"Die belohnen, die gut arbeiten"

28. November 2008, 17:21
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Sportminister Darabos outet sich als Fan des Spitzensports und plä­diert im Interview für Neuorientierung des Förder­systems - Doper sollen strafrechtlich verfolgt werden

Wien - Am Dienstag wird Norbert Darabos als Verteidigungs- und Sportminister angelobt. In einem Interview ersprach der Sozialdemokrat am Freitag eine strikte Trennung der beiden Bereiche, er will eine Strukturdiskussion im österreichischen Sport führen, eine Ausweitung der Kompetenzen der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) hin zu einer Verfolgung von Dopingsündern und nach dem Fall Kohl auch eine strafrechtliche Verfolgung von Dopingsündern.

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Erstmals ist die Sportagenda im Verteidigungsressort untergebracht. Es gibt Stimmen, die damit nicht glücklich sind. Was spricht dafür?

Darabos: "Die Stimmen werde ich in kurzer Zeit überzeugen können. Ich bin durchaus sehr selbstbewusst, was meine Tätigkeit als Sportminister betrifft. Ich bin das Regierungsmitglied, das in der Vergangenheit am meisten mit Sport befasst war. Nicht nur, weil wir 300 Heeressportler haben, ich war schon immer interessiert, aktiv und passiv. Ich glaube, dass ich sagen kann, dass ich sowohl die Strukturen im Sport gut kenne als auch die Leistungen des österreichischen Sports sehr gut einschätzen kann."

Werden Sie zusätzliche Strukturen schaffen?

Darabos: "Es gibt eine eigene Sektion im Sport, die wird auch so erhalten bleiben, nicht als Gruppe im Verteidigungsministerium. Ich werde dafür sorgen, dass die Bereiche Bundesheer und Sport fein säuberlich getrennt werden, ein eigenes Kabinett für den Sportbereich aufbauen. Ich kann versprechen, dass ich mich als Minister diesem Bereich stark widmen werde, aber das Bundesheer braucht auch nicht die Angst haben, dass ich mich da zu wenig kümmern werde."

Im Regierungsprogramm stehen Schlagwörter wie Konzentration, Kompetenz, Vernetzung. Welche Änderungen wird es da geben?

Darabos: "Ich will mir am Anfang nicht zu viele Feinde schaffen, aber ich habe schon vor, auch die Strukturen zu hinterfragen und Doppelgleisigkeiten im gesamten österreichischen Sport, sofern gegeben, hinterfragen. Stichwort ÖOC."

Es gibt Diskussionen, ob es auch in Österreich so etwas geben soll wie die DOSB in Deutschland? Geht es auch in diese Richtung?

Darabos: "Das deutsche Vorbild gefällt mir in mehreren Punkten ganz gut. Wir dürfen nicht als Funktionärsland reüssieren, sondern als Sportlerland. Das geht nur dann, wenn wir Strukturen schaffen, die schlank sind im Funktionärsbereich und die ermöglichen, dass die finanziellen Ressourcen denen zu Gute kommen, die sie auch brauchen, nämlich den Sportlern. Das will ich mit den Verantwortlichen in BSO, Dach- und Fachverbänden umsetzen."

Deutschland hat BSO und Olympisches Komitee im DOSB zusammengefasst. Ist gedacht, das ebenfalls zu vereinheitlichen?

Darabos: "Es ist ein Diskussionspunkt, der legitim ist. Aber es wäre jetzt falsch, wenn ich den Herrn Wallner und Wittmann das ausrichte. Da geht es nicht um Besitzstörungen von Funktionären, sondern was kommt am Ende des Tages heraus."

Werden Sie die initiierte Sportreform weiterführen?

Darabos: "Ich halte das Konzept Sport:Zukunft für gut. Es ist ein guter Ansatz, um den österreichischen Sport in die richtige Richtung zu lenken. Breitensport kann nur wachsen, wenn du Vorbilder hast. Ich bin ein totaler Verfechter des Spitzensports. Ich bin ein klarer Verfechter einer Linie wo man sagen sollte, wir wollen im Jahr 2016 eine Medaille in der Sportart x oder y. Das kann ich nur machen, wenn ich auch die Förderrichtlinie so ändere, dass ich sagen kann, dort will man hin.

Gibt es konkretere Pläne zur Umverteilung der Förderung?

Darabos: "Die gibt es noch nicht. Bevor ich überhaupt in Verdacht gekommen bin, Sportminister zu werden, habe ich in meinem Bereich Weisung gegeben, dass wir im Bundesheer nach dem Leistungsprinzip vorgehen. Verbände die mehr Erfolg haben, sollen von den Quotenplätzen stärker berücksichtigt werden als Verbände, die weniger Erfolg haben. Ich könnte mir vorstellen, das auf das Gesamtsystem auszuweiten. Man sollte die belohnen, die gut arbeiten.

Es gibt Sportförderung unterschiedlicher Art, ist da ein Gedanke, das zu vereinheitlichen?

Darabos: "Ich will da nicht zu viel versprechen. BSO, ÖOC, da gibt es sicherlich Synergiepotenziale, Sporthilfe ist ein eigener Bereich, den man so belassen soll."

Im Regierungsprogramm steht die tägliche Bewegungsstunde im Schulsport. Daran sind schon viele gescheitert.

Darabos: "Das ist eine Frage, die man mit dem Bildungsministerium diskutieren muss. Ich habe auch dieses Sportprogramm nicht ausverhandelt, will mich nicht davon distanzieren, es ist in Grundzügen ganz okay. Es gibt mehr Autonomie in den Schulen, die Möglichkeit ist da, innerhalb der Schulen zu verschieben. Ich kann nur versprechen, dass ich versuchen werde, rasch mit der zuständigen Kollegin Gespräche zu führen und das im positiven zu erledigen.

Der Fall Kohl hat hohe Wellen geschlagen. Welche Maßnahmen wollen Sie im Anti-Doping-Kampf setzen?

Darabos: "Ich glaube, dass der Fall Kohl es jetzt ermöglichen wird, dieses Anti-Doping-Gesetz noch ein Stück zu verschärfen. In Richtung strafrechtliche Verfolgung von gedopten Sportlern. Kohl hat dem Sport immensen Schaden zugefügt. Das soll nicht Anlassgesetzgebung sein, aber ich glaube, dass die Strafandrohung, wie es in anderen Ländern wie Italien oder Frankreich üblich ist, dass das dazu führen könnte, dass sich Sportler doppelt überlegen, ob sie wirklich mit Doping ihre Leistung steigern wollen. Es ist für mich unerträglich, dass Österreich dauernd als Doping-Land Nummer eins hingestellt wird.

Wird es zur aktuellen Dotation der NADA von 1,2 Mio. Euro zusätzliche Mittel geben?

Darabos: "Beim Geld muss ich mir das noch genauer anschauen. Ich glaube nicht, dass das Geld das zentrale Problem bei der NADA ist, sondern die Frage der Kompetenzen zu hinterfragen ist. Man wird der NADA mehr Kompetenzen zugestehen, als sie jetzt hat. Ich glaube, dass NADA-Chef Andreas Schwab gute Arbeit leistet, aber dass er noch Zusatz an Kompetenzen braucht, was die Verfolgung von Dopingsündern betrifft." (APA/red)

 

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