USA: Syriens Reaktorpläne "nicht friedlich"

28. November 2008, 16:57
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IAEO-Botschafter: Behinderungstaktik aus dem Iran bekannt

Wien - Die USA haben Syrien erneut vorgeworfen, mit dem von Israel 2007 zerstörten angeblichen Reaktor bei Al Kibar "keine friedlichen Absichten" verfolgt zu haben. Dies erklärte der US-Botschafter bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO bzw. IAEA), Gregory Schulte, am Freitag vor dem IAEA-Gouverneursrat in Wien. Syrien hat bisher stets bestritten, dass es sich bei dem Gebäude in der ostsyrischen Wüste um einen im Bau befindlichen Reaktor zur Herstellung von Plutonium gehandelt habe.

Schulte sagte am Freitag, die von israelischen Kampfflugzeugen im September 2007 bombardierte Anlage sei "nicht zur Produktion von Elektrizität" geeignet gewesen. Sie sei dafür zu abgelegen und auch für Forschungszwecke ungeeignet gewesen. Der US-Botschafter warf Damaskus vor, aus dem Iran bekannte Taktiken anzuwenden. "Bisher scheint Syrien die Taktiken der Behinderung und der Nicht-Hilfsbereitschaft auszuprobieren, die der Iran so verfeinert hat", sagte Schulte. Er forderte die UN-Atombehörde auf, ihre Untersuchungen in Syrien fortzusetzen.

"Spekatakuläre Beweise"

Syrien hat nach Angaben Frankreichs und der USA vor einer internationalen Inspektion Anlagen "gesäubert", die Mitarbeiter der UN-Atomenergiebehörde IAEO (bwz. IAEA) im Rahmen von Ermittlungen über ein mögliches Atomprogramm untersuchen wollen.

Kurz vor der IAEO-Anfrage auf Zutritt zu drei verdächtigen Anlagen seien dort Erdarbeiten durchgeführt worden, sagte der Vertreter der französischen EU-Ratspräsidentschaft, Francois-Xavier Deniau, am Freitag vor dem Gouverneursrat in Wien. Der US-Vertreter Gregory Schulte sprach von "spektakulären Beweisen" auf Satellitenbildern, dass Syrien die Anlagen unmittelbar nach der Anfrage der IAEO "gesäubert" habe.

Nicht ausgeschlossen, dass es sich um einen Reaktor handelte

IAEO-Generaldirektor Mohamed ElBaradei hatte in der vergangenen Woche in einem Bericht über die Inspektionen nicht ausgeschlossen, dass es sich bei dem zerstörten Gebäude in Syrien tatsächlich um einen Reaktor gehandelt habe. Bei dem Bau haben nach US-Erkenntnissen möglicherweise nordkoreanische Techniker geholfen. Die EU nannte ElBaradeis Bericht am Freitag "in vielerlei Hinsicht beunruhigend".

Damaskus hatte die IAEO-Inspektoren erstmals im Juni dieses Jahres ins Land gelassen. Weitere Untersuchungen wurden bisher jedoch nicht genehmigt. Zum Iran hatten die Vertreter Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens bei der IAEO am Donnerstag erklärt, Teheran zeige seit zwei Monaten "äußerte Geringschätzung" für die Atombehörde. Der Iran wird verdächtigt, unter dem Deckmantel seines lange geheimgehaltenen zivilen Atomprogramms nach Kernwaffen zu streben, was die Führung in Teheran stets zurückwies. (APA/dpa/Reuters)

 

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