Beitrag leisten, andernfalls müssten die Haushalte erstmals seit Beginn der Liberalisierung höhere Netztarife zahlen.

"Nur gerecht, wenn Erzeuger mitzahlen"

"Die Rahmenbedingungen haben sich gegenüber der Anfangszeit der Strommarktliberalisierung komplett geändert" , sagte Boltz. Pumpspeicherkraftwerke hätten früher eine Netz stabilisierende Wirkung gehabt. Inzwischen ließen sich Betreiber von Pumpspeichern diese Leistung bezahlen - und das gar nicht so wenig.

"Alles, was darüber hinaus gemacht wird, geschieht rein nach wirtschaftlichen Kriterien. Pumpspeicherstrom wird dann ins Netz eingespeist, wenn Strom am teuersten ist, wenn das Netz also ohnehin schon stark beansprucht ist. Deshalb ist es nur gerecht, dass die Erzeuger für Kosten, die im Netz entstehen, mitzahlen", sagte Boltz.

In Summe gehe es um 60 Mio. Euro, die von der E-Wirtschaft aufzubringen seien. Berechnungen des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs, wonach bis zu 100 Mio. Euro fällig würden und in weiterer Folge zusätzliche Mehrbelastungen von 200 Mio. Euro drohten, seien "falsch" .

Ausnahmen für Kleinanlagen

Angedachte Netznutzungsgebühren, die tatsächlich eine Mehrbelastung der Branche von rund 200 Mio. Euro gebracht hätten, seien nach Prüfung der Situation in den angrenzenden Ländern verworfen worden, weil das tatsächlich eine Wettbewerbsverzerrung zur Folge gehabt hätte.

Hoffnung, dass der Kelch an ihnen vorübergeht, können Betreiber kleiner (Ökostrom-)Anlagen haben. Derzeit ist geplant, dass Kraftwerke ab einer Leistung von einem Megawatt (MW) diese Abgabe zahlen müssen. Nun überlegt man, die Grenze auf fünf MW anzuheben. Boltz: "Damit wären viele der Ökostromanlagen draußen, der Aufwand geringer." (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.11.2008)

 

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