Eine Milliarde für Volksbanken-AG

28. November 2008, 16:23
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Das Debakel um die für einen Euro an den Staat abgetretene Kommunalkredit sorgt für eine schlimme Bilanz, der Staat muss frisches Geld einschießen

Wien - Die Volksbanken AG (ÖVAG) wird nach dem Debakel um die für einen Euro an den Staat abgetretene Kommunalkredit 2008 eine Verlustbilanz haben. Die Abschreibung (Entkonsolidierung) der Kommunalkredit kostet 362 Mio. Euro. Dazu kommen sonstige Belastungen und Wertberichtigungen aus Lehman-Pleite, Island und Kursverluste aus strukturierten Produkten, die per Ende September mit 300 Mio. angegeben werden.

Eine Milliarde benötigt

Bis zu einer Milliarde Euro muss sich das Volksbanken-Spitzeninstitut an frischem Eigenkapital in einer Sonder-Hauptversammlung am 15. Dezember holen. Neueste Entwicklung: Eine Aktien-Kapitalerhöhung durch die Alteigentümer gibt es nicht. Der Staat muss somit die gesamte Tranche von bis zu 1 Mrd. Euro an Partizipationskapital zeichnen.

"Die Republik Österreich wird ersucht, im Rahmen des Finanzmarktstabilitätsgesetzes vorerst als Zeichnerin des PS-Kapitals aufzutreten", hieß es am Freitagnachmittag in einer Mitteilung der ÖVAG.

Den bestehenden Aktionären der ÖVAG - allen voran den Volksbanken - solle es möglich sein, "zu einem späteren Zeitpunkt" und in Schritten das PS-Kapital zurückzukaufen und in Stammaktien umzuwandeln.

Ursprünglich war geplant gewesen, dass die Aktionäre heuer noch eine Kapitalerhöhung zeichnen und erst für den Rest des Kapitalbedarfs auf eine Milliarde Euro staatliches PS-Kapital eingeschlossen würde. Von einer Kapitalerhöhung ist nun keine Rede mehr, dafür gibt es andere sektorale Geldspritzen für die Bilanz.

Reserven werden angetastet

Die Volksbanken als Haupteigentümer der ÖVAG (namentlich die Volksbanken Holding) sollen fürs erste insofern stützend eingreifen, als sie der ÖVAG die Volksbank Wien und andere Retailbereiche abkaufen und die Bank damit auch selber um einige Hundert Millionen stärken helfen, hieß es heute zur APA. Die Krise zwinge die Bank dazu, Reserven zu heben sowie zur "Redimensionierung", verlautet in informierten Kreisen. Bei der heutigen Größe bleibe es nicht. Es würden noch viele Optionen zur Umstrukturierung geprüft. Beschlüsse gebe es noch nicht.

Die Aktionäre der ÖVAG sind: 56 Prozent Volksbanken Holding, 10 Prozent Ergo Versicherung, 25 Prozent deutsche DZ Bank-Gruppe, 6,1 Prozent RZB, Rest: Streubesitz). Noch gestern, Donnerstagabend, war in Finanzkreisen erwartet worden, dass etwa DZ Bank oder RZB "ganz normal" mitziehen bei einer Kapitalerhöhung. Eine Jung-Aktienemission ist nach jetzigem Stand einmal abgeblasen. Im Sektor soll ein heftiger Richtungsstreit toben.

Negatives Jahresergebnis

Die ÖVAG muss nach dem Notverkauf der Kommunalkredit an den Staat die einstige Mehrheitsbeteiligung abschreiben und sogar noch Geld nachschießen. Die Bank sprach heute von einem "Gesamtergebnis aus der Entkonsolidierung der Kommunalkredit auf Konzernebene (IRFS)" von "minus 362 Mio. Euro". Davon seien 125 Mio. Euro schon im dritten Quartal berücksichtigt, der größte Teil kommt aber erst im vierten Quartal. "Der Konzern erwartet daher auf IFRS Basis ein negatives Ergebnis für 2008", hieß es heute. Im dritten Quartal habe es noch einen kleinen Gewinn gegeben.

Die bankrechtlichen Eigenmittel der ÖVAG-Gruppe Ende September wurden mit 4,4 Mrd. Euro beziffert. Die Tier I Ratio (Verhältnis Kernkapital zur Bemessungsgrundlage für das Kreditrisiko) betrug somit vor zwei Monaten 7,1 Prozent. Neue Zahlen wurden heute nicht genannt.

Die Konzern-Bilanzsumme betrug zum 30. September 91,1 Mrd. Euro (plus 15,8 Prozent). In den ersten drei Quartalen 2008 wies die Bilanz einen Vorsteuergewinn (Überschuss vor Steuern) von 52 Mio. Euro aus, netto gab es nach Bankangaben nach neun Monaten ebenfalls noch Gewinn. Der Konzern ist auch mit mehreren Osttöchtern aktiv. (APA)

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