Indien erhebt Vorwürfe gegen Pakistan

28. November 2008, 13:37
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Diplomatische Beziehungen wieder schwer belastet, aber Zusammenarbeit angekündigt

Neu Delhi/Islamabad - Nach der beispiellosen Terrorserie in Bombay hat Indien schwere Vorwürfe gegen Pakistan erhoben. Die Regierung in Islamabad verteidigte sich am Freitag mit dem Hinweis, "nicht-staatliche Akteure" seien für die Angriffe verantwortlich. Pakistan werde mit Indien bei der Verfolgung der Drahtzieher zusammenarbeiten. Die Regierung in Islamabad willigte in einem bisher einmaligen Schritt ein, den Chef des berüchtigten Geheimdienstes ISI, Ahmed Shuja Pasha, zum Austausch von Informationen nach Neu Delhi zu schicken. Indien hat dem ISI in der Vergangenheit vorgeworfen, an Anschlägen beteiligt gewesen zu sein.

Der indische Außenminister Pranab Mukherjee machte am Freitag nach Angaben der Nachrichtenagentur PTI "Elemente in Pakistan" für die Anschläge verantwortlich. In einer Mitteilung des pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari nach einem Telefonat mit Indiens Premierminister Manmohan Singh hieß es: "Nicht-staatliche Akteure wollen den Regierungen ihre eigene Agenda aufzwingen, aber es darf ihnen nicht erlaubt werden, damit Erfolg zu haben." Man dürfe den Extremisten nicht in die Falle gehen. Pakistan hatte zuvor vor Schuldzuweisungen gewarnt und die Anschläge scharf verurteilt.

Pakistan schickt Geheimdienstchef

Ein Sprecher des pakistanischen Premierministers Yousaf Raza Gilani sagte, Neu Delhi habe die Entsendung des ISI-Chefs angefordert, um "Informationen bezüglich der Ermittlungen bei den Angriffen von Bombay" zu teilen. Gilani und Zardari hätten der Bitte entsprochen, Pasha bald nach Indien zu schicken. Nach indischen Medienberichten richtet sich der Verdacht auf die muslimische Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba (Armee der Reinen).

Terrorgruppe

Nach Überzeugung der indischen Sicherheitskräfte operiert Lashkar-e-Toiba von Pakistan aus. Indien hat die Gruppe für zahlreiche Anschläge in den vergangenen Jahren verantwortlich gemacht. Lashkar-e-Toiba wurden in der Vergangenheit Verbindungen zumindest zu Teilen des pakistanischen Geheimdienstes ISI nachgesagt.

Der indische Premierminister hatte am Donnerstagabend in einer Ansprache an die Nation die Nachbarländer der Atommacht gewarnt, man werde es nicht dulden, wenn von ihrem Territorium aus Anschläge auf Indien verübt würden. "Wenn keine angemessenen Maßnahmen von ihnen ergriffen werden, wird das seinen Preis haben." Die verantwortliche Terrorgruppe habe ihre Basis im Ausland. Singh hatte Pakistan nicht ausdrücklich genannt, die Aussagen wurden aber als Warnung an die Adresse Islamabads verstanden. (APA/dpa)

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