USA: Zumindest kurzfristige Erholung

28. November 2008, 16:05
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Ein Kommentar von Hans Engel aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Erstmals nach längerer Zeit gibt es Anzeichen einer kurzfristigen Erholung beim S&P 500, die vermutlich mehr als nur als ein paar Tage anhalten wird.

Der US-Leitindex konnte in der um den Thanksgivings-Feiertag verkürzten Börsenwoche knapp 11 % zulegen. Diese positive Entwicklung ist nicht besonders überraschend, zumal die Beobachtung saisonaler Muster eindeutig zeigt, dass im Durchschnitt vor Thanksgiving die Börsenkurse deutlich häufiger steigen als fallen. Noch ausgeprägter ist diese bullische Tendenz üblicherweise nach diesem Feiertag, wo die US-Leitindizes in etwa zwei Drittel aller Fälle zulegen konnten. Es spricht also nicht nur die verbesserte technische Verfassung des S&P 500, sondern auch die saisonale Tendenz für die Fortsetzung der freundlichen Entwicklung in den kommenden Tagen, wobei allerdings nicht außer Acht gelassen werden darf, dass der langfristige Trend eindeutig noch abwärts gerichtet ist.

Interessant ist auch die Tatsache, dass gerade in diesen Tagen die FED offenkundig massiv US-Anleihen aufkauft, um das angeschlagene US-Finanzsystem mit
Dollars zu fluten. Die erste Konsequenz ist ein Anstieg der Kurse von US-Staatsanleihen und damit stark fallende Renditen. Mittlerweile sind diese im 10-jährigen Bereich auf 2,93 % (!) zurückgegangen. Mit den Wertsteigerungen der Anleihen sinkt klarerweise die Unterdeckung der Verbindlichkeiten vieler Unternehmens- Pensionskassen und entlastet damit die Unternehmen, dies allerdings auf Kosten laufender und künftiger Auszahlungen an die Anspruchsberechtigten. Der stark negative Effekt dieser Maßnahmen auf den Dollar wird von der FED in Kauf genommen, zumal dem größten Schuldnerland der Welt ohnedies nichts Besseres passieren kann als seine Verbindlichkeiten später mit weniger werthaltigen Dollars zu bezahlen. Die vorhersehbare Dollarentwertung ist nämlich eine weitere Folge, wenn eine Notenbank direkt Staatsanleihen kauft. Wenn man berücksichtigt, dass China (noch) die größten Dollarreserven hält, dann wird man einem politischen Gegenspieler künftig lieber weniger Gegenwert andienen, als ursprünglich ausgeborgt.

So einfach ist das. Exakt zeitgleich mit diesen Aktivitäten der FED, nämlich am Ende letzter Woche, hat auch der Goldpreis einen Sprung nach oben vollzogen.
Das ist kein Zufall. Offenkundig bevorzugen vorausblickende Marktteilnehmer doch lieber Gold, das nicht beliebig vermehrbar, gegenüber Dollars, deren massenhafte Produktion nun ganz offenkundig in Gang gekommen ist.

Im US-Finanzbereich bleibt die Krise ein konstantes Faktum. Noch am Anfang der Woche war die staatliche Rettung der Citigroup ein wichtiges Thema. Mit dreistelligen Milliardengarantien und dem Einschuss von Vorzugskapital, auf welches auch Dividenden zu zahlen sind, wurde der Kollaps eines weiteren Finanzgiganten gerade noch verhindert.

D.R. Horton, ein bekannter Hersteller von Eigenheimen berichtete über den Geschäftsverlauf im 4. Quartal. Der Umsatz fiel im Vergleich zum Vorjahresquartal um fast 44% auf USD 1,8 Mrd. Der Verlust erhöhte sich, bedingt durch hohe Lagerabschreibungen auf USD 800 Mio. Der Jahresverlust betrug insgesamt USD 2, 6 Mrd. Es gibt aber auch gute Nachrichten aus den USA: Hewlett-Packard, der weltgrößte PC-Hersteller gab am Beginn der Woche bekannt, dass er seine Umsätze im letzten Quartal um 10 % auf USD 11,2 Mrd. steigern konnte. Wesentlich zu diesem Erfolg hat die Neugestaltung vieler Produkte beigetragen, aber auch die Einführung von Computern, die mit Preisen von unter USD 500 verkauft werden. Leider konnte der Gewinn mit dieser erfreulichen Entwicklung nicht mithalten und war im Jahresvergleich leicht rückläufig, was sicher auch eine Folge des in den letzten Monaten wieder stärkeren Dollars war.

In der kommenden Woche sollte die Markterholung beim S&P 500 andauern und vorübergehend die fundamentalen Probleme in der US-Wirtschaft in den Hintergrund drängen.

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