Haussegen hängt wieder schief

28. November 2008, 18:22
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Für kommenden Donnerstag ist eine Großdemo vor der TA-Zentrale angekündigt. Der Telekom-Vorstand befürchtet eine "Torpedierung" der laufenden Gespräche

Wien - Freitagfrüh verbreitete Hoffnungen, der umfangreiche Personalabbau im Festnetz der Telekom Austria (TA-TA AG) würde sistiert und 630 Millionen Euro an Rückstellungen müssten doch nicht gebildet werden, wurden zerstört. Im Gegenteil, der Karren in Österreichs größtem Telekomkonzern ist tief verfahren, die Eskalationsmaschinerie kaum zu stoppen sein.

Der Grund ist eine vor Wochen von ÖGB, Privatangestellten-, Post- und Telekomgewerkschaft geplante Großdemonstration vor dem TA-Firmensitz in der Lasallestraße im zweiten Wiener Bezirk. Diese Demo soll am Donnerstag abgehalten werden, obwohl die alternativen Telekomnetzbetreiber ihre Kollektivvertragsverhandlungen bereits abgeschlossen haben und obwohl sich sowohl TA-Management als auch TA-Personalvertretung noch am Mittwoch konstruktiver Gespräche in Sachen Festnetz-Sanierung gerühmt hatten. TA-Betriebsratschef Michael Kolek hatte Mittwochabend sogar gesagt, Protestmaßnahmen lägen auf Eis, das Klima sei (wieder) gut.

Chefetage verärgert

Das TA-Management reagierte verstört und verärgert auf die jüngste Wendung: "Es ist unverständlich, dass die Personalvertretung Mitarbeiter auf die Straße schickt, wenn es sich bei den Personalreduktionen um keine Kündigungen handelt" . Es gebe Sozialpläne und die betroffenen Beamten würden bei nahezu vollen Bezügen frei gestellt. Darüber suche man Möglichkeiten, die überzähligen Mitarbeiter außerhalb des Unternehmens zu beschäftigen.
Das honoriert TA-Betriebsratschef Michael Kolek wohl, meint aber: "Das sind zwei paar Schuhe. Die Demo richtet sich nicht gegen die Telekom Austria, sondern gegen Arbeitsplatzgefährdung im allgemeinen, bei Post, Telekom, AUA und nun auch beim ORF." Sie sei von der Gewerkschaft organisiert und nicht vom TA-Betriebsrat und definitiv "keine Kriegserklärung".

Beobachter halten den Schlagabtausch wegen der unmotivierten Demo überhaupt für ein Ablenkungsmanöver. Seit Wochen werden immer wieder Vorwürfe laut, der TA-Betriebsrat boykottiere jede Art von Lösungsmöglichkeiten oder Job-Rochaden der bis 2011 insgesamt 2500 überzähligen TA-Beamten. Das Unternehmen habe in den vergangenen sechs Monaten rund 230 Call-Center-Posten konzernintern als verfügbar gemeldet, für die sich heiße zehn TA-Beamte beworben hätten. Für 45 Arbeitsplätze in Telekom-Shops hätten sich nur fünf Leute interessiert und für weitere 200 Posten in der Mobilfunktochter Mobilkom (A1) gerade einmal hundert Bewerber. Das Problem dabei: Wechselt ein TA-Mitarbeiter dort hin, bekommt er zwar die gleiche Gage wie vorher, arbeitet aber unter Qualifikation.

Licht ins Dunkel bei Rückstellungen

Kolek stellt vehement in Abrede, dass die Personalvertretung Arbeitsmarkt-Vorschläge des Konzerns blockiere oder gar boykottiere. Auch habe niemand etwas gegen "Fehlverwendungen". Vielmehr sei es so, dass die aus dem aktiven Berufsleben herausgenommenen Kollegen (im Fachjargon "passiviert" ) über Stellenangebote nicht informiert worden seien. Daher wolle er Einsicht in die Protokolle der Job-Coaches. Fernmeldetechniker, die für die ÖBB arbeiten wollen, werde man unterstützen.

Licht ins Dunkel kommt inzwischen in die mit 630 Mio. Euro sehr hohen Rückstellungen für 1250 unterausgelastete Beamte. Sie basieren auf einem Durchschnittsjahresgehalt von 58.000 Euro für die Dauer von zehn Jahren. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.11.2008)

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    Fünf vor zwölf - oder doch schon fünf vor eins? Die Zeit läuft, und es gibt für hunderte Beamte der Telekom keinen Plan.

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